Deutschland

“Made in the world” – Wieviel eigene nationale Wertschöpfung enthalten deutsche Exporte?

Wer sind die wichtigsten internationalen Handelspartner einzelner Länder? Diese Frage wird üblicherweise anhand der grenzüberschreitenden Handelsströme beantwortet. Einen alternativen Blick auf die internationale Arbeitsteilung erlaubt die Betrachtung globaler Wertschöpfungsketten (global value added chains), wie sie von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf der Basis von Input-Output-Tabellen vorgenommen wurde. Ein wichtiges Ergebnis der OECD ist, dass einige Schwellenländer für den internationalen Handel eine größere Bedeutung haben, als es die nach dem traditionellen Konzept erhobenen Außenhandelsdaten nahe legen. Auch relativieren die neuen Schätzungen der OECD die verbreitete Wahrnehmung einiger Länder – beispielsweise Chinas – als übermächtige Handelspartner.

Viele Industriegüter sind “Made in the world”

Ausgangspunkt des gemeinsamen Projekts der OECD und der Welthandelsorganisation (WTO) war die von Wirtschaftswissenschaftlern schon seit einigen Jahren untersuchte Frage: Wie viel eigene, nationale Wertschöpfung enthalten die Exporte verschiedener Länder, welchen Nutzen ziehen sie also aus ihren Exporten?

Inwieweit Exporte zu Einkommen und Beschäftigung eines Landes beitragen, hängt maßgeblich davon ab, in welchem Umfang Vorleistungsgüter für die Produktion von Exportprodukten importiert werden. Typisch für die heutige globalisierte Wirtschaft sind insbesondere bei High-Tech-Produkten oft länderübergreifend stark fragmentierte Produktionsstrukturen und Wertschöpfungsketten: So enthalten beispielsweise IT-Güter oft Komponenten aus einer Vielzahl von Ländern, sie sind dann faktisch “Made in the world”. Bisweilen steuert das Land, in dem die (End-)Fertigung stattfindet, nur wenig eigene Wertschöpfung bei. Ein oft zitiertes Beispiel hierfür sind die bekannten Produkte “iPad” und “iPhone”: Diese werden in China (end)gefertigt, wobei die verwendeten Komponenten aus einer Vielzahl von Ländern stammen, u. a. aus asiatischen Nachbarländern, den USA und Deutschland, und nur zu einem geringen Teil aus chinesischer Produktion. Verglichen mit dem nach traditionellem Konzept erhobenen chinesischen Export dieser High-Tech-Produkte ist der chinesische “Wertschöpfungsexport” bei den genannten IT-Produkten also deutlich niedriger.

Der Wertschöpfungsansatz der OECD versucht, alle Waren und Dienstleistungen, die in einem Land in den Endverbrauch (Konsum, Investitionen) eingehen, auf die an der Produktion beteiligten Länder (und Wirtschaftszweige) entsprechend der von diesen hinzugefügten Wertschöpfung aufzuteilen.

In der traditionellen Außenhandelsstatistik werden hingegen alle Exportgüter jeweils beim Grenzübertritt mit ihrem gesamten Wert dem Ausfuhrland zugerechnet, einschließlich des darin enthaltenen Werts der importierten Vorleistungen. Die OECD spricht hier von “Bruttoexporten” und analog von “Bruttoimporten”.

Fortsetzung auf Seite 2

Marc Brümmer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.