Kolumnen

Die Bored-Identität – Bore-Out vorprogrammiert

… aus der wöchentlichen Kolumne „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“ vom Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator Ralf Schmitt. Nachdem Sie in „Die Rücksichtsforderer – Schnell abbiegen“ erfahren haben, warum und wie Sie diesen Kollegen schnellst möglich aus dem Weg gehen, beschäftigt sich der Autor heute mit dem Thema Bore-Out.

Liebe Leser, es gibt tatsächlich Kollegen, da schlafe ich schon fast ein, wenn ich über sie schreibe. Sie gehören zu der Sorte, die mit Sicherheit nie einen Burn-Out bekommen können. Dafür droht der Bore-Out.

Die „gute alte Zeit“

Beamter
Bore-Out oder die „die gute alte Zeit“ als Postangestellte noch Beamte waren. (Bild: Stefan Bayer / pixelio.de)

Meist sind sie Relikte aus einer Zeit, in denen wir unseren Telefonanschluss noch bei der Post beantragt haben. Und ebenso wie die Mitarbeiter und Chefs bei den Post-Nachfolge-Firmen mit diesen unkündbaren Beamten zu kämpfen hatten und haben, leiden weitere zahlreiche produktive Unternehmen unter der Sozialromantik dieser Mitarbeiter aus der „guten alten Zeit“. Zeit ist dabei ein gutes Stichwort. Sie sind Zeitdiebe. Wäre diese Kolumne ein Kapitel aus „Momo“, gingen sie ohne Probleme als die „grauen Herren“ durch. Woran liegt das? Sie hatten einfach immer genug Zeit und sehen weder die Veranlassung ihr Arbeitstempo zu erhöhen noch ihre Gedankengängen zu beschleunigen. „Wo kämen wir denn da hin …“.

Eine unendliche Geschichte

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute über den Hausmeister eines Unternehmens berichten, der ein echter Vorreiter in Sachen Bored-Identität ist. Als ich gestern im Meeting bei der Geschäftsführung saß, klopfte es zaghaft an die Tür. Besagter Hausmeister wollte einen Termin machen, um das Büro auszumessen. Die Firma soll neue Büromöbel bekommen. Da wir sowieso gerade in die Mittagspause wollten, boten wir ihm an, doch einfach gleich loszulegen. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, dachten wir. Doch weit gefehlt. Die wandelnde Bored-Identität musste erst zurück in den Keller, weil dort sein Terminkalender hing und wollte dann zurückrufen, um einen Termin auszumachen. Dieser dürfe aber keinesfalls in der Abwesenheit des Geschäftsführers sein. Schließlich lägen ja jede Menge „sensible Informationen“ auf seinem Schreibtisch. Nicht, dass man ihm dann nachsagen würde, er würde Firmengeheimnisse aufspüren … Sie bemerken es sicherlich, eine unendliche Geschichte, die Sie in ähnlicher Form sicher selbst schon erlebt haben.

Bore-Out: „love it, change it or leave it!“

Wie können Sie damit am besten umgehen? Mein Tipp: Talente finden, fördern und fordern. Geben Sie der Bored-Identität das Gefühl, wichtig zu sein. Loben Sie ihn, dass er den reibungslosen Ablauf eines solchen Großprojektes wie neue Büromöbel zu bekommen. Sätze wie „Ohne Sie würde der Laden hier ganz schnell den Bach runtergehen“ können Sie zur Untermauerung jederzeit verwenden. Und dann kümmern sie sich um seine Vollbeschäftigung. Finden Sie seine Talente und setzen Sie ihn gezielt ein. Internetrecherche zum Beispiel liegt der Bored-Identität in der Regel. Ich sage immer: „Jeder ist ein Experte!“ Machen Sie dieses Talent für sich und ihre Firma nutzbar.

Wenn Sie selbst eine Bored-Identität sind, dann kommen Sie im Jetzt und Heute an. Denn nichts ist so konstant wie der Wandel. Deshalb seien Sie pro-aktiv, finden Sie Ihre Talente selbst, kümmern Sie sich um Ihre Karriere und halten Sie es mit Jack Welch „love it, change it or leave it!“

Ralf Schmitt, Kollegen
Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Über Ralf Schmitt:

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil.

Christoph Schroeder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.