Klima & Umwelt

Franz Alt: Wer sind die Chefbremser der Energiewende?

Dr. Franz Alt…aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt.

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„Ich will doch gar nicht bremsen bei der Energiewende“, sagt Peter Altmaier im Interview mit Klimaretter.info. Aber faktisch tut er es. Und er tut noch viel mehr. Zunächst 2012 die brutale Kürzung der solaren Einspeisevergütung gegen alle Zusagen an die Branche. Eine moderate Kürzung von fünf Prozent pro Jahr war vereinbart. Dann die unsägliche Diskussion um die Strompreisbremse. Und jetzt auch noch das selbstherrliche Schulterklopfen des Ministers, dass er den Zubau der Photovoltaik erfolgreich gebremst habe. Ein wirklicher Umweltminister sollte sich aber für den Ausbau der PV loben, wenn sie denn vorankäme. Rösler und Altmaier sind aber die Chefbremser der Energiewende.

Die beiden sagen auch nicht, dass es exakt ihre Politik war und ist, welche die bisher so erfolgreiche deutsche Solarindustrie an den Rand des Abgrundes getrieben hat: Jetzt ist auch Conergy am Ende, Solarworld steht am Abgrund und fast alle Großen sind insolvent. Bosch und Siemens sind ausgestiegen. Aber zu dieser verheerenden Bilanz kein Wort der zuständigen Minister.

Ein Umweltminister, der sich für diese katastrophale Bilanz auch noch selbst lobt, ist nun wirklich falsch am Platz. Und ein Wirtschaftsminister, der hilft, die entscheidende und zukunftsweisende Großindustrie des 21. Jahrhunderts aus dem Land zu vertreiben, sollte sich schämen und nicht Wirtschaftsminister nennen.

Ist die Energiewende jetzt am Ende?

Im Jahr 2000 hatte Deutschland fünf Prozent Ökostrom, heute sind es 25 Prozent. Dank des EEG und dank engagierter Bürger, vor allem Mittelständler. Und nicht wegen, sondern trotz der aktuellen Politik.

Dennoch ist drei Monate vor der Bundestagswahl die Energiewende und vor allem der Ausbau der Photovoltaik ins Stocken geraten. Nicht weil die Bürger nicht mehr wollten, sondern weil die Politik nicht in der Lage ist, einen verständlichen Masterplan für die Energiewende zu erstellen.

Die Regierungspolitiker warnen permanent vor den Folgen der Energiewende anstatt Investoren dieses „Jahrhundertprojekt“ (Altmaier) schmackhaft zu machen.

Einzig der rasche Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energie hilft

  •     Das Klima zu retten
  •     Schafft Energiesicherheit
  •     Hält mittelfristig Energie bezahlbar, weil Sonne und Wind keine Rechnung schicken
  •     Schafft die Voraussetzung dafür, dass auch die 1,6 Milliarden Menschen, die heute noch keinen Strom haben, sich entwickeln können
  •     Und bringt bis zu einer Million neue Arbeitsplätze.

Die Kosten des Umstiegs sind die beste Investition in die Zukunft unseres Landes. Es kann ja sein, dass die Energiewende in 30 Jahren tatsächlich „eine Billion Euro“ (Altmaier) gekostet haben wird, aber keine Energiewende kostet die Zukunft. Und diese alles entscheidende Zukunftsdimension wird permanent ausgeblendet. Die Energiepolitik ist zukunftsvergessen und gegenwartsbesessen.

Die Weltbank hat schon 2007 ausgerechnet, dass keine Energiewende etwa siebenmal teurer wird als der intelligent organisierte, rasche Umstieg.

Allein 2011 hat die deutsche Volkswirtschaft 86 Milliarden Euro für Öl und Gas ins Ausland überwiesen. Dieses Geld bleibt künftig hier und die Arbeitsplätze entstehen hier. Die deutschen Ausgaben für die Energieimporte haben sich in den letzten elf Jahren mehr als verdoppelt.

Auch deshalb sollte die Bundesregierung ihr angepeiltes Ziel von 35 Prozent Ökostrom bis 2020 auf 50 Prozent erhöhen und damit die Ausbauziele der Bundesländer anerkennen, anstatt sie, wie jetzt, auszubremsen.

(Quelle: Franz Alt)

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Über Dr. Franz Alt:

Dr. Franz Alt

Bild: Dr. Franz Alt

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war zwanzig Jahre Leiter und Moderator von “Report Baden-Baden”, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins “Grenzenlos”. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem “Europäischen Solarpreis für Publizistik” ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Reoierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt. Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com

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Sein aktuelles Buch

Franz-Alt-Buch kleinFranz Alt
Auf der Sonnenseite
Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht

256 Seiten
€ 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr 14,90
ISBN 978-3-492-30351-4 [WG 2985]

Bereits ein Viertel unseres Bedarfs wird durch Ökostrom gedeckt: Die Energiewende hat Deutschland zum Vorreiter alternativer Energiequellen gemacht. Doch warum sind wir immer noch von Öl, Gas, Kohle und Atomstrom abhängig? Warum stehen Lobbyisten weiter unter dem Schutz der Politik? Franz Alt deckt auf, wer die Energiewende bremst und warum sie dennoch alternativlos ist. Der langjährige Berater von Regierungen und Konzernen legt eine brisante Analyse vor, die Lobbyisten, Energiemultis und Politikern nicht gefallen wird. (Link)

Christoph Schroeder

Ein Kommentar zu “Franz Alt: Wer sind die Chefbremser der Energiewende?

  1. Ich geben Ihnen unumwunden recht, nur da haben wir beide nichts davon.

    Altmaier und Rösler fühlen sich den Energiebetreibern der Vergangenheit verpflichtet und singen deren Lied. Nein, sie pfeifen es nur leise. Dabei ist es ihnen vollkommen egal, wenn eine Zukunfts-Industrie, mangels politischer Vorgaben und einer fehlenden stringenten Strategie aus dem letzten Loch pfeift.

    Und die Bürgerinnen und Bürger werden weiter für dumm verkauft. Darüber hinaus werden ihnen die Kosten der Energiewende überproportional in die Stromrechnung gedrückt – kostet ja nichts – da die Großkonzerne keine Lust haben sich an den EEG-Kosten zu beteiligen.

    Wenn aber dann irgendwann alle Firmen startegisch und im internationalen Wettbewerb sind, ja was dann?

    Altmaier hat uns doch versprochen die Liste konsequent zurück zu fahren – davon merkt man aber nichts.

    Will man so die Wende, von der Wende, von der Wende einläuten, weil die Bürgerinnen und Bürger irgendwann ihre Stromrechnung nicht mehr zahlen können?

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