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Mehr Respekt in der Mail, bitte!

… aus der wöchentlichen Kolumne „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“ vom Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator Ralf Schmitt. Nachdem Sie im vergangenen Beitrag die für den Teamgeist so immens wichtige Kollegin „Tarnkappe“ kennengelernt haben, erfahren Sie heute mehr über die Stolpersteine bei der vermeintlich zeitsparenden Kommunikation via Mail mit den lieben Kolleginnen und Kollegen.

Die Befindlichkeiterin – Das musste mal gesagt werden!

Liebe Leser, kennen Sie folgende Situation? Es ist Freitag Nachmittag, sie befinden sich im Grunde bereits im Wochenende und wollen gerade den PC herunterfahren, als Ihnen einfällt, dass Sie den Kollegen das Team-Meeting für Montag noch gar nicht bestätigt haben. Sie tippen also noch eben „Montag Meeting 14 Uhr. Schmitt“ und schicken die E-Mail an die beteiligten Personen.

Mail und ihre Tücken

E-Mail, Mail, Kommunikation
Gerade im Business gilt für die Mail: manchmal ist mehr weniger! (Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Ich gebe zu, so oder so ähnlich passiert mir das häufig. Letzten Freitag spielt sich nach dieser E-Mail folgendes Szenario ab. Gerade als ich zur Tür hinaus in den verdienten Feierabend entschwinden will, klingelt mein Telefon und eine Stimme flötet: „Herr Schmitt, ich denke, wir müssen über Ihre Mail reden.“ Zaghaft frage ich nach, ob das nicht bis Montag Zeit hätte. Das wird vehement verneint und schon sitzt die Anruferin ungewollt in meinem Büro und wird deutlich: „Lieber Herr Schmitt, ich weiß, Sie sind ein vielbeschäftigter Mann und ich weiß außerdem, es ist kurz vor Feierabend. Darüber hinaus schätze ich auch Ihre Zielstrebigkeit und Entschlossenheit, Dinge auf den Punkt zu bringen … Aber ich empfinde es als ausgesprochen herrisch, hochmütig, wenn nicht gar blasiert, mir auf diese Art und Weise Termine mitzuteilen.“ Ich frage zaghaft nach: „Was für eine Art und Weise meinen Sie denn?“ „»Montag Meeting 14 Uhr. Schmitt«. Keine Anrede, kein » … wären Sie einverstanden mit … «, kein »Beste Grüße« oder »Schönes Wochenende«. Ich bin nicht Ihr Befehlsempfänger. Ich bin Projektleiterin wie Sie. Ich erwarte, dass wir unsere Termine gemeinsam abstimmen. Auch wenn Sie es für sozialkitsch oder Soft-Skill-Kram halten, ich wünsche im Mailverkehr einfach mehr Respekt“, prasseln die Vorwürfe auf mich nieder.

Nachdenken? Böser Fehler!

Ich entschuldige mich kurz und möchte nun endlich in den Feierabend. Doch Frau nennen wir sie mal „Befindlichkeiterin“ macht keine Anstalten, mein Büro zu verlassen. Also versuche ich meine weitere Vorgehensweise zu planen, lehne mich zurück und verschränke die Hände hinter meinem Kopf. Das tue ich eigentlich immer, wenn ich nachdenke. Ich finde diese Position äußerst bequem. Ein böser Fehler, wie sich herausstellt.

„Ich fühle mich und mein Anliegen an dieser Stelle nicht ernst genommen. Stattdessen verhalten Sie sich herablassend und machohaft“, schallt es mir entgegen. „Ihre Geste drückt eindeutig den Wunsch aus, sich mir gegenüber überlegen zu fühlen“ fährt die Dame fort. „Mit dieser Körperhaltung, der Entblößung Ihrer Körpermitte signalisieren Sie mir eindeutig, dass ich ungefährlich und damit unbedeutend bin.“

Ich verstehe was sie sagt, aber nicht, was sie meint

Wenn Sie jetzt mit eingefrorenem Gesicht und offenem Mund dasitzen, dann geht es Ihnen so, wie mir am letzen Freitag. Egal wie sehr ich mich bemüht habe, Frau Befindlichkeiterin wollte einfach nicht begreifen, dass ich zwar verstehe, was sie sagt, aber nicht, was sie meint. Sie hat sich ihre eigene Wahrheit zurechtgelegt und mir vor die Füße geworfen. Sie hat mir rücksichtslos wertvolle Freizeit gestohlen, um ihren Frust bei mir abzuladen. Ich sage nicht, Sie sollen unhöflich und generell kurz angebunden sein. Aber Respekt und Feingefühl, die an dieser Stelle von Ihnen gefordert werden, dürfen Sie andererseits auch erwarten.

Spielen Sie auf keinen Fall Vater oder Mutter!

Wenn Sie mit solchen Kollegen zu kämpfen haben, ist es unabdingbar, dass Sie den Täterstatus verlassen. Zelebrieren Sie sich als Opfer. Wecken Sie den „Kümmer-Instinkt“ in den Befindlichkeitern, indem Sie über Ihre „Schwierigkeiten und Probleme“ sprechen. Da BefindlichkeiterInnen wie ewig rebellische Töchter oder Söhne zu betrachten sind, dürfen Sie auf keinen Fall die Rolle von Vater oder Mutter einnehmen, sonst kommen Sie aus den Konfrontationen gar nicht mehr heraus.

Sind Sie etwa selbst BefindlichkeiterIn? Dann nehmen Sie sich mal aus dem Fokus. Es geht nicht immer nur um die eigenen Anliegen und Wehwehchen. Mit aggressiver Konfrontation und dem unaufhörlichen Darlegen Ihrer Gemütslage, berauben Sie andere um die Möglichkeit, Sie ernst zu nehmen oder einmal von selbst auf Sie zuzukommen.

Ralf Schmitt, Kollegen
Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Über Ralf Schmitt:

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil.

Christoph Schroeder

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