Einsichten & Ansichten

Peinliche Situationen? So bleiben Sie souverän!

Es gibt Menschen, für die sind peinliche Situationen quasi nicht existent. Der von AGITANO-Kolumnist Ralf Schmitt vorgestellte Mr. Entertainer gehört zu dieser Gattung (siehe auch: Der ewige Entertainer – Show must go on). Andere hingegen möchten nach einem Fehltritt vor lauter Scham am liebsten im Boden versinken. Doch das dürfte, aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten, meist nicht den gangbaren Weg darstellen. Wir zeigen Ihnen drei Instrumente auf, mit deren Hilfe Sie künftig peinliche Situationen souverän meistern.

Der Vater aller Peinlichkeiten

Peinliche Situationen, Missgeschick
Menschen, die in peinliche Situationen geraten, wirken auf uns attraktiver, als vermeintliche Perfektionisten. (Bild: Ryan Maguire / gratisography.com)

DIE WELT bezeichnete ihn als „Chef, den man nicht einmal seinem Feind wünscht“.* Die Rede ist von Bernd Stromberg, der in der gleichnamigen TV-Serie als Versicherungsmanager kein Fettnäpfchen ausließ, um sich und seine Kollegen zu blamieren. Viele Szenen, in denen er gegenüber ethnischen Minderheiten, körperlich Benachteiligten oder Frauen politisch unkorrekt bezeiehungsweise sexistisch auftritt, wirkten aufgrund ihrer realistischen Darstellung derart befremdlich, dass der Feuilleton sich hierfür gar einen neuen Begriff ausdachte: Fremdschämen. Damit aus Ihnen kein Kollege wird, dem man nicht einmal seinem Feind wünscht, sollten Sie sich an Folgendes halten.

Instrument 1: Schweigen

„Si tacuisses, philosophus mansisses“. „Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben“. Dieser Ausspruch des römischen Gelehrten, Politikers und Theologen Boethius hat auch im modernen Businessalltag weiterhin seine Gültigkeit. Denn jede Rechtfertigung macht eine peinliche Situationen noch peinlicher. Schlimmstenfalls eskaliert die Lage. Wenn Sie beispielsweise dumm gefallen sind, gewinnen Sie mit einem Moment des betroffenen Schweigens Souveränität zurück. Selbstironie hingegen lässt Sie nur wie eine Witzfigur dastehen. Sicher, das Schweigen kommt einem im ersten Moment ewig und ohrenbetäubend vor, aber das gibt sich.

Instrument 2: Locker bleiben

Gerade in der Öffentlichkeit sind uns peinliche Situationen besonders unangenehm. Dabei zeigt das Phänomen „Pratfall“, zu deutsch „Reinfall“, dass Menschen, denen mal ein Unglück geschieht durchweg als sympathischer empfunden werden als vermeintliche Mr. oder Mrs. Perfect. Der Blogger Kevan Lee hat in seinem Artikel „Six Powerful Psychological Effects That Explain How Our Brains Tick“ für dieses Phänomen eine einleuchtende Erklärung verfasst:

„Menschen, die nie Fehler machen, wirken auf uns unsympathischer als jene, denen gelegentlich ein Fauxpas unterläuft. Der Grund: Vermasselt man mal etwas, macht das einen einfach menschlicher. Perfektionisten dagegen schaffen eine Aura der Distanz und ein auf uns unattraktives Bild der Unbesiegbarkeit.“

Wenn Ihnen also in aller Öffentlichkeit etwas unagenehmes passiert, bleiben Sie in Zukunft locker und denken sich einfach: „Ich wirke gerade besonders attraktiv auf mein Publikum.“

Instrument 3: Verantwortung übernehmen

Gut, Sie haben einen Fehler gemacht – und alle haben es mitbekommen. Schlimmer noch, wenn Sie dabei jemanden verletzt haben. Zum Beispiel Ihren Kollegen, über den Sie sich hörbar lustig gemacht haben. In dem Fall hilft nur eines: Entschuldigen, und zwar sofort! Und leisten Sie – je nach Situation – Wiedergutmachung. In diesem Fall stellen Sie die Aussagen, die Sie über den Kollegen geäußert haben vor der Belegschaft richtig. Denn nur wer offen und ehrlich Verantwortung für seine Fehler übernimmt, dem werden sie auch verziehen.

Fazit: Peinliche Situationen nutzen

Sehen Sie peinliche Situationen ruhig mal aus einem anderen Blickwinkel. Wer aus seiner Sicht nie falsch reagiert, teilt die Welt nur noch in Gut und Böse auf. Dabei macht jeder Fehler, aus denen man wunderbar lernen und daran wachsen kann. Nutzen Sie also peinliche Situationen, um aus diesen etwas zu lernen.

*Vgl. Wolff, P.: Bernd Stromberg und der Krieg im Büro, veröffentlicht auf www.welt.de am 26.08.2008

Christoph Schroeder

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