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Stopp dem Katastrophendenken!

… aus der zweiwöchentlichen Kolumne "Anders denken" von Nicola Fritze.

 

Wir alle fallen immer wieder Denkfehlern zum Opfer. Was sind Denkfehler? Diese gedanklichen Muster verzerren Tatsachen, führen zu voreiligen Schlüssen und machen uns das Leben einfach nur schwer. Und häufig klauen Sie uns das Motivationsgefühl, das wir im Alltag dringend benötigen.

Einer der beliebtesten Denkfehler ist das Katastrophendenken. Katastrophendenken heißt: Sie schließen von einem relativ unbedeutenden negativen Ereignis auf alle möglichen daraus resultierenden katastrophalen Entwicklungen. Sie machen die sprichwörtliche Mücke zum Elefanten.

Ein Beispiel: Sie sind mit Ihrem Geschäftsführer zum Mittagessen verabredet. Doch der taucht und taucht nicht auf. Sie sitzen alleine am Tisch und starten Ihr Katastrophen-Kopfkino: „Der hat sicherlich ein Treffen mit einem Kollegen ausgemacht, der ihm wichtiger ist. Ich bin nicht mal einen Anruf wert, dass er andere Pläne hat. Ich wusste ja schon immer, dass er nicht so viel von mir hält..:“ Und so weiter. Sie steigern sich in Ihre Gedanken hinein – und mit Ihrer Laune geht es im Rekordtempo bergab.

Dabei wissen Sie ja eigentlich überhaupt gar nicht, warum Ihr Geschäftsführer nicht auftaucht. Vielleicht ist er krank geworden und seine Sekretärin hat vergessen, Ihnen abzusagen. Oder der Mann sitzt irgendwo im Stau und der Handy-Akku ist alle. Vielleicht sitzt er auch in einem spontan anberaumten Meeting mit einem Kunden, aus dem er nicht einfach raus kann. Sprich: Es gibt ganz viele denkbare Gründe, warum Ihr Chef nicht zum Essen erscheint. Das Wichtige ist, dass der Grund dafür wahrscheinlich überhaupt nichts mit Ihnen zu tun hat.

Wenn das Katastrophendenken einsetzt, ist es wichtig, Ihr Gedankenkarussel so schnell wie möglich zum stoppen zu bringen. Sie müssen sich dafür nur bewusst machen, dass Ihre Gedanken und Erklärungen nichts sind als Phantasie. Ja, genau: Phantasie. Sie malen sich Dinge aus, die mit der Realität unter Umständen überhaupt gar nichts zu tun haben. Und das ist ziemlich sinnlos. Denn warum sollten Sie sich über etwas aufregen, was tatsächlich nur in Ihrer Einbildung existiert?

Ein einfacher Trick in solchen Momenten ist , sich so viele Erklärungen wie möglich für die Situation auszudenken, in der Sie sich gerade befinden. Mit Blick auf unser Beispiel: Was gibt es denn neben Ihren Katastrophenszenarien noch für Gründe, weshalb der Geschäftsführer nicht zum Essen erscheint? Einige hatten wir ja oben schon aufgezählt: Handy-Akku ist alle, spontanes Meeting – aber auch ein spontaner Arztbesuch, ein Notfall in seiner Familie oder schlicht das Vergessen der Zeit beim Arbeiten sind möglich. Finden Sie in diesem Stil so viele Gründe wie möglich, die Ihre Situation erklären könnten. Es sollten mindestens zehn andere Begründungen sein. Diese Alternativszenarien werden Ihnen schnell veranschaulichen, dass Ihre Sorgen nur ein Teil vieler möglicher Geschehnisse sind. Und dass Ihnen eigentlich nur übrig bleibt, die Erklärung vom Geschäftsführer selbst abzuwarten. Alles andere ist verschwendete Gedankenenergie!

Wenn das noch nicht genug ist, um Ihr Kopfkino zu beenden, nutzen Sie den zweiten Trick: Konzentrieren Sie sich einfach auf die Fakten. Welche konkreten Informationen und Fakten haben Sie, die Ihre Katastrophengedanken stützen? Können Sie sich zweifelsfrei beweisen, dass Ihre Gedanken richtig sind? Und welche Fakten sprechen gegen Ihre Gedanken? Da Sie weder den Terminkalender noch die Personalpräferenzen Ihres Chefs kennen, haben Sie eigentlich ziemlich wenige echte Informationsgrundlagen für Ihr Katastrophendenken. Sie wissen eigentlich nur, dass der Geschäftsführer nicht aufgetaucht ist, obwohl Sie verabredet waren. Das ist Fakt. Alles andere ist Phantasie. Und die kann sehr unterhaltsam sein, aber bringt Ihnen in dieser Situation gar nichts.

Also: Stoppen Sie Ihr Katastrophen-Kopfkino! Bringen Sie den Film zum Halt. Zwingen Sie sich dazu, Alternativhandlungen zu durchdenken und die Fakten zu analysieren. Das beendet das Katastrophendenken – und Sie können Sich auf das konzentrieren, was tatsächlich Sache ist, anstatt sich Kraft Ihrer Gedanken in den Wahnsinn zu treiben!

Finden Sie diesen Tipp nützlich? Dann schauen Sie doch mal in mein kostenfreies Buch „Motivieren Sie sich selbst – Sonst macht’s ja keiner!“. Es ist eines der vier am häufigsten heruntergeladenen deutschsprachigen Bücher auf bookboon.com.

Ihre Nicola Fritze

Zur Autorin:

Nicola Fritze ist Deutschlands Motivationsfrau. Mit ihrem Motto "Anders denken – anders handeln" begeistert die Trainerin und Rednerin jährlich tausende von Menschen.

Ihre zwei Podcasts "Das Abenteuer Motivation" und "Der Fritze-Blitz" zählen zu den erfolgreichsten Podcasts zum Thema Motivation und Persönlichkeitsbildung. Ihre Hörsendungen erreichen mehr als 30000 Hörerinnen und Hörer.

Anfang 2011 erschien ihr neues Buch "Raus aus der Grübelfalle Wie Sie Ihre Denkgewohnheiten ändern und Ihre Persönlichkeit gezielt weiter entwickeln". Hierin zeigt Nicola Fritze augenzwinkernd auf, wie wir mit Hilfe des Konzepts der inneren Stimmen handeln, statt immer nur zu grübeln.

Mehr über die Motivationsfrau erfahren Sie in ihrem AGITANO-Expertenprofil und unter www.nicolafritze.de.

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