Einsichten & Ansichten

Franz Alt: Der Papst: „Eine Schande für Europa“

…aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt.  Nach „Solarstrom wird Sozialstrom!“ folgt heute: „Der Papst: „»Eine Schande für Europa«“.

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Arrival of Immigrants in the Sea of Lampedusa (Italy)
Flüchtlingsboot vor der Küste Lampedusas (Bild: Ggia / common.wikimedia.org)

Die Bürgermeisterin von Lampedusa sagt, den Afrika-Flüchtlingen, die jetzt ertrunken sind, hätte schneller geholfen werden können. Doch „unmenschliche Gesetze“ hätten rasche Hilfe verhindert. Der Papst spricht von einer „Schande für Europa“ und Italiens Regierung ist „entsetzt“. Doch für wahrscheinlich mehrere hundert Tote kommt jede Diskussion und jede Einsicht zu spät.

Schon am ersten Tag wurden über 120 Leichen geborgen. Am zweiten Tag mussten die Bergungsarbeiten wegen Unwetter eingestellt werden. Die Rettungsmannschaften konnten bis Donnerstagmittag nur etwa 150 Menschen  retten.

Das Flüchtlingsboot mit rund 500 Afrika-Flüchtlingen war am Donnerstagmorgen in Küstennähe gesunken – darunter 30 Kinder und viele Frauen. Es ist die zweite Flüchtlingstragödie innerhalb einer Woche. Am Montag waren bereits 13 Menschen in Küstennähe ertrunken. Die Besatzung soll die gestrandeten Passagiere mit Peitschenhieben ins Wasser getrieben haben, obwohl viele nicht schwimmen konnten.

2013 versuchten bereits mehr Menschen aus Afrika übers Mittelmeer nach Europa zu fliehen als im gesamten Jahr 2012. In Afrika sind zurzeit über 18 Millionen Flüchtlinge aus Gründen der Klimaerwärmung und aus Wassermangel unterwegs. Der Flüchtlingsexperte Lorenzo Pezzani von „Watch the Med“ sagt, überlebende Flüchtlinge haben berichtet, dass Boote an ihnen vorbeigefahren seien, ohne Hilfe zu leisten. Die Politik der unterlassenen Hilfeleistung auf See sei ein „Verbrechen an der Menscheit“.

Flüchtlingsorganisationen berichten, dass in Italien sogar bestraft wird, wer Bootsflüchtlinge aus Seenot rettet wie zum Beispiel der frühere Chef der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Elias Bierdel.

An der Berliner Mauer wurden in 29 Jahren etwa 160 Flüchtlinge getötet. Die moralische Empörung war riesig. Im Mittelmeer sind in den letzten Jahren beinahe 10.000 Menschen durch rigorose EU-Abwehrpolitik ertrunken. Aber die Moral kommt gegen die Politik einfach nicht an. In Wahrheit ermorden wir die Flüchtlinge.

Der Papst würde eher gehört werden, wenn der Vatikan sich bereit erklären würde, zunächst 10 Flüchtlinge symbolisch im Vatikan aufzunehmen. Dann müssten die großen Länder wohl nachziehen.

Quelle: © Franz Alt 2013


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Über Franz Alt

Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz alt (© Bild: privat)

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war zwanzig Jahre Leiter und Moderator von „Report Baden-Baden“, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem „Europäischen Solarpreis für Publizistik“ ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Regierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt. Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com.

Lesen Sie hier seinen Gastbeitrag von letzter Woche: „Aus Solarstrom wird Sozialstrom!“.

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Klein-Buch-Franz-Alt
Franz Alt: Auf der Sonnenseite

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Franz Alt
Auf der Sonnenseite

 

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Christoph Schroeder

3 Kommentare zu “Franz Alt: Der Papst: „Eine Schande für Europa“

  1. Es ist natürlich kein neues Problem. Die Leute fliehen aus Afrika hautpsächlich aus wirtschaftlichen Gründen, in Europa möchte man die Flüchtlinge aber nicht aufnehme, auch vorrangig aus wirtschafltichen Gründen, ob es nun um die verfügbaren Stellen oder auch um die Leistungen der Sozialsysteme geht. Sicherlich könnte Europa ohne Problem noch mehr Flüchtlinge vertragen, sofern denn irgendein fairer, ja, Verteilungsmechanismus bestünde, dass Flüchtlinge, die zwangsläufig an der europäischen Peripherie eintreffen, in vorher nach Quoten bestimmte andere Länder weitergeführt werden. Am Ende wäre es natürlich das beste, die Ursache würde verschwinden, d. h. bessere Lebensbedingungen in gewissen afrikanischen Ländern. Das ist natürlich ein großes Kapitel für sich, aber ja, symbolische Aufnahme im Vatikan, warum nicht?

  2. “In Afrika sind zurzeit über 18 Millionen Flüchtlinge aus Gründen der Klimaerwärmung ….”, “In Wahrheit ermorden wir die Flüchtlinge”.
    Her Alt ist (fast) nicht zu übertreffen in ideologisiertem Gutmenschentum: Der Moralapostel spricht!
    Wie stände es einmal mit einer ausgewogenen Kommentierung? Etwa macht doch Europa den armen Flüchtlingen falsche Hoffnungen. Kanadas Einwanderungsbestimmungen kennt die ganze Welt. Warum kann sich Europa nicht zu mehr Klarheit, Hilfe, die wirklich diesen Namen verdient und unterstützender Barmherzigkeit durchringen. Der Past hat nicht gesagt, wir sollten alle Flüchtlinge aufnehmen, die Situation hat er als schändlich beschrieben.

  3. Bildlich gesprochen kann auch ein Rettungsboot kentern, wenn es zu viele Schiffbrüchige aufnimmt. Die Integration von Menschen aus anderen Kulturen ist in den Ballungszentren Europas nicht im Mindesten gelöst. Wie soll denn da eine Integration gelingen, wenn jeder potentiell Einwanderungswillige sich in Europ niederlassen darf?
    Die Aussage des Papstes ist dennoch richtig, nur die Lösung nach Franz Alt ist zu simpel, wenn nicht sogar tödlich für Europa.

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