Management

Betriebliche Kinderbetreuung als Schlüsselinstrument für ein gelungenes Employer Branding

Interview mit Silvia Staab, Gründerin der Fintosch International Toddler School und Kindergarten GmbH, Frankfurt am Main, anlässlich der 1. Bad Homburger Unternehmergespräche am Donnerstag, den 27. Oktober 2011. Das Thema der Veranstaltung lautet: „Employer Branding – Worthülse oder nachhaltige Entwicklungen zur Arbeitgebermarke als Wettbewerbsvorteil in Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels?

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Guten Tag Frau Staab. Unser Gespräch findet vor dem Hintergrund der 1. Bad Homburger Unternehmergespräche am Donnerstag, den 27. Oktober 2011 statt. Das Thema der Veranstaltung lautet: „Employer Branding – Worthülse oder nachhaltige Entwicklungen zur Arbeitgebermarke als Wettbewerbsvorteil in Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels?“ Bitte stellen Sie sich zunächst einmal kurz vor.

Guten Tag Herr Brümmer. Mein Name ist Silvia Staab und ich bin seit 2006 selbstständig in meinem Unternehmen tätig, einer internationalen Kindertagesstätte in Frankfurt am Main.

Frau Staab, auf den ersten Unternehmensgesprächen im Bad Homburger Schloss werden ja die Risiken aber insbesondere auch die Chancen für Unternehmen im Zuge des Fach- und Führungskräftemangels beleuchtet. Unser Thema ist jetzt speziell die betriebliche Kinderbetreuung als Schlüsselinstrument für ein gelungenes Employer Branding. Sie verfügen ja persönlich über eine umfassende Erfahrung in dem Bereich der betrieblichen Kinderbetreuung – Sie haben ja gerade erwähnt, Sie betreiben mit Ihrem Unternehmen Fintosch private Kindergärten, die Unternehmen für ihre angestellten Mütter aktiv nutzen. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Idee ist daraus geboren, dass ich selbst von Beruf Kinderpflegerin bin und selbst fünf Jahre in Kindergärten gearbeitet habe. Ich bin 1990 in die USA ausgewandert, habe dort meine eigenen Kinder bekommen und bin dann nach Deutschland zurückgekehrt. Ich habe dann festgestellt, dass in den USA die ganzen internationalen Sachen schon weit mehr praktiziert werden – meine Kinder sind auch zweisprachig aufgewachsen – und daraus entstand schließlich die Idee, das auch in Deutschland umzusetzen. Ich habe dann erst einmal nur mit einer Tagesbetreuung von 08:00 bis 17:00 Uhr angefangen, aber schnell gemerkt, dass es immer mehr berufstätige Mütter gibt, die nach mehr suchen, als einfach nur eine Tagesbetreuung. Im Laufe der Jahre habe ich mich dann weiterentwickelt, auch auf Drängen der Eltern hin, und die Betreuung mehr auf Unternehmen hin zugeschnitten. Ich habe mir dann sehr viele Gedanken darüber gemacht, was eine optimale Betreuung für arbeitende Eltern sein könnte, und habe das schließlich auch so umgesetzt.

Und wie wird dieses Angebot nun von den Unternehmen und auch den Eltern angenommen?

Für die Eltern ist es natürlich toll, weil wir auch längere Öffnungszeiten anbieten als reguläre KiTas. Wir sind zum Beispiel schon Morgens von 07:30 bis Abends um 19:00 da – und nach Absprache auch noch länger. Da sind wir flexibel. Das bietet ein städtischer oder ein anderer Kindergarten selten. Zudem haben wir auch keine Ferienzeiten, außer an Weihnachten, da haben wir ein paar Tage geschlossen. Aber ansonsten ist eine durchgehende Jahresbetreuung bei uns möglich.

Welchen Stellenwert hat dieses Angebot nun für die Unternehmen, aber auch für die berufstätigen Frauen? Wie ist die Lage gerade in den KiTas momentan? Es ist ja sehr schwer einen Platz zu finden, oder?

Es ist sehr schwer einen Platz zu bekommen. Auch wir haben eine sehr lange Warteliste. Und nun ja, die Mütter wollen ja Gewissheit haben, dass ihr Kind – was ja das Wertvollste für sie ist – gut betreut wird. Und nicht nur gut betreut wird, sondern im bestmöglichsten Fall auch noch etwas lernt, weil die Eltern können ja dies in der Zeit wo sie arbeiten ihren Kindern nicht bieten. Und da haben wir uns gedacht, dass wir auch einen Lehrplan für Kinder ausarbeiten, ganz egal wie alt sie sind. Ob das jetzt noch ganz kleine sind, oder auch schon im Kindergartenalter. Und das kommt auch bei den Eltern gut an. Das Gewissen ist dann ruhiger, sie können beruhigt zur Arbeit gehen und sie wissen, es ist jemand da, der sich um die Kinder sorgt und auf alles aufpasst.

