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DIW Berlin: Deutschland braucht keinen Kapazitätsmarkt

Die Versorgungssicherheit des deutschen Stromsystems ist trotz des Atomausstiegs in den nächsten zehn Jahren in keiner Region des Landes gefährdet. Ein Systemwechsel in Richtung Kapazitätsmarkt ist daher derzeit weder notwendig noch sinnvoll. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Klare Absage an jüngste Forderungen

Atomenergie, Atomkraft, Energiewende
Ein Atomausstieg ist auch ohne Systemwechsel möglich, so das DIW Berlin (Bild: siepmannH / pixelio.de).

Die Wissenschaftler erteilen damit entsprechenden jüngsten Forderungen eine klare Absage. „Wir schlagen vor, den derzeitigen, funktionierenden Strommarkt beizubehalten und zu seiner Absicherung eine Strategische Reserve aufzubauen“, sagt DIW-Energieexperte Karsten Neuhoff, der zusammen mit anderen Forschern die Wirkungen  unterschiedlicher Kapazitätsmärkte berechnet hat. „Das ist mit geringeren Risiken und Kosten verbunden und besser mit den Zielen der Energiewende vereinbar.“

Irreversible Eingriffe in den Markt

In der Debatte um die Versorgungssicherheit geht es letztlich um die Frage, ob der derzeit bestehende Strommarkt aufrecht erhalten, oder ob zusätzlich ein neuer Markt – ein sogenannter Kapazitätsmarkt – geschaffen werden soll. Auf einem Kapazitätsmarkt erhalten Kraftwerke nicht wie derzeit Erlöse nur für den erzeugten Strom, sondern auch für bereitgestellte Kraftwerkskapazitäten. „Dies würde einen erheblichen und irreversiblen Eingriff in den Markt bedeuten und dessen Funktionsweise mittelfristig grundlegend ändern“, sagt DIW-Expertin Claudia Kemfert. So würde die Lenkung von Erzeugungskapazitäten nicht mehr durch den Markt erfolgen.


Seite 2: Zusätzliche Flexibilität und Versorgungssicherheit

Christoph Schroeder

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