Management

Wissen ist Mehr: Informationen sind der Taschenrechner, der alles multipliziert

Kind im rosa Pullover und kurzen blauen Hosen sitz im Gras und erwirbt Wissen indem es ein Buch liest

Ein Unternehmer erzählte mir kürzlich von einem Unternehmen, das im Moment Schwierigkeiten mit dem konstanten Wachstum und vor allem der Übergabe an die nächste Generation hat. Das waren so richtige Insiderinformationen, die ich da zufällig erhalten hatte. Ebenso zufällig meldete sich genau dieses Unternehmen bei uns und bat um ein unverbindliches Erstgespräch. Da ich ja über das Unternehmen nun bereits einige Informationen hatte, war es spannend, nun die Sichtweise der Eigentümer zu erfahren. Zusätzlich kam im Zuge des Gesprächs heraus, dass auch noch eine politische Situation ein Problem war und weiteres Wachstum verhinderte. Da ich einerseits die Insiderinformationen hatte, einiges aus der Branche wusste und auch noch die politische Situation mir vertraut war, war ich für den möglichen zukünftigen Kunden sehr interessant und nützlich im Gespräch. Wir hatten einen intensiven Austausch, aus dem auch ein Auftrag resultierte. Auf den ich mich sehr freue, weil ich dem Kunden durch diese zusätzlichen Informationsbausteine und mein Wissen einiges an Mehrwert bieten kann.

Wissen ist Macht

Diese Aussage habe ich schon immer vollinhaltlich für mich unterstrichen. Ich finde, Wissen ist Vorsprung und bringt jenen Menschen einen nicht unbeträchtlichen Mehrwert, die von diesem Wissen profitieren. Ich muss mich jetzt nicht überall extrem gut auskennen, trotzdem ist es aus meiner Sicht notwendig, ein mehr als fundiertes Wissen über seinen jeweiligen Bereich zu haben. Und dieser ist oft sehr vielfältig. Als Beraterin sollte ich über wirtschaftliche Situationen, Politik (hat Einfluss auf die Wirtschaft und umgekehrt) und internationale Geschehnisse informiert sein, auch über unternehmerisches Wissen verfügen und einen generellen Überblick haben. Wenn ich mich darüber hinaus auch noch mit zum Beispiel Wein, Literatur oder Kultur auskenne, bietet mir das ein großes Handlungsspektrum und bringt bei dem ein oder anderen wichtigen Gesprächspartner Augenhöhe und Sympathie mit sich.

Und was hat das jetzt mit Zielen zu tun?

In diesem Zusammenhang erzähle ich gerne eine Geschichte zweier angehender Unternehmer. Sie kamen vor einigen Jahren zu mir, weil sie einen Weinimport gründen wollten. Diese beiden sehr motivierten Herren hätten mich durch ihren Enthusiasmus fast überzeugt. Sie wollten Wein aus Kroatien nach Österreich importieren. Was ja grundsätzlich eine gute Möglichkeit ist, um ein funktionierendes, spannendes Business aufzubauen. Die Österreicher trinken diese Weine gern und lieben die Kultur, die dahinter steht. Sie hatten ein gutes Konzept, aber leider nur auf dem Papier. Dem Konzept fehlte fast alles, was für eine Markteinführung vom unternehmerischen Aspekt her notwendig ist. Außer, dass sie selber den Wein gerne trinken und sich ein großes Auto anschaffen wollten, kam wenig Inhaltliches rüber. Wenn Sie meine letzten Serienbeiträge gelesen haben, dann fällt Ihnen sicher gleich auf, was fehlte. Die beiden hatten einen Traum, aber kein Ziel. Das hätten wir aber zusammen ausformulieren können. Dann fehlte ihnen auch ein exakter Plan, aber auch diesen hätten wir in der Beratung zusammen schmieden können. Aber die Crux war: Sie hatten so gut wie keine Kontakte in Österreich. Nichts. Noch dazu kamen sie aus einer anderen Branche, das Wissen über Wein fehlte ihnen total. Man kann unter Umständen Dinge auch ohne initiales Wissen schaffen, das ist zwar wirklich hart, aber es ist möglich. Allerdings: Es muss auch die absolute Bereitschaft da sein, sich Wissen anzueignen – und das war bei den beiden Herren gar nicht der Fall. Wir hatten es also mit der Ausgangssituation „Null Kontakte und Null Wissen über einen Bereich“ zu tun. Fast unmöglich, so ein Business zu starten. Ich dachte mir damals, das wäre eine Ausnahme. Musste aber später feststellen, dass es eher die Norm ist. So viele Menschen glauben, dass Träume und Ziele ausreichen, wenn man nur alle weiteren Schritte tut. Leider ist dem nicht so.

Holen Sie sich das Wissen, das Sie noch nicht haben

Um unseren Wünschen und Zielen näher zu kommen, ist es notwendig, sich im Vorfeld auch das notwendige Wissen dafür anzueignen. Denn Wissen bedeutet erhöhte Effizienz und schnelleres Vorankommen!

Sie können auch ein Land ohne Reiseführer und ohne Vorwissen besuchen, Sie werden aber die Zeit vor Ort nicht so effizient nutzen, Sie werden Irrwege einschlagen und unnötige Kilometer zurücklegen. Genauso ist es auch im Business, wenn wir ohne Vorkenntnisse starten. Wie man zu Wissen kommt, ist natürlich jedem selbst überlassen. Der eine liest gerne, der andere wiederum eignet sich das Wissen beim Tun an. Mir wurde zum Beispiel das Thema Wein erst wichtig, als ich selber im Weingarten stand und bei jedem Schritt zum fertigen Produkt Wein aktiv dabei war. Darüber nur zu lesen, wäre mir zu langweilig.

