Personal

Führungskräfte haben Entwicklungsbedarf

Zusammenarbeit verbessern

Das Thema Schnittstellenmanagement hingegen wurde in Form eines World-Cafe bearbeitet. Hierbei verteilten sich die 100 Teilnehmer im Plenumssaal an 16 Tischen. Sie symbolisierten jeweils eine Abteilung bei Aramark. Alle Tische waren mit Papiertischdecken gedeckt, auf denen die Fragen standen:

  • „Was funktioniert an dieser Schnittstelle reibungslos und positiv und warum?“ und
  • „Was funktioniert nicht reibungslos und ist kritisch zu sehen und warum?“.

Auf den Tischdecken sollten die Teilnehmer ihre Gedanken zur Zusammenarbeit mit der entsprechenden Abteilung notieren. Die beschrifteten Tischdecken wurden im Nachgang von der Geschäftsführung dem jeweiligen Bereichs- oder Abteilungsleiter übergeben, verbunden mit dem Auftrag, aus den Notizen Maßnahmen für seinen Bereich abzulei­ten.

Um die Veranstaltung so dynamisch und motivierend wie möglich zu gestalten, hatten auch die „Impuls-Vorträge“ im Plenum eine sehr kreative Form. Die Arbeitsgrup­pe „Situatives Führen“ verkleidete sich zum Beispiel als Wandergruppe und marschierte zum Lied „Die Bergvagabunden“ ein. Und bei einem weiteren Plemumsvortrag kommentierten zwei Aramark-Führungskräfte verkleidet als die beiden zeternden Alten („Statler and Wal­dorf“) in der Muppet-Show die vorgetragenen Thesen und sorgten so für die gewünschte Leichtigkeit bei dem Theorie-Input. Aufgegriffen wurden auch Motive, die die Führungskräfte bereits kannten. So erinnerten sich die Teilnehmer, als vor Beginn des World-Cafes Kollegen mit einer Seifenkiste in den Plenumssaal fuhren, sofort an den Bau eines solchen Gefährts bei einer früheren Führungs­kräfteveranstaltung zum Thema „Schnittstellenmanagement“. Außerdem wurde immer wieder ein Bezug zur Musik und zum Motto der Veranstaltung hergestellt.

Führungskräfte auch emotional begeistern

Für die gewünschte Dynamik sorgten auch die Abendveranstaltungen. So stand zum Beispiel am Abend des ersten Tags ein Teamdrumming im Programm, das für die Teilnehmer den Zusammenhang von Führung und Team-Performance sinnlich erfahrbar machte. Und die Abendveranstaltung am letzten Tag? Sie begann mit einem Rap-Song mit dem Refrain „Mit nachhaltigen Ideen fährst du nach Haus. Mach was draus!“ – vorgetragen von der Projektgruppe. Danach erarbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen ihren eigenen Rückblick auf die vergangenen Tage und präsentierten diesen in Form von Musikstücken, Bildern oder literarischen Einlagen ihren Kollegen.

Fühlst Du noch den Beat?

Beim gesamten Festival wurde Wert darauf gelegt, dass die Teilnehmer zum Umsetzen des Gelernten und Erlebten animiert werden. Deshalb wurde ihnen zum Beispiel zu Beginn der Veranstaltung ein Notizbuch überreicht, das in die einzelnen Themenbereiche untergliedert war. Außerdem enthielt es neben motivierenden Slogans Fragen zur Transferleistung wie „Was nehme ich mit?” und „Wie setze ich es um?“. Sechs Wochen nach der Veranstaltung erhielt zudem jeder Teilnehmer einen USB-Stick „Fühlst Du noch den Beat?“ mit den wesentlichen Inhalten, Bildern und Videoclips des Events zugeschickt. Außerdem wurde eine zweite Auflage der „Musikzeitschrift“ mit den Ergebnissen des Festivals produziert.

Kulturwandel im gesamten Unternehmen

Ein zentrales Aramark-Anliegen war es nicht nur den Transfer bei den Festival-Teilnehmern zu sichern, sondern auch einen Kulturwan­del im gesamten Unternehmen einzuläuten. Deshalb wurden alle Festival-Workshops in das jährliche Weiterbildungs- und Seminarprogramm von Aramark aufge­nommen. Entschieden wurde außerdem, dass die Mitglieder der Projektgruppe fortan als Spezialisten für die beim Festival behandelten Themen in Meetings und Projekten fungieren sollen. Zwei Projektgruppen beschäftigen sich zudem weiter mit den Festivalthemen „Gesund führen“ und „Schnittstellenmanagement“. All diese Maßnahmen dienen dazu, dass der Veränderungsimpuls, der von dem Festival ausging, nicht erlahmt, sondern das gesamte Unternehmen erfasst. Denn keinesfalls hegt Aramark die Illusion, dass ein Impuls wie das Führungskräfte-Festival genügt, um den angestrebten Kulturwandel zu vollziehen. „Ein solches Event kann aber die hierfür nötige Veränderungsenergie schaffen“, betont Katja Borghaus. „Und diese gilt es dann zu nutzen.“

BDVT lobt Projekt mit Vorbildfunktion

Eine zentrale Ursache hierfür war laut Einschätzung von Katja Borghaus und Hans-Peter Machwürth, dem Geschäftsführer des Machwürth Teams, dass es dem Unternehmen Aramark gelang, die teilnehmenden Führungskräfte rational und emotional anzusprechen. Ein weiterer Erfolgsfaktor war, dass Aramark-Führungskräfte das Festival weitgehend eigenständig und -verantwortlich planten, promoteten und gestalteten. Entsprechend stark identifizierten sie sich mit dem Projekt und wurden so zu einer Keimzelle des angestrebten Wandels. Insofern hat das Führungskräfte-Festival einen Vorbildcharakter dafür, wie man Changeprozesse in Unternehmen initiiert. Das sah auch die Fachjury des Berufsverbands für Trainer, Berater und Coaches (BDVT) so. Deshalb zeichnete sie das Cateringunternehmen Aramark und das Beratungsunternehmen Machwürth Team International für das Projekt mit dem Trainingspreis in Gold 2014/15 aus.

Stefanie Schmahl

Über die Autorin:

Stefanie Schmahl ist Wirtschaftsjournalistin und arbeitet für die PRofilBerater GmbH, Darmstadt. Sie ist auf Berufs- und Karrierethemen spezialisiert.

Christoph Schroeder

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