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Stéphane Etrillard, Rhetorik im Unternehmensalltag (23): Reden und Präsentationen vor schwierigem Publikum

… aus der Etrillard klein TitelThemenserie “Souveränität und Rhetorik im Unternehmensalltag” des internationalen Keynote Speakers und Rhetoriktrainers Stéphane Etrillard. Nach Teil 22 “Methoden zur Einwandbehandlung – Wie Sie Einwände entkräften und für den Gesprächserfolg nutzen” folgt heute: “Reden und Präsentationen vor schwierigem Publikum – Wie Sie heikle Situationen auf offener Bühne meistern”.

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Eine Rede zu halten oder vor Publikum etwas zu präsentieren, ist nicht jedermanns Sache. Die größte Sorge betrifft das Publikum: Was ist, wenn ich auf Widerstand stoße, wenn Zwischenrufe kommen oder unangenehme Fragen auftreten? Niemand steht gern vor einem oppositionellen Publikum. Doch gibt es einige wichtige Tricks, die Ihnen dabei helfen, Ihren Auftritt souverän über die Bühne zu bringen.

Längst nicht jedes Publikum ist dem Redner oder Präsentierenden wohlgesonnen. Insbesondere dann nicht, wenn er unpopuläre Maßnahmen zu verkünden hat, mit seiner Meinung auf Widerstand stößt oder per se kein gutes Image hat. Der Widerspruch der Zuhörer äußert sich dann in Zwischenrufen, deutlicher Unruhe, offen zur Schau gestellter Langeweile, abfälligen Gesten und ablehnendem Minenspiel. In solchen Fällen kann der Auftritt zu einem wahren Spießrutenlauf werden und, bei unbedachten Reaktionen des Auftretenden, sogar im Desaster enden.

Sie haben jedoch mehrere Möglichkeiten, um auch unter solch verschärften Bedingungen das Publikum zurück ins Boot zu holen. Wie sich die Situation entwickelt, hängt zu wesentlichen Teilen von Ihren Reaktionen auf die Störungen ab. Ein gutes Beispiel liefern Zwischenrufe oder Kommentare aus dem Publikum. Was vom Redner oder Präsentator oft als Zumutung empfunden wird, kann sich sogar positiv auf den Auftritt auswirken. Schließlich geht es vielfach um offene Fragen und Verständnisschwierigkeiten. In solchen Fällen gibt es keinen Grund, sich aus dem Konzept bringen zulassen. Wenn Sie sachlich auf die Kommentare eingehen, können Zwischenrufe zu einem besseren Verständnis beitragen und die gesamte Atmosphäre auflockern. Denn indem Sie mit Ihren Zuhörern ins Gespräch kommen, erhalten Sie auch eine direkte Verbindung zum Publikum. Wenn Sie hierbei souverän und sachlich bleiben, tragen Sie nicht nur zur Problemklärung bei, sondern können gleichzeitig noch wichtige Sympathiepunkte sammeln.

Was auch immer geschieht, die grundsätzliche Empfehlung lautet: Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich nicht provozieren. Das gilt insbesondere für emotionale Äußerungen und Angriffe von Zuhörern: Reagieren Sie darauf keinesfalls ebenfalls emotional, sondern sachorientiert. Eine emotional aufgewühlte Reaktion Ihrerseits hätte ohnehin nur zur Folge, dass die Situation eskaliert. Gegenangriffe bringen keinerlei Klärung und führen nur dazu, dass Sie selbst in eine defensive Haltung geraten und Ihre Souveränität schwindet. Sie belasten überdies die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Publikum und veranlassen häufig andere Zuhörer, sich mit einem einzelnen Angreifer zu solidarisieren. Schnell haben Sie dann nicht nur einen oder wenige Zuhörer, sondern gleich das gesamte Publikum gegen sich aufgebracht.

Versuchen Sie daher, jede (zusätzliche) Belastung der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Publikum zu vermeiden, indem Sie in Ihren Reaktionen prinzipiell die persönliche Wertschätzung und Fairness, die Sie jedem Fragenden entgegenbringen, ausdrücken und die Diskussion immer auf die sachliche Ebene zurückführen – auch dann, wenn der Fragesteller unsachlich argumentiert. Denn wer es darauf abgesehen hat, Sie aus dem Konzept zu bringen, hat sein Ziel erreicht, wenn Ihnen der Kragen platzt – jedoch wenig Chancen auf Erfolg, wenn Sie gelassen bleiben, auf jede Frage eingehen und dabei bewusst auf der Sachebene argumentieren.

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Christoph Schroeder

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