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HUMAN CAPITAL CARE – Fachmesse für das Gesundheitsmanagement in Unternehmen – Interviewreihe mit Michael Hoeckle

Die Messe HUMAN CAPITAL CARE – Regionale Experten für Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung – findet erstmals am 17. und 18. Oktober 2012 in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart statt. Mit 150 Ausstellern und mehr als 1.500 erwarteten Fachbesuchern ist die Veranstaltung Baden-Württembergs größte regionale Fachmesse zum Thema Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung im Unternehmen.

Burnout ist mittlerweile zu einem Synonym für arbeitsbedingte Krankheitsausfälle geworden. Laut den gesetzlichen Krankenkassen haben die Fälle von Burnout seit 2004 um das Zehnfache zugenommen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge verursachen allein die psychischen Erkrankungen Behandlungskosten von 27 Milliarden Euro jährlich. Jede zehnte Erkrankung hat inzwischen psychische Ursachen.

Im Vorfeld der HUMAN CAPITAL CARE führte AGITANO, das Wirtschaftsforum für den Mittelstand, eine dreiteilige Interviewreihe mit Michael Hoeckle, Veranstalter der Messe und Geschäftsführer der Eventus49 GmbH. Im ersten Teil beantwortet er Fragen zur Gesundheit und dem Belastungsbild in Betrieben sowie dem aktuellen Bewusstseinsstand dieser Problematik in den Unternehmen.


Die IG Metall bezeichnete den aktuellen beruflichen Stress als gesellschaftliche Zeitbombe. Ist psychischer Stress im Beruf wirklich neu?

Psychischer Stress ist nicht wirklich neu. Die Form des Stresses ist allerdings eine andere. Existenzbedrohliche Situationen, welche die Mitarbeiter unter Druck gebracht haben, gab es früher schon. Die Auswirkungen und der Umgang damit hat sich allerdings geändert. Bei steigenden Preisen, im Verhältnis dazu sinkenden Gehältern und einem schlechten Arbeitsmarkt ist Druck heute meines Erachtens höher.

Wie hat sich das Belastungsbild im Beruf verändert?

Im Generellen, nämlich auch im Privaten, ist die Komplexität des Lebens gestiegen. Wir sind nicht nur effizienter in unserer Arbeit geworden, sondern auch deutlich komplexer. In gleicher Zeit erledigen wir mehr Aufgaben und müssen somit auch den Überblick darüber bewahren. Moderne Systeme unterstützen uns dabei, nehmen uns die Arbeit aber nicht vollständig ab. Beispiel ist die Navigation im Auto. Wir sind schneller am Ziel, müssen aber das Navigationsgerät kennen, verstehen und das Fahrzeug lenken, ohne sich zu 100% darauf zu verlassen, dass man auch in die nächste Straße einbiegen kann.

Was machen bereits heute Unternehmen, um ihre Mitarbeiter gesundheitlich zu fördern?

Leider in den meisten Fällen zu wenig, wie die IG Metall-Umfrage beweist. Bis dato ist die Ausgabe in die Gesundheit noch eine kurzfristig betrachtete Unternehmensperspektive. Große Industrieunternehmen hingegen können teilweise schon auf jahrzehntelange Erfahrungen zurückblicken und weisen ein vielseitiges Maßnahmenprogramm an und passen das gesamte Unternehmen darauf an.

Berufliche Überlastung als gesamtgesellschaftliches Problem: Sind Gesundheitsangebote für Arbeitnehmer nur Symptombekämpfung oder auch Ursachenbekämpfung?

Mit einem gut integriertem Gesundheitsmanagement wird auf den Mitarbeiter eingegangen und eine Ursachenbekämpfung betrieben. Das BGM beinhaltet als Grundlage die Ursachenanalyse und die darauf abgestimmten Maßnahmen. Das Managementsystem lebt insbesondere durch die stetige Anpassung auf die Bedürfnisse im Unternehmen.

Vielerorts wird von Fachkräftemangel gesprochen, wie sieht es jedoch mit der Kehrseite aus? Leistungsdruck, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Konkurrenz, Kurz- und Leiharbeit, unsichere Arbeitsplätze. Wie kann man angesichts der heutigen Leistungsanforderungen Gesundheit für Arbeitnehmer sicherstellen?

Dies muss von den Unternehmen selber sichergestellt werden. Die Leistungsanforderungen dürfen nicht Hauptbestandteil sein. Es gibt Erkenntnisse, dass ein gelobter und anerkannter Mitarbeiter deutlich weniger Stress unterliegt und sogar die Fehlzeiten deutlich zurück gehen. Es gibt bekanntlicherweise positiven und negativen Stress. Wer Spaß an der Arbeit vermittelt, reduziert die Belastung der Mitarbeiter und steigert die Effizienz enorm. Die Mitarbeiter wollen als Menschen, nicht als Maschinen betrachtet werden.

Haben Sie hierzu ein paar Best Practice Beispiele von Unternehmen?

Wir haben auf der HUMAN CAPITAL CARE Fachmesse zehn Unternehmen, welche für Ihr Engagement ausgezeichnet worden sind. Als Vorbildfunktionen haben wir regionale Unternehmen verschiedenster Größen und Branchen gewählt, um für andere Unternehmen sichtbar zu machen, dass Gesundheitsmanagement kein Hexenwerk ist. Angefangen vom kleinen Handwerksunternehmen, über mittelständische Finanzunternehmen, bis hin zum Großkonzern haben wir Beispiele zusammengestellt.

Wie stark ist das Thema „Betriebliche Gesundheit“ im Bewusstsein der Unternehmen und Betriebe?

Das Bewusstsein ist nicht nur regional unterschiedlich, sondern auch abhängig von der Unternehmensgröße. Wo im nördlichen Raum das Thema sehr aufgeschlossen angegangen wird, ist in Baden-Württemberg, bezogen auf die Wirtschaftskraft Kleine und Mittelständische Unternehmen, noch Aufholbedarf. Nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern das gesamte Corporate Social Responsibility ist in der Umdenke, in welchem der Mitarbeiter und das Unternehmen nicht mehr nur als kurzfristig betrachtetes funktionales Konstrukt verstanden wird.

Im zweiten und dritten Teil wird Michael Hoeckle über Einzelheiten über die Messe HUMAN CAPITAL CARE sowie zum bald online startenden HCC-Magazin sprechen.

Christoph Schroeder

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