Panorama

Unterentwickelte Hirnregionen als Ursache für gewalttätige Jugendliche

Die Psychologie war bislang davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche aggressives Verhalten in erster Linie durch Nachahmen erlernen. Die Beobachtung und die Erfahrung, dass aggressives Verhalten zur Erreichung bestimmter Ziele führt, führe dann dazu, dass diese Verhaltenspraxen belohnt und verstärkt werden und somit in das bevorzugte Handlungsrepertoire aufgenommen werden. Eine neurowissenschaftliche Studie an der Universität Cambridge hat jetzt eine interessante Entdeckung gemacht, die diese Annahme teilweise in Frage stellen. Bei der Untersuchung von 65 verhaltensauffälligen und 27 anderen Jungen wurde eine deutliche Verkleinerung der beiden Regionen Insula und Amygdala festgestellt – und zwar unabhängig davon, ob die Verhaltensstörung schon in der Kindheit oder erst in der Jugend begonnen hatte. Die beiden Regionen sind für das Erkennen und Verarbeiten von Emotionen wichtig. Dies kann eine Störung der Empathie erklären (Einfühlungsvermögen / Fähigkeit zum Empfinden der Emotionen anderer durch Perspektivwechsel = Voraussetzung für Altruismus, das selbstlose Helfen anderer durch Mitgefühl und Anteilnahme). Nun gelte es herauszufinden, ob die auffälligen Hirnstrukturen Ursache oder Folge der Verhaltensstörung seien – also ob unsoziales Verhalten durch Nachahmung anderer entsteht und dann ein entsprechendes „Training“ des Gehirns erfolgt, oder ob die degenerativen Veränderungen im Gehirn das unsoziale Verhalten auslösen. Je nach Schlussfolgerung müssen unterschiedliche Strategien zum Umgang mit dem Problem entwickelt werden. Zumindest verschärfend wirkt jedoch das Problem, dass viele Eltern bei dem Entwicklungsprozess der kognitiven Fähigkeiten ihrer Sprösslinge psychologisch hoffnungslos überfordert sind. Man darf ein Auto nur mit Führerschein fahren, aber Kinder werden zu erschreckend großen Teilen ohne jegliche psychologische Grundkenntnisse (v)erzogen und dann auf die Gesellschaft losgelassen – zum Leidwesen aller Beteiligter. In Großbritannien gelten etwa fünf Prozent der Heranwachsenden als extrem aggressiv und schlecht in Gruppen integrierbar – ein weiterer signifikanter Teil erlernt niemals konsistente soziale Verhaltensweisen und strebt als sozialer Autist eine Karriere beispielsweise als Investmentbanker an…

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