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Beratungsprotokolle – viel Aufwand, kein Mehrwert?

[Bild: Jorma Bork  / pixelio.de
Einst legten die Deutschen ihr Vermögen in einfachen Sparprodukten an. Durch das Versprechen auf höhere Zinsen wurden Wertpapieranlagen zwar immer interessanter, aber die damit verbundenen Anlagemöglichkeiten auch immer komplexer. Insbesondere seit der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise, fragen die Kunden mehr Qualität und Transparenz bei der Wertpapierberatung nach. Um diese sicher zu stellen, wurden den Banken vom Staat regulatorische Maßnahmen auferlegt: So muss jedem Kunden nach einem Beratungsgespräch, ein Beratungsprotokoll sowie eine standardisierte Produktinformation ausgehändigt werden. Wie eine aktuelle Befragung zeigt, sorgt bei vielen Kunden ein Übermaß an Informationen jedoch nicht für die von ihm gewünschte Nachvollziehbarkeit.

Optimierungspotenziale aufecken, Lösungen anbieten

Compliance, Kooperation, Mittelstand
(Bild: Jorma Bork / pixelio.de).

Alexandra Kindler, selbst als „Beraterin Private Banking“ bei der Deutschen Bank tätig, hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit „Entwicklung von Lösungsansätzen zur Optimierung der Anlageberatung bei Banken unter Berücksichtigung ausgewählter Elemente der Behavioral Finance“ an der AKAD Hochschule Pinneberg Bankkunden, Anlageberater und Verbraucherschutzzentralen befragt. Das Ziel: Optimierungspotenziale für die Wertpapierberatung aufdecken und Lösungen zur Qualitätsverbesserung anbieten.

Kunden und Verbraucherschützer zweifeln am Mehrwert

Hinsichtlich der Beratungsprotokolle kam Kindler nach Auswertung der Fragebögen zu dem Schluss: „Mehr als die Hälfte aller teilnehmenden Bankkunden zweifeln den Mehrwert der aufwändig angefertigten Protokolle an. Und auch die befragten Verbraucherschutzzentralen vertraten unisono die Meinung, dass die Protokolle keinen Mehrwert erbringen.“ Weniger als 50 Prozent haben das Protokoll nach dem Beratungstermin noch einmal die Hand genommen und studiert (s. Abb 1, rechts). Kindler wundert das Ergebnis nicht: „Durch die Behavioral Finance-Forschung wissen wir, dass ein Kunde nur begrenzt rationale Entscheidungen trifft und auch seine Fähigkeit Informationen aufzunehmen Grenzen hat. Daher muss die Frage erlaubt sein, ob die regulatorischen Änderungen des Gesetzgebers überhaupt Sinn machen.“


Seite 2: Was ist dem Kunden wichtig?

Christoph Schroeder

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