Einsichten & Ansichten

Frieden, Freiheit, Toleranz: Das Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August

Augsburg, die Renaissanceperle zwischen Lech und Wertach in bayerisch Schwaben, hat einen eigenen Feiertag: Jedes Jahr am 8. August wird der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden gefeiert. Der Feiertag geht auf den Religionsfrieden zwischen der katholischen und der evangelischen Glaubensrichtung zurück, der zunächst 1555 geschlossen und nach dem 30-jährigen Krieg 1648 noch einmal bestätigt werden musste. In seiner konfessionsübergreifenden Bedeutung strahlt er bis heute auf das Verhältnis der Religionen untereinander aus.

Die freie Reichsstadt Augsburg um 1640 / Der originale Kupferstich stammt von Matthäus Merian
Die freie Reichsstadt Augsburg um 1640 / Der originale Kupferstich stammt von Matthäus Merian

Das Datum geht auf den 8. August 1648 zurück: Die freie Reichsstadt Augsburg war mit seinen Handelsimperien der Fugger und Welser, die schon in die ersten Schiffe von Marco Polo investiert hatten, seiner Zeit eine der reichsten und mächtigsten Städte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Am 8 August 1648 feierten die Bürger von Augsburg nun zwei Ereignisse: Das Ende des 30-jährigen Krieges, des bis zu diesem Zeitpunkt verheerendsten Krieges der Menschheitsgeschichte und der erste tatsächlich internationale Krieg, in dem die Großmächte Europas auf deutschem Territorium um die Vormachtstellung auf dem Kontinent kämpften. Ein Drittel der deutschen Bevölkerung fiel den Kriegswirren zum Opfer. Da die zehntausende an Soldaten umfassenden Heere zu dieser Zeit noch nicht im geringsten ausreichend über Nachschubwege versorgt werden konnten, wurde das Hinterland ausgelaugt getreu dem Motto: Der Krieg muss den Krieg ernähren. Im Ergebnis wurden die ländlichen Landstriche ausgelaugt, um Nahrung zu haben, die reichen Städte plündern zu können.

Das zweite Ereignis, das die Augsburger Bürger an diesem Tag feierten, war die Rückkehr zur Glaubensfreiheit.  An diesem Tag endete die während des Krieges vom katholischen Kaiser wieder eingeführte Unterdrückung des lutherischen Glaubens. In den freien Reichsstädten konnten die Bürger nun wieder ihren jeweiligen Glauben ausleben – andernorts galt wieder die Formel: „Cuius regio, eius religio“, wessen Herrschaft, dessen Religion.

Der Religionsfrieden

Die Formel: „Cuius regio, eius religio“, geht auf das Jahr 1555 und die Thesen Martin Luthers zurück. Auf dem Reichstag zu Augsburg schlossen 1555 Ferdinand I., der seinen Bruder Kaiser Karl V. vertrat, und die Reichsstände (Fürsten, Adel) ein Abkommen. Darin sicherte der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden als Reichsgesetz für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation den nunmehr lutherischen Reichsständen Frieden und ihre Besitzstände zu, getreu der Formel “wessen Herrschaft, dessen Religion”. Ein Fürst des territorial zersplitterten Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation war dadurch berechtigt, die Religion für seine Untertanen vorzugeben – die Bewohner selbst durften also noch nicht frei über ihren eigenen Glauben entscheiden, nur ihr Herr durfte dies für sie. Anders sah dies in den freien Reichsstädten aus, hier gab es meist sowohl katholische als auch protestantische Kirchen.

Das Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August ist ein offizieller Feiertag in den Stadtgrenzen Augsburgs. Daher schließt sich das Redaktionsteam von AGITANO, Wirtschaftsforum Mittelstand mit Sitz in Augsburg, den am heutigen Tag gefeierten Werten von Frieden, Freiheit und Toleranz an, die auch weit über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahlen mögen.

Einen schönen Friedensfest wünscht

Ihre AGITANO-Redaktion

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Marc Brümmer

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