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Susanne Latour: „Wie taufe ich richtig?“ – Teil 6: Positionieren, kreieren, checken, entscheiden: So werden starke Markennamen entwickelt

Auf der Basis des Briefings kann der Projektleiter zunächst als Anregung für das Team eine Geschichte schreiben, die die gewünschten Kriterien beinhaltet. Es folgt ein Brainstorming, dessen Regeln strikt eingehalten werden sollten. Denn in dieser Entwicklungsphase sind auch die verrücktesten Ideen wertvoll. Alle Vorschläge werden gesammelt, ohne auszusortieren und ohne zu bewerten. Dabei sind nach oben keine Grenzen gesetzt, es dürfen so viele wie möglich werden. Im besten Fall kommen Hunderte von Möglichkeiten zusammen, die der Projektleiter einer strengen Prüfung unterzieht.

Beim juristischen Check nicht an Aufwand sparen

Diese Stufe ist der Check. Da Evaluation die Kreativität erfahrungsgemäß eher blockiert als fördert, erfolgt die Prüfung immer erst nach der kreativen Phase. Dafür werden aus der kompletten Liste die rund 150 nach marketingstrategischen Kriterien interessantesten Schöpfungen ausgewählt: Entspricht der Name den Briefing-Anforderungen? Passt er zum Markenkern? Ist er originell? Ist er offen für Weiterentwicklungen? Lässt er Freiraum für die Fantasie? Erzählt er eine Geschichte?

Die besten Bezeichnungen werden dann juristisch unter die Lupe genommen – eine Recherche, die mehrere Wochen dauert: Entsprechen sie den Anforderungen des Markenamtes? Verletzen sie die Rechte Dritter? Danach wird eine Detailrecherche durchgeführt, um möglicherweise ältere Rechte aufzuspüren. Schließlich folgt die Anmeldung der Marke beim Markenamt, die nach einer Frist von sechs Monaten veröffentlicht wird. Wird bei dem juristischem Check an Zeit und Aufwand gespart, erhöht sich hier das Risiko eines Widerspruchs.

Die Namen, die nach diesem Prozess das Ranking anführen, sollten in allen relevanten Absatzmärkten bei der Zielgruppe getestet werden. Sind sie aussprechbar? Wecken sie positive Assoziationen? Es wäre doch schade, in einem wichtigen Exportland einen Flop zu riskieren. Für die endgültige Entscheidung werden die Top-Favoriten dann innerhalb des Unternehmens präsentiert. Die Meinung eines zusätzlich hinzugezogenen Markenexperten kann hier weitere Sicherheit geben. Auf diese Weise entsteht ein neuer Markenname, mit dem sich Mitarbeiter und Zielgruppe gleichermaßen identifizieren können.

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Über Susanne Latour:

Susanne Latour
(© Bild: Susanne Latour).

Susanne Latour – Eine Kosmopolitin im Namensgeschäft. Das Thema Markennamen kennt Susanne Latour wie kaum jemand: Seit über zwei Jahrzehnten betreut sie Namensprojekte auf nationaler und internationaler Ebene. Nach zwei Jahren Tätigkeit für die europäischen Namensagentur Nomen International S.A. in Paris gründete sie 1989 im Alter von 26 Jahren deren deutsche Tochterfirma, die Nomen International Deutschland GmbH. 2002 führte sie die bis dahin noch unbekannte Dienstleistung name coaching im internationalen Markt ein. Susanne Latour ist Verfasserin zahlreicher Fachartikel sowie Autorin von „Namen machen Marken“, dem 1996 im Campus Verlag erschienenen Fachbuch zur Entwicklung von Firmen- und Produktnamen. Mehr über Susanne Latour erfahren Sie auf www.anonyma.biz.


Christoph Schroeder

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