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Digital Entrepreneurship: Was sind die wichtigsten Exzellenzfaktoren für ein digitales Startup?

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Gegründet ist vergleichsweise schnell: statistisch dauert ein Gründungsverfahren in Deutschland durchschnittlich sechs Tage. Der Erfolg stellt sich jedoch meist nicht automatisch ein: Um ein digitales Startup zum lukrativen Unternehmen weiterzuentwickeln, sind einige grundlegende Voraussetzungen zu schaffen. Ein revolutionäres und neues Produkt gehört nicht zwangsläufig dazu, eine Vision sollten Gründer aber in jedem Fall haben.

Ein digitales Startup braucht klare Visionen

Nicht ohne Grund scheitern sechs von zehn Gründungsvorhaben im digitalen Bereich. Die Gründe sind hierbei jedoch vielfältig: Entweder war der Markt noch nicht bereit, das Produkt nicht gänzlich ausgereift oder der Wettbewerb kam mit einer ähnlichen Idee schneller voran – an einer Stelle war das eigene Konzept nicht tragfähig. Dabei gibt es durchaus Beispiele dafür, dass ein Startup nicht unbedingt als erster Anbieter eines Produktes auf den Markt drängen muss, um erfolgreich zu sein. Erinnert sei nur an Google, das Unternehmen stellte sich der Konkurrenz anderer Suchmaschinen – und gewann.

Dreh- und Angelpunkt sind zunächst die Gründer, die durchaus unterschiedliche Ziele verfolgen können: Auf der einen Seite gibt es die Gründerpersönlichkeiten, die mit einer Innovation etwas Großes bewegen wollen. Auf der anderen Seite sind die strategisch Planenden, die eine Geschäftsidee auf ihr Erfolgspotenzial hin analysieren, um größtmögliche Gewinne zu erzielen. Andere wiederum werden von einem Kapitalgeber ganz bewusst zusammengestellt, um ein bestimmtes Projekt umzusetzen. Wenig aussichtsreich dürften hingegen die Gründungen sein, die aus einer Laune heraus durchgezogen werden – weil es eben cool ist.

Alle Gründungsmotive haben jedoch eines gemeinsam: Gründer sollten eine Vision haben, die sie überzeugend vermitteln können. Aus dieser Vision sollten sich die langfristigen Ziele und die einzelnen Handlungsschritte und Prozesse ableiten lassen, die wiederum dem Team die Richtung und die zu erledigenden Aufgaben verdeutlichen.

Gefragt sind qualifizierte, engagierte Teams und flache Hierarchien

Die beste Idee bleibt eine Theorie, wird sie nicht von einem kompetenten Team zum Leben erweckt. Umgekehrt kann ein hervorragendes Team auch einer mittelmäßigen Idee zum Erfolg verhelfen – was die Bedeutung der Personalfrage gerade zu Beginn eines Gründungsvorhabens unterstreicht. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, was die Mitarbeiter machen und können, sondern warum sie es tun: Brennen sie für die Idee und machen sich deren Verwirklichung zum eigenen Ziel, ziehen sie auch weitere Mitstreiter vom selben Schlag an. Ein mittelmäßiges Team schreckt hingegen die echten High Potentials ab.

Umso wichtiger ist das strategische Recruiting mit ausreichend zeitlichem Spielraum, denn unter Zeitdruck werden insbesondere in Personalfragen keine guten Entscheidungen getroffen. Maßstab sollte neben der eigenen Vision und der Unternehmensphilosophie vor allem der Anspruch sein, auf ausgewiesene Top-Talente mit langfristigem Potenzial zu setzen. Fehlen die fachlichen oder zeitlichen Ressourcen für ein professionelles HR-Management, empfiehlt sich durchaus die Einbindung externer Profis: Mitarbeiter mit den passenden Kompetenzen und Soft Skills gehören zum wertvollsten Kapital eines Startups – als solches sollten die Talente auch behandelt werden.

Qualität der Führungsetage als entscheidender Erfolgsfaktor

Insbesondere in digitalen Startups zeigen sich die verkehrten Vorzeichen in puncto Unternehmensführung: Tiefe Hierarchien sind ebenso wenig gefragt wie ein dominanter Chef, ein Firmenwagen oder starre Arbeitszeiten. Es geht vielmehr um Entfaltung, Mitspracherecht und die Beteiligung am Unternehmenserfolg – die Unternehmensführung hat bevorzugt um die High Potentials zu kämpfen und sieht sich mit einer ausgesprochen selbstbewussten Generation konfrontiert, die neben dem Beruf auch ein Privatleben oder eigene Vorhaben pflegen möchte. Nackte Zahlen und Zielvorgaben taugen hier nicht, qualifizierte Mitarbeiter wollen als Partner behandelt werden, die eigenständig den möglichst großen Spielraum zur Verwirklichung der Vision ausschöpfen können und wollen.

Die Schlüsselpositionen, wie Chief Executive Officer (CEO), Chief Operations Officer (COO), Chief Marketing Officer (CMO), Chief Financial Officer (CFO) und Chief Technology Officer (CTO), sollten mit Spezialisten auf ihren Gebieten besetzt werden, die jedoch auch über die notwendigen sozialen Kompetenzen verfügen. Von ihnen hängt es ab, ob das Team sein Potenzial voll entfalten kann – und das gesamte Gründungsvorhaben von Erfolg gekrönt ist.

Über die Autoren:

Marco Englert (MSc, MBA) ist Manager, Coach und Berater. Als Chief Marketing Officer (CMO) und Executive Director Strategy & Digital Transformation verantwortet er die Modellierung und Umsetzung der Managementstrategien und -systeme bei der Motodox GmbH.

Prof. Dr. Anabel Ternès ist Mentorin, Speaker, Expertin und Autorin für Digitalisierung und hält eine Professur für E-Business. Sie ist Gründerin mehrerer Tech-Unternehmen und leitet das Internationale Institut für Nachhaltiges Management (IISM).

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