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Keine Zeit für Zukunft: Warum das Tagesgeschäft Nebensache sein sollte

Zukunft, Topmanager, Unternehmen, Manager

Wo ist sie, die technische Innovation, die den Markt in den nächsten Jahren auf den Kopf stellen wird? Was sind die neuen Kompetenzen, die das eigene Unternehmen mittelfristig noch erfolgreicher machen werden? Antworten auf diese Fragen entscheiden über zukünftige Erfolge von Unternehmen. Doch selbst bei Topmanagern steht sie nur selten auf der Tagesordnung – die Zukunft. Auf dem jährlichen Kick-off der Unternehmensspitze oder einem hochrangig besetzten Kongress bekommen Entwicklungen in Markt und Wettbewerb die volle Aufmerksamkeit – aber im restlichen Jahr?

Das Tagesgeschäft nimmt Manager zu sehr ein und verhindert die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem, was für den nachhaltigen Erfolg von Unternehmen von größter Relevanz ist: die weitreichenden, sich permanent vollziehenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Der rasante Wandel und die Folgen

Unabhängig von Größe, Branche und Standort gilt für alle Unternehmen: Im Laufe der Zeit ändern sich immer wieder die Rahmenbedingungen für den eigenen Erfolg. Vorrangige Managementaufgabe ist es, diese Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und für das eigene Unternehmen richtige Zukunftsentscheidungen zu treffen.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, erlangt jedoch derzeit eine noch nie dagewesene Relevanz. Denn noch nie seit der Entstehung der Marktwirtschaft waren Märkte einem so schnellen Wandel unterworfen wie heute. Zugleich wird unsere Welt immer komplexer. Treibende Faktoren wie Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel wirken zusammen und schaffen neue Realitäten, denen sich jedes Unternehmen so frühzeitig wie möglich stellen muss.

Allein die disruptive Kraft des Internets ist in der Lage innerhalb kurzer Zeit ganze Märkte neu zu definieren, im Handel wie im produzierenden Gewerbe, für eine Kommunikationsagentur, ebenso wie für ein Versicherungsunternehmen oder einen Autobauer. Es ist ein umfassender Wandel, der diejenigen Unternehmen unter sich begräbt, welche die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkennen.

In der Zukunft liegt die Stärke

Deshalb wird das Auto der Zukunft von vorausschauenden Unternehmen bereits heute mit voller Kraft entwickelt und nicht erst dann, wenn die Mehrheit der Verbraucher dafür bereit sein wird. Deshalb beschäftigen sich antizipierende Maschinenbauer mit den Möglichkeiten des noch unausgereiften 3D-Druckers, bevor dem aktuellen Geschäftsmodell in nicht allzu ferner Zukunft der Boden entzogen werden könnte. Und deshalb haben erfolgreiche Kommunikationsagenturen bereits Social Media Teams aufgestellt, als Facebook & Co. noch in den Kinderschuhen steckten.

Unternehmen jeder Größe müssen sich ständig die Frage stellen: Investieren die eigenen Manager ausreichend Zeit in Entscheidungen, deren Auswirkungen sich erst mittel- oder sogar langfristig zeigen werden?

Gefangen im operativen Geschäft

Im ebenso abstimmungsintensiven wie hektischen Unternehmensalltag liegt der Fokus der meisten Manager auf dem Hier und Jetzt. Gestresst, aber voller Überzeugung heißt es dann: „Ohne mich läuft das hier nicht!“ Aber das muss es! Denn Manager sollten für ihre Mitarbeiter die meiste Zeit vor allem eines sein: entbehrlich.

Als Manager auch eine längere Zeit entbehrlich sein, ohne dass die Performance des eigenen Teams, der Abteilung oder des Unternehmens abnimmt, das ist selbst in quartalsgetriebenen Unternehmen möglich. Wer Personal und Prozesse rechtzeitig adäquat aufstellt und auf die gemeinsam vereinbarten und transparenten Ziele ausrichtet, der kann weitestgehend loslassen. Nur so schafft ein Manager die notwendige und hinreichende Voraussetzung sich seiner originären Aufgabe zuwenden zu können: der Zukunft des eigenen Unternehmens.

