Deutschland

IMK: Verteilungsproblem schwächt auch Deutschlands Wirtschaft

Als Basis für ihre Studie nutzen die IMK-Forscher Ulrike Stein, PhD, und Dr. Kai Daniel Schmid die aktuellsten vorliegenden Daten aus dem sozio-ökonomischen Panel, einer jährlichen Befragung von zuletzt 12.000 Haushalten. Die Wissenschaftler haben die Entwicklung der relevanten gesamtwirtschaftlichen Indikatoren für die Einkommensverteilung über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren untersucht. Diese Maßstäbe zeigten übereinstimmende Tendenzen.

Deutschland mittlerweile nur noch im Mittelfeld

Gemessen am so genannten Gini-Koeffizienten, dem bekanntesten der Indikatoren, vergrößerte sich die Ungleichheit der bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland von 1991 bis 2010 um 12,7 Prozent, haben Schmid und Stein berechnet. Der Gini-Koeffizient kann Werte zwischen Null und Eins annehmen, wobei Null für eine vollständig egalitäre Verteilung steht und Eins für maximale Ungleichheit. Allein von der Jahrtausendwende bis 2005 stieg der Gini-Koeffizient um 13,4 Prozent auf 0,29. Nach Untersuchungen der Industrieländer-Organisation OECD wuchs die Ungleichheit in Deutschland in der ersten Hälfte der 2000er Jahre erheblich stärker als in den meisten anderen Mitgliedsländern. Gehörte die Bundesrepublik zuvor zu den Ländern mit einer relativ ausgeglichenen Verteilung, rutschte sie ins OECD-Mittelfeld. Nach 2005 sank der Gini-Wert nur leicht, um 2 Prozent, so die IMK-Berechnungen.

„Eine zunehmende Ungleichheit der Einkommen kann bedeuten, dass die Bezieher niedriger Einkommen sich stark verschulden und spätestens im Alter staatliche Unterstützung brauchen“, warnen Schmid und Stein. Auf längere Sicht sei eine Stabilisierung der Einkommensverteilung nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Wissenschaftler haben sich daher auf die Suche nach den Gründen für die steigende Ungleichheit begeben. Zur Veränderung der Einkommensverteilung vor Steuern und öffentlichen Transfers, die sogenannte Verteilung der Markteinkommen, trugen insbesondere die folgenden Faktoren bei:


Fortsetzung auf Seite 3.

Christoph Schroeder

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