Finanzen

Richtungswechsel bei Aufsichtsratsvergütung in DAX-Unternehmen

Die Argumente für eine feste bzw. variable Vergütung führt Ralph Lange, Experte für Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung bei Towers Watson und Co-Autor der Studie, aus: „Der Aufsichtsrat ist kein externer Berater, sondern er ist für die langfristige Strategie des Unternehmens mitverantwortlich. Daher sollte er auch für den langfristigen und nachhaltigen Unternehmenserfolg honoriert werden. Aus diesem Grund halte ich die Vergütung des Aufsichtsrats mit einer festen Grundvergütung und einer langfristigen variablen Vergütungskomponente für sinnvoll. Dies kann zum Beispiel auch durch eine Aktienhalteverpflichtung erreicht werden.“

Lange räumt ein, dass eine rein feste Aufsichtsratsvergütung leicht verständlich und gut erklärbar sei – dies sei „sicher ein Vorteil angesichts der mitunter hitzigen Debatte um die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung“. Der Experte gibt jedoch zu bedenken, dass Unternehmen nicht das einfachste, sondern das für das jeweilige Unternehmen am besten passende Vergütungsmodell wählen sollten. Darüber hinaus betont Lange: „Eine langfristige variable Vergütung kann ebenfalls einfach gestaltet sein. So können Aufsichtsratsmitglieder sich beispielsweise verpflichten, einen Teil ihrer festen Vergütung in Aktien des Unternehmens zu investieren und diese mindestens bis zum Ablauf ihrer Bestellperiode zu halten. Dann entwickelt sich die Vergütung, die schlussendlich ausgezahlt wird, in die gleiche Richtung wie der Aktienkurs – und damit der langfristige Erfolg des Unternehmens.“ Im DAX setzen vier Unternehmen auf ein solches
Vergütungsmodell.

Heterogene Entwicklung bei einzelnen Unternehmen

Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden für 2013 mit im Durchschnitt voraussichtlich 338.500 Euro nahezu stabil (+1 Prozent). Mit Blick auf die einzelnen Unternehmen zeigt sich jedoch eine heterogene Entwicklung: Während die Vergütung bei vier Unternehmen unverändert bleibt, wird sie bei zehn Unternehmen um etwa zehn Prozent sinken. Bei den restlichen Unternehmen wird die Aufsichtsratsvergütung hingegen steigen. Für diese Entwicklung gibt es unterschiedliche Gründe, wie Vergütungsexperte Ralph Lange erklärt: „Bei den Unternehmen, die auf eine erfolgsabhängige Vergütung des Aufsichtsrats setzen, werden die jährlichen Auszahlungshöhen immer – je nach Unternehmenserfolg nach oben oder nach unten – schwanken. Einige Aufsichtsratsvorsitzende haben auch neue Funktionen in Ausschüssen übernommen oder Funktionen abgegeben, so dass die Vergütung für die Tätigkeit in Ausschüssen variiert. Schließlich schlagen die Anpassungen der Vergütungsmodelle in vielen Unternehmen zu Buche – in einigen Unternehmen mit Steigerungen, in anderen mit Kürzungen der Aufsichtsratsvergütung. Hier spielen auch unternehmensspezifische Gründe, zum Beispiel die aktuelle wirtschaftliche Situation oder eine Anpassung der Vergütung an das Vergütungsniveau in vergleichbaren Unternehmen, eine Rolle.“


Seite 3: Diversity langsam, aber stetig ausgebaut

Christoph Schroeder

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