Management

Schleckerunternehmer und Managerismus – Teil 2 – Interview mit Unternehmer, Redner und Ideenfabrikant Mike Fischer

Der Unternehmensmacher, Redner und Ideenfabrikant Mike Fischer sprach vor kurzem in seinem Newsletter unter dem Titel „Schnauze voll, von diesen Schleckerunternehmern“ über Träume und kluge Chefs. Wir, aus der AGITANO-Redaktion, haben dieses Thema aufgegriffen und daraus entstand spontan ein weiteres, sehr spannendes Interview. Im ersten Teil des Interviews hat Herr Fischer bereits klar Stellung zu den "Schleckerunternehmern" bezogen.

 

Schönen Guten Tag Herr Fischer, Sie haben gestern bereits Ihre Meinung zu solchen Unternehmern klar ausgesprochen. Der Chef der österreichischen Erste Bank, Andreas Treichl, hatte Ende letzten Jahres relativiert, dass sich die Missstände nicht erst in den letzten Jahren entwickelt hätten. Wörtlich: „Ich glaube nicht, dass wir heute größere Schweine sind als die Kollegen in den Großbetrieben vor 20 oder 30 Jahren.“ Vielmehr würden jetzt nur immer mehr Fälle ans Licht kommen, weil Aufsicht und Transparenz zugenommen hätten. Teilen Sie diese Auffassung oder gibt es tatsächlich einen Trend, dass immer mehr Manager und Unternehmer nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind? Nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften?

Die Betriebe, die ich kenne – Familienunternehmen, Handwerksbetriebe, Dienstleistungsunternehmen –  sind durch die Einheit von Eigentum, Haftung und Risiko gekennzeichnet. Das schließt die Vergesellschaftung von Verlusten grundsätzlich aus.

Was kann der einzelne Bürger nun machen, um die genannten Verhaltenspraktiken zu ächten und für mehr Verantwortung im Unternehmertum zu kämpfen?

Jeder Unternehmer und auch jeder Mitarbeiter muss bei sich selbst anfangen. Das Zauberwort heißt: VERANTWORTUNG. Der Fisch stinkt zuerst am Kopf. Immer! Viele glauben, dass sie fremdgesteuert sind. Ich höre oft, was soll ich machen, ich kann das nicht ändern, ich bin doch so abhängig, Schuld hat dieser oder jener. Viele glauben, dass immer andere an den Knöpfen ihres eigenen Lebens drehen. Das kann man ändern. Ich arbeite schon lange nicht mehr fremdbestimmt! Und dafür brauchen Sie nur zwei Antworten auf zwei Fragen – und dann noch etwas Mut.

Die erste Frage: Mache ich wirklich das, was ich liebe?

Und die zweite Frage: Mache ich das, was ich mache, mit Liebe?

Darüber denken Sie dann ein Weilchen nach … und nicht zu lange, nur eine Kaffeepause. Dann treffen Sie Entscheidungen. Und die setzen Sie um. Fertig!

Die Negativbeispiele haben Sie vorhin schon genannt. Gibt es im Umkehrschluss auch verantwortungsvolle Unternehmer, Manager und Konzerne, die aus der Masse herausragen und als Vorbilder dienen?

Wenn Sie jetzt Namen hören wollen, würden wir noch nächstes Jahr hier sitzen. Geben Sie bei Google die Begriffe „Vorbildlicher Unternehmer“ oder „Vorbildliche Unternehmerinnen“ ein. Drücken „ENTER“ und Sie haben 2,5 Millionen Antworten.

Wie ist das allgemeine Feedback, das Sie auf Ihr Statement bekommen haben? Gab es auch solche, die Sie vielleicht als Nestbeschmutzer bezeichnet haben – oder welcher Art der Kritik ist Ihnen zu Ohren gekommen?

Bisher nur Zustimmung. Mal sehen ob sich das mit Ihrem Interview ändert. Was ich immer wieder höre, es fehlt manchen Unternehmern die visionäre Denkweise. Wo wollen wir hin? Warum tun wir das was wir tun? Deutschland hat viele Wissensexperten. Wissen ist wie Sprengstoff, wie Dynamit. Wir Deutschen haben richtig viel Dynamit unterm Arsch. Was uns fehlt ist die Inspiration, die Leidenschaft, das Herz, die Liebe, die Zündschnur. Wenn es uns gelingen kann, zukünftig anders quer zu denken, wenn es uns gelingt unser Dynamit auch anzuzünden, dann gibt es in Deutschland eine gewaltige positive Explosion, in der wir Deutsche Vorbild und Wertevermittler für andere Nationen sein können. Ich liebe dieses Land.

