Wirtschaft

USA fluten die Welt weiterhin mit billigem Geld

Zum ersten Mal in der Geschichte hat ein US-Notenbankchef öffentlich Rede und Antwort zu seiner Zinsentscheidung gestanden. Fed-Chef Bernanke kündigte dabei an, den Leitzins unverändert zwischen Null und 0,25 Prozent zu belassen und damit die Politik des billigen Geldes fortzusetzen. Des Weiteren werde zwar das 600-Milliarden-Dollar-Programm zum Kauf amerikanischer Staatsanleihen (Neuverschuldung) wie geplant Ende Juni auslaufen, die Einnahmen von auslaufenden Papieren und Hypotheken im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar sollen allerdings wieder in den Ankauf weiterer Anleihen investiert oder umgeschichtet werden. Der Ankauf von Staatsanleihen in so großem Umfang bedeutet faktisch, dass die Fed mehr Geld in Umlauf bringt und damit quasi frisches Geld druckt. Dadurch werden die internationalen Finanzmärkte weiterhin mit neuen Milliardensummen geflutet, die ihre best möglichen "Investments" suchen und in jüngerer Zeit durch massive Spekulationen in den Rohstoffmärkten die reale Wirtschaft von Angebot und Nachfrage durcheinander bringen (von der Politik bislang nicht unterbunden – für den Unterschied zwischen Investition und Spekulation siehe den Artikel „Crashkurs (3): Spekulieren mit Rohstoffen“ aus der Süddeutschen Zeitung). Heutzutage wird für diese Geldvermehrung allerdings nicht mehr die Notenpresse angeworfen, die das Volumen gar nicht bewerkstelligen könnte. Stattdessen kauft die Zentralbank von den Banken des Landes Wertpapiere sowie auch Staatsanleihen und schreibt dann den Kaufpreis auf deren Konto bei der Zentralbank gut. Seit September 2008 hat die US-Zentralbank auf diese Weise neu geschaffene 1,7 Billionen Dollar in die Märkte gepumpt. Bernanke wehrt sich allerdings gegen den Vorwurf, mit seiner Geldpolitik den Dollar zu entwerten. Ein starker Dollar würde im Interesse der USA liegen. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass eine gezielte Währungsmanipulation (analog zu der Chinas) zur Schwächung des Dollars den US-Interessen ebenfalls in die Hände spielen würde: US-Exporte werden billiger, was der US-Wirtschaft helfen würde (Wettbewerbsfähigkeit), und die Schulden würden entwertet, was eine Rückzahlung erleichtert. Parallel bedeutet das jedoch auch, da der US-Dollar die hauptsächliche Weltreservewährung ist, dass die Dollarbestände der anderen Zentralbanken weltweit an Wert verlieren. Für die US-Wirtschaft selbst senkte Bernanke die Prognosen vom Januar herab: So werde das Wirtschaftswachstum dieses Jahr zwischen 3,1 bis 3,3 Prozent betragen (zuvor: 3,4 bis 3,9 Prozent). Die Arbeitslosigkeit werde bis Ende des Jahres auf 8,4 bis 8,7 Prozent zurückgehen und bis Ende 2013 dann auf 6,2 bis 6,8 Prozent. Die Inflationsrate werde den hohen Wert von 2,1 bis 2,8 Prozent betragen – vor allem aufgrund der stark steigenden Rohstoffpreise.

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