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Ausschreitungen in der Türkei: Lage- und Risikoeinschätzung sowie Verhaltensweisen für Türkeireisende

CORPORATE TRUST, die Business Risk & Crisis Management GmbH aus München, informiert Auslandsreisende über die jüngsten Ausschreitungen in der Türkei und was es zu beachten gilt.

Die Ausschreitungen der vergangenen Tage in weiten Teilen der Türkei kamen ähnlich überraschend wie der arabische Frühling vor zwei Jahren und beeinträchtigen Reisenden und Geschäftstätigkeit im Land. Corporate Trust stellt seinen Kunden heute eine kurze Lage- und Risikoeinschätzung sowie Verhaltensweisen für Türkeireisende zur Verfügung.

Situation:

§  Seit Mitte vergangener Woche kommt es in der türkischen Hauptstadt Istanbul und darüber hinaus zu Kundgebung und Protesten, die mehrfach in schweren Ausschreitungen mit türkischen Sicherheitskräften münden. Proteste finden landesweit statt, unter anderem in Ankara, Izmir, Hatay und Tunceli. Dabei kamen bisher mindestens drei Menschen ums Leben.

§  Auslöser der Proteste war ein umstrittenes Bauprojekt für eine Moschee auf dem Grund des Gezi-Parks am Taksim-Platz. Die Demonstranten prangerte insbesondere die intransparenter Entscheidungsfindung der Regierung an. Dieser Vorwurf führte zu landesweiten Protesten gegen die als autoritär empfundene Regierung sowie der schleichenden Islamisierung des Landes unter Premierminister Erdogan und seiner Partei AKP. Proteste finden in alle betroffenen Städten an zentralen Plätzen statt, z. B. der Kizilay-Platz in Ankara. Dabei gehen die türkischen Sicherheitskräfte mit massiver Härte gegen die Demonstranten vor, z. B. unter Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern, 1.000 Festnahmen am vergangenen Wochenende.

§  Die Proteste werden vor allem von der urbanen und weniger streng muslimischen Jugend getragen, wobei sich auch die junge Bevölkerung in ärmeren, ländlichen Gebieten beteiligen. Deren Motivation mag in der Marginalisierung und schlechten sozio-ökonomischen Bedingungen ihrer Region liegen. Sie zeigen jedoch auch das enorme Konfliktpotential in der jungen, türkischen Gesellschaft. Trotz der überraschenden und gewaltsamen Ausschreitungen, verfügt Premier Erdogan über eine breite Zustimmung, insbesondere in den ländlichen Gebieten der Türkei.

§  Vergleiche mit dem arabischen Frühling sind nicht gänzlich zu verneinen. In der Türkei, als auch in den arabischen Staaten, begannen die Proteste als Aufschrei gegen schlechte soziale Bedingung und endeten im Aufruf nach dem Sturz der Regierung.

Prognose:

§  In den kommenden Wochen und Tagen sind anhaltenden Protest in allen größeren Städten der Türkei zu erwarten. Insbesondere in den ländlichen Gebieten, in denen die Regierung Rückhalt genießt, werden die Proteste zeitnah abnehmen, während die urbane Jugend in den Großstädten Istanbul und Ankara die Demonstrationen weiterführen wird.

§  Die Regierung wird in den kommenden Tagen ihr Vorgehen gegenüber den Demonstranten überdenken und auf diese mit Reform- und Dialogangebote zugehen. Gleichzeitig wird es zur umfangreichen Kontrolle und Überwachung der Telekommunikation und des Internets kommen, um die Bildung neuer Proteste zu unterdrücken.

Risiken:

§  Am Ort und Umfeld der Demonstrationen droht Gefahr für Leib und Leben. Zudem besteht die Gefahr der Verhaftung.

§  Ausländische Geschäftsreisende sind nicht unbedingt ein unmittelbares Ziel der Proteste, können aber als Passanten oder Augenzeugen Angriffen der aufgebrachten Menge und Sicherheitskräfte ausgesetzt sein.

§  Türkische Sicherheitskräfte gehen mit äußerster Gewalt gegen Demonstranten vor, u. a. unter Einsatz von Schlagstöcken, Wasserwerfern und Tränengas.

Verhaltenshinweisen:

§  Essentielle Reisen in die Türkei sind weiterhin möglich. Nicht-Essentielle Reisen sollten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Türkeireisende sollten folgende Hinweise beachten:

§  Ein Aufenthalt in die Türkei muss auf den Zweck der Reise beschränkt bleiben. Touristische Aktivitäten bzw. Sightseeing sollten vermieden werden.

§  Benutzen Sie keine öffentlichen Busse und Taxis, sondern organisieren für alle Fahrten vor Ort einen ortkundigen Fahrer. Sondieren Sie vor jeder Fahrt die aktuelle Sicherheitslage und passen Sie ihre Fahrtroute ggf. an.

§  Vermeiden Sie zu Fuß oder mit dem Auto strengstens demonstrationsgefährdete, zentrumsnahe Gebiete zu durchqueren. Dies gilt für Tag- und Nachtzeiten.

§  Führen Sie Ihre Ausweispapiere stets mich sich, um sich an den häufigen Straßenkontrollen ausweisen zu können.

§  Jede Art von Menschenansammlungen sowie folgende Orte sollten auf Grund der hohen und konkreten Gefahr von gewaltsamen Demonstrationen unbedingt weiträumig gemieden werden:

  •  Zentrale Plätze in Städten
  • Einrichtungen der türkischen Regierung
  • Diplomatische Vertretungen der USA (insbesondere das US-Konsulats in Saddar Town) und europäischer bzw. „westlicher“ Staaten.
  • Einrichtungen und Personal der türkische Sicherheitskräfte (Polizei, Militär) und jegliche Ansammlung uniformierter Personen

Weiterführende Informationen:

CORPORATE TRUST
Business Risk & Crisis Management GmbH
Graf-zu-Castell-Str. 1
D-81829 München

Tel.: +49 89 599 88 75 80
Fax: +49 89 599 88 75 820
strassmaier@corporate-trust.de
www.corporate-trust.de

(CORPORATE TRUST 2013)

Türkei Polizeigewalt heizt Proteste weiter an (Spiegel Online 04.06.2013)

Türkei: die Wut manifestiert sich (Deutsche Welle 03.06.2013)

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