 

Letzte Frage: Meinen Sie, dass diese Fehlentwicklung durch soziale Ächtung reguliert werden kann, oder kann und muss es hier auch Vorgaben der Politik geben? Wenn ja, welche?

Politik kann und darf hier nicht regulieren. Die Auffanglösung für 11.000 Schlecker-Beschäftigte ist letzte Woche gescheitert. Ein 70 Millionen Euro-Rettungspaket hat die Politik nicht auf dem Weg bringen können. Aber am selben Tag wird der EU- Rettungsschirm für 800.000 Millionen Euro feierlich verkündet. Das versteht doch kein Mensch, ich auch nicht.

Abschließend haben Sie noch einen Wunsch frei: Mal angenommen Sie wären Berater des Bundeswirtschaftsministers, was würden Sie sich von ihm für den Standort Deutschland wünschen?

Ich wünsche mir, dass alle Unternehmer/innen den Treffpunkt für Umdenker und Vorreiter unter www.umdenkfabrik.de nutzen. Seit mehr als 22 Jahren lebe ich in meinem Unternehmen die Vision JEDER jeden Monat eine IDEE. Diese Vision, setze ich konsequent um. Besser werden, sich weiter entwickeln – das ist für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. In jeder Idee wohnt die Kraft einer großen Veränderung. Schon eine kleine Verbesserung kann Ihr Unternehmen wieder einen deutlichen Schritt nach vorne bringen. Jetzt geben wir unser Wissen für eine lebendige Ideenkultur an andere Unternehmen weiter. Die Innovationsplattform, ein Projekt der Fischer Academy GmbH aus Gera, ist heute in kleinen und großen Betrieben und unterschiedlichsten Organisationen im Einsatz. Überall trägt sie dazu bei, dass das kreative Potenzial aller Beteiligten zu nutzen und Organisationen fit für die Zukunft zu machen. Machen wir die Welt gemeinsam, ein klein wenig besser.

Herr Fischer, vielen Dank für Ihre Ausführungen, die anregenden Gedanken und vor allem für Ihre klaren Worte!

 

Das Gespräch mit Mike Fischer führte Marc Brümmer (Redaktionsleiter AGITANO).

 

 

Zum Interviewpartner:

Bei allem, was er beruflich anpackt – ob Fahrschule, Friseurkette, Bauunternehmung, Pizzalieferdienst oder die Ausbildung von Nachwuchskräften – ist der Erfolg sein zuverlässiger Begleiter. Es muss also mehr sein, als nur eine Glückssträhne. Das Lebenswerk von Mike Fischer steckt längst voller Superlative und dabei ist er gerade mal 48 Jahre jung.

Angefangen als junger Fahrlehrer, ist er heute Inhaber einer der erfolgreichsten Fahrschulbetriebe Deutschlands, mit einem innovativen Geschäftsmodell, das von Gera aus bundesweit Schule macht. Mike Fischer hat Firmen mit 1.000 DM Startkapital gegründet und daraus Millionenunternehmen gemacht. Er sieht Chancen, wo andere nur Probleme wälzen und entdeckt auf Wegen, die scheinbar schon ausgetreten sind, auf Anhieb neue Perspektiven. Als der Neubau eines Firmengebäudes anstand, wurde er kurzerhand zum Bauunternehmer. Und als er – spät, aber doch – in die Systemgastronomie einstieg, wurde er innerhalb von zwei Jahren einer der größten und umsatzstärksten Pizzabäcker Deutschlands.

Wie er das schafft? Eines seiner wichtigsten Erfolgsprinzipien ist der offene, gleichsam fordernde wie fördernde Umgang mit seinen Mitarbeitern. Sie stehen für ihn im Mittelpunkt – und das ist für ihn keine der üblichen Schönredner-Phrasen, sondern durch und durch in aller Konsequenz gelebtes Unternehmertum. Mit der Auszeichnung „Bester Arbeitgeber des Jahres 2011“ zählt Fischer zu den TOP 5 Arbeitgebern im deutschen Mittelstand. Seine Erfolge machen Mut und geben Zuversicht. Darauf, dass die Zukunft voller Möglichkeiten steckt. Gerade auch in schwierigen Zeiten. Was zu tun ist, um diese Chancen zu erkennen und zu nutzen, erzählt Ihnen Mike Fischer am besten selbst.

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