Das eigentliche Problem aber ist, dass in vielen Unternehmen Managern die Möglichkeit dazu genommen wird. Die Ursachen sind vielfältig. Etwa eine Kultur der Kontrolle, die Manager dazu zwingt, ihre Mitarbeiter eng zu führen oder sich in täglichen Meeting-Marathons aufzureiben.

Auch der Fokus auf quartalsbezogene Erfolge verhindert die Konzentration aufs Wesentliche und veranlasst Manager fälschlicherweise zum Eingreifen selbst bei kleinen Details, um Ergebnisse immer wieder kurzfristig zu optimieren.

Unter diesen Bedingungen bleibt keine Zeit, sich um die Zukunft zu kümmern. Die Manager aber, die in der Lage versetzt werden, rechtzeitig die Weichen zu stellen, verwandeln schnell ändernde Rahmenbedingungen in neue Chancen, die ihr Unternehmen als Erste im Markt nutzen wird.

Zukunftsentscheider auf allen Ebenen

Noch nie war die originäre Aufgabe eines Managers, so früh wie möglich Anpassungen an externe Veränderungen vorzunehmen, so wichtig und entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens wie heute. Und diese Bedeutung wird mit jedem Tag größer.

Wenn die Zukunft eines Unternehmens fortwährend auf der Tagesordnung steht, der Wandel also kontinuierlich vorwärts getrieben wird, dann ist Change Management keine vorübergehende Phase, kein abgeschlossenes Projekt mehr, sondern ein Dauerzustand.

Die Gewinner werden die Unternehmen sein, die sich hierfür Mitarbeiter oder auch externe Berater leisten, die sich frei von den Lasten des Tagesgeschäfts intensiv und kontinuierlich mit den Risiken und Chancen beschäftigen, die technische Revolutionen und gesellschaftliche Umwälzungen in immer neuen Wellen hervorbringen.

Über das Tagesgeschäft hinausdenken, sich für das Neue öffnen bevor es der Wettbewerb macht, das muss der Anspruch nicht nur des Topmanagements sein, sondern jeder Führungskraft. Wie viel Kraft steckt in einem Unternehmen, in dem auf allen Ebenen Zukunftsentscheider am Werke sind?

Über Thorsten Beckmann

Zukunft, Manager, Thorsten Beckmann
Thorsten Beckmanns Motto: “Mut zu entscheiden, Entschlossenheit zu handeln und Visionen zu leben.” (©Thorsten Beckmann)

Thorsten Beckmann ist Geschäftsführer (CFO/COO) der internationalen Kommunikationsagentur achtung! GmbH mit Sitz in Hamburg. Er repräsentiert eine Business- und Entscheidungskultur, die in vielen Unternehmen verloren gegangen ist: Mut zu entscheiden, Entschlossenheit zu handeln und Visionen zu leben.

Lydia Hagen

Ein Kommentar zu “Keine Zeit für Zukunft: Warum das Tagesgeschäft Nebensache sein sollte

  1. Sehr guter Artikel, dem ich zustimme. Thorsten Beckmann hat Recht: das Tagesgeschäft verhindert oft genug, dass Führungskräfte den Kopf frei haben, um über den Tellerrand hinausblicken. Wie der “normale” Maschinenbauer, der noch über den 3D-Drucker lacht, aber der morgen vielleicht schon erste Aufträge verliert, die jetzt von einem 3D-Drucker hergestellt werden.

    Ich weiß wovon ich rede: Ich war selbst rund 20 Jahre im internationalen Vertrieb und Marketing unterwegs, und gerade als Vertriebsleiter spürte ich, wie das Tagesgeschäft wenig Luft zum Atmen lässt, geschweige denn sich um die Zukunft Gedanken zu machen, die ja morgen schon beginnt.

    Auch das erwähnte Social Media Thema betrachten beispielsweise manche Maschinenbauer mit zweifelnden Augen. Dabei verkaufen Unternehmen wie Liebherr bereits Produkte über Linkedin.

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