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„Servus Chef!” – Umgangsformen am Arbeitsplatz

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Duzen oder Siezen Sie Ihren Chef und Ihre Kollegen? Machen Sie es abhängig von der Hierarchiestufe oder gehen Sie nach dem Alter in dem sich die Kollegen befinden? Durch die Globalisierung unterliegt auch Deutschland einem Wandel der Umgangsformen. Während man vor 100 Jahren noch seine Eltern gesiezt hat, fällt es vielen Teenagern heutzutage schwer fremde Mitbürger zu siezen. Auch die USA hat einen enormen Einfluss auf die Anrede bestimmter Personen. Eine aktuelle Umfrage des Jobportals Indeed zeigt, dass sich das „Du” in deutschen Büros eingebürgert hat.

Die kleine Geschichte der Umgangsformen

Das Duzen und das Siezen durchlief innerhalb der letzten Jahrhunderte verschiedene Stufen der Wertschätzung. Während sich vor langer Zeit alle duzten, wurde irgendwann auf eine deutliche Unterscheidung bei den Umgangsformen und innerhalb der Ränge Wert gelegt. Daraus resultierte, dass sich ausschließlich das niedere Volk duzte und von den höheren Rängen mit „Du” angesprochen wurde und die oberen Hierarchien sich gegenseitig siezten und sich in dieser Höflichkeitsform ansprechen ließen.

Bis in die 60er Jahre war es üblich, dass sich auch Teenager im Alter von 16 und 17 Jahren siezten, um so ihren Status als junge Erwachsene zu etablieren. Gegen Ende des Jahrzehnts verschob sich diese Altersgrenze nach hinten, bis es irgendwann überhaupt keinen Unterschied mehr gab. Ein Forscher der Universität in Melbourne meint hierzu: „Viel wichtiger als das absolute Alter ist bei der Anrede der Altersunterschied der beiden Gesprächspartner.” Diese Beobachtung stellt man auch heute in den Unternehmen fest. Sind zwei Kollegen im etwa gleichen Alter, so fällt es leichter sich sofort gegenseitig das Du anzubieten, anstatt sich mit einem komplizierten Sie zu beschäftigen. Zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern hingegen, ist das Siezen ein täglicher Begleiter. Auch die Hierarchieebene spielt hierbei eine große Rolle. Wie heißt es so schön: „Man sagt schneller ‚Du Arschloch!‘ als ‚Sie Arschloch!’”

Umfrage zu der Verwendung von Sie und Du am Arbeitsplatz

Bei der Umfrage des Jobportals Indeed bezüglich der Verwendung der Umgangsformen am Arbeitsplatz ergab sich, dass 70 Prozent der Deutschen ihre Kollegen am Arbeitsplatz duzen. Überraschend ist, dass die Mehrheit der 1.137 befragten Arbeitnehmer, 52 Prozent, keine Unterscheidung bei der Hierarchiestufe machen und somit auch kein Problem haben, ihren Chef zu duzen.

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Die Mehrheit der Deutschen ist bei der Arbeit per Du. (© de.statista.com / CC BY-ND 3.0)

Die Mischform „Sie + Vorname”

Dass die amerikanische Mentalität mehr und mehr auch nach Deutschland überschwappt ist nichts Neues. Wir Deutschen sind bekannt für unsere strenge Bürokratie, unsere Regeln, den Perfektionsdrang und unsere Pünktlichkeit. Doch die Amerikaner nehmen langsam Einfluss auf unser Verhalten. Die Globalisierung verlangt von uns ein perfektes Englisch, damit wir mit der ganzen Welt Geschäftsbeziehungen führen können. Dabei kommen wir nicht umhin auch die Anrede dementsprechend anzupassen.

Wie oft angenommen, sind nicht alle Amerikaner per Du, auch wenn sie sich mit dem Vornamen ansprechen. Das dortige „you” wird sowohl als „Du” und als „Sie” verwendet. Der Chef wird dort also ebenfalls gesiezt, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass er mit seinem Vornamen und nicht seinem Nachnamen angesprochen wird. Ist man also auf Geschäftsreise in den USA und „Kollege Müller” wird plötzlich zu „Fritz” und man ist zurück in Deutschland, so ist es durchaus möglich, dass Kollege Fritz auch weiterhin mit Fritz angesprochen – und gesiezt – wird.

Umgangsformen funktionieren in jeglicher Hinsicht, solange es auf gegenseitigem Einverständnis beruht. Bei Unklarheiten hat sicherlich auch niemand ein Problem damit, die Unsicherheit bei einem Kaffee zu klären.

Lydia Hagen

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