 

Um auf diesen Punkt noch kurz einzugehen: Die frühkindliche Bildung hat bei Ihnen also einen zentralen Stellenwert?

Ja, einen sehr hohen Stellenwert. Wir fördern auch unsere Einjährigen. Das ist wirklich witzig zu sehen, wenn sie Morgens kommen – sie haben einen festen Tagesablauf – und dann erst einmal ihr Stülchen in den Stuhlkreis schieben. Teilweise können sie dann schon die Zahlen herunterrattern, die Farben benennen – aber alles spielerisch. Manchmal kommen dann auch ganz kuriose Worte raus [lacht]. Aber der Ansatz ist da und die machen das mit einem Spaß und einer Leidenschaft, das ist ganz toll zu sehen. Und das beruhigt natürlich auch die Eltern, dass die Kinder nicht einfach nur den ganzen Tag spielen, sondern dass da auch wirklich gefördert wird. Das ist für die Eltern ganz wichtig.

Die Bedeutung der frühkindlichen Förderung ist ja auch in den letzten Jahren durch einige wissenschaftliche Studien belegt worden. Aber um auf den anderen Teil der Frage zurückzukommen: Wie hoch ist jetzt der Stellenwert ihres Angebots für die Unternehmen?

Also wir haben Unternehmen, die an uns herangetreten sind und sich bei uns einkaufen, die Plätze für ihre MitarbeiterInnen belegen und beispielsweise ein Kontingent von zehn Plätzen buchen. Dann regeln die Unternehmen das selber, wie sie dies mit ihren MitarbeiterInnen verrechnen. Meistens geht das über eine Lohnabrechnung, dass dann der Lohn etwas geringer ist und dann auch steuerlich anders abgerechnet werden kann. Die Mütter müssen sich dann nicht darum kümmern, wissen dass ihre Kinder gut betreut sind und können dann natürlich wieder früher in den Beruf zurückkommen. Und das ist natürlich auch für die Unternehmen wiederum ein großer Vorteil. Dadurch steigt nicht zuletzt auch die Zufriedenheit in den Unternehmen.

Stichwort Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Um auf das andere Stichwort zu sprechen zu kommen: Employer Branding, also die Arbeitgebermarke. In wie weit trägt dieses Thema nun zum positiven Image von Unternehmen bei? Welche Erfahrungen haben Sie hier schon persönlich gemacht, gerade auch in Gesprächen mit Unternehmensvertretern?

Wie gesagt, Frauen kommen natürlich schon früher an den Arbeitsplatz zurück, im Team und im Unternehmen steigt die Zufriedenheit, die Motivation ist auch größer wieder zurückzukehren und letztendlich gibt es auch eine sinkende Mitarbeiterfluktuation durch eine gewisse Bindung an das Unternehmen.

Sie haben auch einige Großunternehmen, die hier mit positivem Beispiel vorangehen. Können Sie die einen oder anderen kurz nennen?

Wir haben unter anderem die DZ Bank als Kunden und wir haben auch schon Kontingente an die EZB [Europäische Zentralbank] verkauft. Im März werden wir dann eine neue KiTa eröffnen – und das ist schon etwas sehr tolles.

Was meinen Sie nun muss sich noch alles in Unternehmen ändern, damit das als Standardleistung angeboten wird?

Ich glaube nicht, dass das alleine an den Unternehmen liegt. Es wird hier insgesamt, auch politisch, daran gearbeitet. Es heißt ja, dass Kinder bis 2013 ein Anrecht auf einen Kinderkrippenplatz bekommen – und da arbeitet die Regierung natürlich entsprechend fleißig mit. Also es liegt nicht allein an den Unternehmen, wobei diese in letzter Zeit öfter an uns herantreten und unternehmenseigene KiTas gründen möchten. Also das Umdenken in diese Richtung hat schon stattgefunden. Es ist insgesamt ein Wandel der gerade stattfindet. Ob das jetzt bei den Unternehmen ist oder bei unserer Regierung. Es wird im Moment sehr viel getan. Und Unternehmen erkennen das und möchten da gerne mitmachen – viele trauen sich nur noch nicht.

Das ist wirklich ein sehr spannendes Thema. Frau Staab, ich bin auf dieses und die weiteren Themen der 1. Bad Homburger Unternehmergespräche sehr gespannt, über die AGITANO, das Wirtschaftsforum Mittelstand, noch ausführlich berichten wird. Vielen dank für das interessante Gespräch!

Sehr gerne Herr Brümmer.

 

Das Interview führte Marc Brümmer, Redaktionsleiter bei AGITANO, dem Wirtschaftsforum Mittelstand.

 

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