Deutschland

“Made in the world” – Wieviel eigene nationale Wertschöpfung enthalten deutsche Exporte?

Wertschöpfungsansatz macht internationale Handelsbeziehungen transparenter

Größere Ansicht von "Schaubild zum STATmagazin im März 2013"

Vergleicht man die Struktur der deutschen Exporte nach beiden Messkonzepten (Brutto-Handelsströme versus Wertschöpfungskonzept), so kommt es zu einigen Verschiebungen bei den Handelsanteilen der Partnerländer. Betrachtet man statt der klassisch abgegrenzten Exporte die Wertschöpfungsexporte, so gewinnen die USA und China als Handelspartner Deutschlands an Bedeutung. 8 % der gesamten deutschen Bruttoexporte waren im Jahr 2009 für die USA bestimmt, doch 11 % der deutschen Wertschöpfungsexporte, womit die USA wichtigstes Bestimmungsland in Wertschöpfungsbetrachtung waren. Hingegen sind die Niederlande als Bestimmungsland für die deutschen Bruttoexporte wichtiger als für den Export deutscher Wertschöpfung, da dieses Partnerland ein bedeutsamer Zwischenhändler ist.

Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchungen der OECD ist die Veränderung der bilateralen Handelsbilanzen (Saldo aus Exporten und Importen) bei Anwendung der beiden Konzepte. Zum Beispiel halbierte sich der deutsche Handelsbilanzüberschuss gegenüber Österreich beim Übergang von der Brutto- zur Wertschöpfungsbetrachtung. Die Produktionsverflechtungen zwischen Deutschland und einigen Ländern Mittel- und Osteuropas sind eng, und durch den intensiven Handel mit Vorprodukten kommt es hier teilweise zu starken Abweichungen zwischen klassischen und wertschöpfungsbasierten Handelsbilanzen. So hatte Deutschland in klassischer Abgrenzung im Jahr 2009 ein Handelsdefizit gegenüber der Tschechischen Republik, erzielte in Wertschöpfungsbetrachtung hingegen einen Überschuss. Für einige wichtige Handelspartner Deutschlands, etwa Frankreich und Italien, ergeben sich hingegen keine großen Veränderungen zwischen der Bruttorechnung und derjenigen auf Basis der Wertschöpfung.

Für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist es ein bedeutsames Ergebnis, dass nach Schätzung der OECD der Überschuss Chinas im wertschöpfungsbasierten Außenhandel mit den USA 2009 um 40 Mrd. US-$ beziehungsweise 25 % gegenüber der Bruttobetrachtung des Außenhandels verringerte, denn die chinesischen Exporte beinhalten in hohem Umfang Komponenten aus asiatischen Nachbarländern. Entsprechend erhöhen sich beim Wechsel von der Bruttobetrachtung zum Wertschöpfungskonzept die Handelsüberschüsse Japans und Koreas mit den USA, da diese zwei Länder Vorprodukte für chinesische Exportgüter liefern, die für die Endverwendung in den USA bestimmt sind.

Die wertschöpfungsorientierte Betrachtung des Außenhandels kann die traditionelle Sichtweise nur ergänzen, aber nicht ersetzen. Durch den in üblicher Weise gemessenen Außenhandel mit Waren und Dienstleistungen ergeben sich schließlich für die einzelnen Länder finanzielle Ansprüche beziehungsweise Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.

Die Bedeutung importierter Vorleistungen für die Exporte eines Landes

Größere Ansicht von "Schaubild zum STATmagazin im März 2013"

Die Frage, wie hoch der Anteil importierter Vorleistungen an den gesamten Waren- und Dienstleistungsexporten (aus inländischer Produktion) eines Landes ist, konnte auch bisher schon von nationalen Statistikämtern mit Hilfe der Input-Output-Rechnung für das eigene Land beantwortet werden. Solche Berechnungen für Deutschland (auf der Basis des Außenhandels mit Waren) wurden bereits vor einigen Jahren vom Statistischen Bundesamt durchgeführt, was seinerzeit auch ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über die sogenannte Basarökonomie war (siehe Wirtschaft und Statistik 5/2007: Konjunkturmotor Export).

Eine umfassende Differenzierung der internationalen Handelsströme nach Ländern setzt jedoch auch eine weltweit umfassende Datenbasis voraus, wie sie jetzt von der OECD/ WTO angewandt wurde. Diese enthält Schätzungen für den Anteil der importierten Vorleistungen an den Exporten (aus inländischer Produktion) von 40 Ländern. Nach den Ergebnissen der OECD schwankten diese beträchtlich: Große Volkswirtschaften sind bei der Produktion von Waren und Dienstleistungen für den Export im Allgemeinen weniger auf den Import von Vorleistungen angewiesen als kleine. Der Anteil der ausländischen Wertschöpfung an den Bruttoexporten (aus inländischer Produktion) lag in Russland und Brasilien bei weniger als 10 %, in Irland und der Tschechischen Republik hingegen jeweils bei rund 40 %.

Für Deutschland schätzt die OECD, dass die deutschen (Brutto-)Exporte (aus inländischer Produktion) im Jahr 2009 insgesamt ein Viertel (25,4 %) ausländische Wertschöpfung enthielten. Dies entspricht dem Wert der ausländischen Vorprodukte, die in Exportgüter aus deutscher Produktion eingehen. Die OECD hat diesen “Importanteil der Exporte” auch auf zusammengefasste Wirtschaftszweige heruntergebrochen. Nach den Berechnungen der OECD belief sich der ausländische Wertschöpfungsanteil beispielsweise an den Exporten des deutschen Fahrzeugbaus im Jahr 2009 auf 35 % und war auch in der chemischen Industrie überdurchschnittlich hoch. Die deutsche Industrie steht hier am Ende der Wertschöpfungskette und produziert für den Weltmarkt überwiegend hochwertige Endprodukte.

Die Ergebnisse der OECD verdeutlichen außerdem, dass die Bedeutung der Dienstleistungen für den Welthandel mit Waren und Dienstleistungen unterschätzt wird, wenn man sich an den traditionell ermittelten internationalen Außenhandelsdaten orientiert, die nur die “reinen” Dienstleistungsexporte erfassen. Hingegen berücksichtigt die Wertschöpfungsbetrachtung auch den Wertschöpfungsbeitrag der Dienstleistungen bei der Produktion von Industriegütern. Bisher wurde der Dienstleistungsanteil am Welthandel auf weniger als ein Viertel veranschlagt, nach den neuen OECD-Daten lag dieser in den wichtigen OECD-Ländern jedoch durchweg höher.  So beinhalteten die deutschen Bruttoexporte laut OECD im Jahr 2009 einen Beitrag der Dienstleistungen von rund 50 %, in den USA und Frankreich lag der entsprechende Anteil bei rund 55 %.

(Andreas Kuhn – Statistisches Bundesamt)

Marc Brümmer

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