Wenn ich mich in einem Gebiet sehr gut auskenne, ich dabei auch noch einen Wunsch habe, den ich mir erfüllen kann, dann geht einfach alles schneller, und die Wunscherfüllung rückt näher und näher. Ähnlich ist es in Ihrer jetzigen Umgebung. Wenn Sie ein Unternehmen ihr eigen nennen und es voran treiben möchten, brauchen Sie Kontakte, aber auch zusätzliches Wissen. Oft begegnen mir Eigentümer, die es müde sind, sich fortzubilden oder etwas für ihren Wissenshorizont zu tun. Sie engagieren Experten für die diversen Wissensbereiche, entwickeln sich aber selber nicht mehr weiter. Dabei ist genau das der Unterschied zwischen erfolgreichen UnternehmerInnen und weniger erfolgreichen. Wissen zu sammeln und neugierig zu sein auf Neues und Anderes!

Neugierde – der beste Antrieb für Wissenserhalt

Jene UnternehmerInnen, die schon immer neugierig waren und es auch bleiben, sind den anderen meist einen Schritt voraus. Dadurch finden sie stets neue Kontakte, mit denen sie wieder etwas Anderes und Nützliches gestalten können.  Es ist wichtig, auf Menschen offen zuzugehen, neugierig zu sein auf andere und deren Fähigkeiten, die man eventuell selber in der Form nicht hat. Das bringt einen selbst als Unternehmer weiter und damit auch das Unternehmen. Es braucht Neugierde, um Unternehmen zu entwickeln!

Raus aus der Komfortzone

Neugierig bleibt man dann, wenn man aus der Komfortzone heraussteigt. Nicht in der gleichen Branche verharrt, sondern andere Sichtweisen sowie Abläufe oder Prozesse kennenlernt. Besuchen Sie andere Unternehmen und lernen Sie von diesem Zugang. Oder unterhalten Sie sich mit Menschen, die gescheitert sind. In meinem aktuellen Buch habe ich Damian Izdebski interviewt. Er hat mit DiTech eine der größten Pleiten Österreichs hingelegt und darüber in seinem Buch „Meine besten Fehler“ geschrieben. Er war nach der Pleite dann in Amerika, und dort wollte jeder Manager mit ihm sprechen und seine Erfahrungen über das Scheitern erfahren. Egal, ob in der gleichen Branche oder fremde Branchen betreffend. Es ging den US-ManagerInnen einfach um das generelle Wissen rund um ein Scheitern. So eine Pleite können wir in allen Facetten und all ihrer Tiefe auch in Büchern nicht nachlesen, dazu sollten Sie Menschen treffen, die aus eigener Erfahrung darüber berichten können. Dieses Wissen hilft, voranzukommen und vorausschauend zu agieren.

Bleiben Sie neugierig und generieren Sie mehr Wissen auf unterschiedlichsten Kanälen! Das Leben ist zu kurz, um zu glauben, sowieso schon alles zu wissen. Lösungen entstehen mit Weitblick. Weitblick entsteht durch Austausch und Wissenstransfer.

Ein weiterer Interviewpartner, Ali Rahimi, sagte mir, dass er immer ein Büchlein mit dabei hat. Er notiert darin Zitate, schlagfertige Aussagen, die er miterlebt hat und vor allem seine Ideen. Sehr oft stehen dort auch Dinge, die er von anderen erfahren hat und die aus seiner Sicht für ihn wichtig und nützlich sein könnten. Er hat mittlerweile eine so große Ansammlung dieser Bücher im A5-Format, dass er sie schon in Kategorien bündeln muss, um den Überblick zu bewahren. Die Art und Weise, Wissen zu sammeln, kann sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist nur, es zu tun!

Über Anke van Beekhuis

Anke van Beekhuis, Geschlechterausgewogenes Management, Organisationsberaterin, Coach, Vortragende, Autorin, Strukturberatung, Strategieentwicklung, Führungskräfteentwicklung, Change Management
Anke van Beekhuis ist Expertin für Ziele, Strategie, Veränderung und Entwicklung sowie Geschlechterausgewogenes Management (Bild: © Anke van Beekhuis)

Anke van Beekhuis, gebürtige Salzburgerin, ist seit 2005 als Beraterin, Coach und Keynote Speakerin mit TheRedHouse selbstständig tätig. Zu ihren Kernkompetenzen gehören: systemische Organisationsberatung, Führungskräfteentwicklung, Persönlichkeitsentwicklung & geschlechterausgewogenes Management. Sie begleitet Unternehmen bei der Organisationsstruktur, Strategie- und Führungskräfteentwicklung und in Changeprozessen. Über tausend Führungskräfte und Vorstände haben von ihrem Fachwissen in Form von Vorträgen, Beratung, Workshops, Lehrgängen, Diskussionsrunden und Coaching profitiert.

Anke van Beekhuis arbeitet mit Klein- und Großgruppen und ist für ihre umsetzungsstarke, lösungsorientierte und unternehmerische Vorgehensweise bekannt. Sie ist zudem eine beliebte Interviewpartnerin zahlreicher Medien.

Mehr über Anke van Beekhuis erfahren Sie auf ihrem AGITANO-Expertenprofil. Besuchen Sie auch ihre Website: www.ankevanbeekhuis.at.

Christoph Schroeder

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