Gründer/innen

„Unternehmerischen Mut braucht jeder!“ – Lutz Langhoff im Interview

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Lutz Langhoff – “Die Kunst des Feuermachens” (Bild: © Gabal-Verlag)

Lutz Langhoff ist überzeugt, dass jeder ein Unternehmer werden kann – wenn er den notwendigen unternehmerischen Mut entwickelt. Denn Unternehmertum liegt nicht in den Genen einiger weniger: Die Anlagen, zum Unternehmer zu werden, hat jeder. Aber die Rahmenbedingungen, die die Entwicklung der Kompetenzen möglich machen – z.B. Bildung oder Startkapital – die sind leider nicht gleich verteilt. Im heutigen ersten Teil des Interviews über Unternehmertum erzählt Lutz Langhoff, was es mit dem unternehmerischen Mut auf sich hat und wie man ihn steuern kann.

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Unternehmerischen Mut entwickeln und das Feuer entfachen

Hallo Herr Langhoff. Unternehmertum scheint in Ihren Genen zu liegen: Sie haben schon einige Unternehmen gegründet und waren immer selbstständig. Gibt es so etwas wie den geborenen Unternehmer?

Es gibt ja Typen wie Donald Trump, die von sich behaupten, die Gene für Erfolg zu haben. Das klingt auf dem ersten Blick ja auch einleuchtend. Auf den zweiten Blick hat aber Muhammad Yunus – immerhin Nobelpreisträger für seine Arbeit mit Mikrokrediten an die „Ärmsten der Armen“ – mit seiner Aussage recht: „Alle Menschen sind geborene Unternehmer. Jeder hat die Anlagen dazu mitbekommen.“ Er setzt noch einen Satz dahinter:  „…Einige bekommen die Chance, diese Fähigkeiten zu entwickeln.“

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Fast alle Menschen haben die Fähigkeit, unternehmerisches Denken und Handeln zu entwickeln und ein „eigenes Ding“ aufzuziehen. Der entscheidende Faktor zum Unternehmerdasein ist sich dem „Prozess stellen“, der auf dem Weg dahin unabdingbar ist. Das ist harte Arbeit – aber für fast alle machbar.

Wie sind Sie vom Straßenkünstler, der mit Fackeln und Hochrad auftritt, zum Unternehmensberater geworden?

Ich wollte mit 20 Freiheit, die Welt entdecken und mich ausprobieren. Meinem Vater zuliebe habe ich noch Soziologie und BWL zu Ende studiert. Glücklicherweise hat mir dann später das Studium sogar richtig Spaß gemacht. Mit Anfang 30 hatte ich einen Freund, der hatte eine kleine Start-Up-Beratung. Eines Abends rief er bei mir an. Er hatte 40 Fieber, zwei seiner Berater auch und der dritte war im Urlaub. Seine Frau hat ihm das Arbeiten verboten. Da hat er mich am Telefon überredet, am nächsten Morgen ein sechsstündiges Start-Up-Seminar zu halten. Für acht Teilnehmer. Ich hatte 92 Overheadfolien und bekam diese 15 Minuten vor Seminarstart von seiner Sekretärin. Kein Witz: Das war meine erstes Powerpointkaraoke. Ich hätte nie gedacht, dass das so gut läuft! Zwölf Jahre Selbständigkeit und BWL haben mir echt so eine gute Grundlage gegeben, dass zwei mich danach unbedingt als Coach haben wollten. Mir hat die Arbeit mit Gründern mehr Spaß gemacht, als auf der Bühne zu stehen. Da war klar: ich werde Start-Up-Berater.

2014 erschien Ihr Buch „Die Kunst des Feuermachens. Motiviert leben. Unternehmerisch denken. Tatkräftig handeln“. Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Nach meiner Feuertaufe als Berater habe ich bei einem der größten Start-Up-Center Deutschlands, den Enigma Company Builders angefangen. Wir haben dort jeden Mittwoch eine Infoveranstaltung mit 20 bis 80 Teilnehmern gehabt. Jeder bekam nach der Info ein Einzelgespräch. Bei über 70 Prozent der Gespräche ging es immer um das Gleiche. Die Teilnehmer sagten: „Ich bin angestellt, lange bleibe ich im mittleren Management wohl nicht mehr und will mich selbständig machen. Aber, packe ich das und habe ich genug unternehmerischen Mut, um den ganzen Weg zu gehen?“ Ich habe Tausende dieser Gespräche genau darüber geführt. Irgendwann war mir klar, dass genau diese Fragestellung nach dem unternehmerischen Mut mein Thema für mein erstes Buch ist.

Sie beschäftigen sich in Ihrem Buch mit unternehmerischem Mut. Was verstehen Sie darunter?

Meine Definition klingt ein bisschen holprig, aber das ist es: Unternehmerisches Feuer ist die Stärke, das Richtige zu tun. Es ist das Standing, es durchzuziehen. Es ist eine ansteckende Leidenschaft. Wer unternehmerischen Mut hat, der hat den langfristigen Blick und führt uns in die Zukunft.

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Kompetenzmodell für unternehmerische Fähigkeiten von Mandl. (Bild: © Lutz Langhoff)

Der rote Faden Ihres Buches ist die Aussage: Jeder kann ein Unternehmer sein. Inwiefern?

Da hole ich mal etwas weiter aus. Prof. Mandl aus München hat zum Erwerb von unternehmerischem Denken und Handeln ein Kompetenzmodell entwickelt. Ich arbeite seit Jahren mit diesem Modell, da es ziemlich klar aufzeigt, dass alle Menschen die nötigen Kompetenzen haben oder entwickeln können.

Ganz praktisch: Stellen Sie sich eine Alpenwanderung, die Organisation einer Party oder einfach das Elternsein vor und gehen Sie alle geforderten Kompetenzen von Mandl im Kopf durch. Sie sehen: Die Grundlagen sind da.

Für alle neuen großen Aufgaben, vor allem bei einer Unternehmensgründung, lohnt es sich, das anstehende Abenteuer einmal auf die Kompetenzen von Mandl hin zu bewerten und zu skalieren und das Ergebnis mit seinen eigenen Werten zu vergleichen. In meinen Seminaren sind viele überrascht, dass Sie plastisch vor Augen sehen: Eigentlich kann ich das – es fehlen nur „Kleinigkeiten“.

Damit sind wir bei dem Schwerpunkt meiner Arbeit angekommen. Die Frage nach dem unternehmerischen Mut, die großen beruflichen Abenteuer im Leben dann auch wirklich anzugehen. Das Schwierige am unternehmerischen Mut: Es ist vor allem eine innere Frage. Es geht nicht um Branchenkenntnisse, kognitive Fähigkeiten oder sich bietende Chancen. Die gehören zweifelsfrei alle dazu. Es geht aber um die innere Stärke zu wissen: Ich packe das und gehe das jetzt an.

Es ist fast paradox: Der Mut zeigt sich nach außen, aber um ihn zu verstehen, muss man nach innen schauen. Gleichzeitig sind aber gerade unternehmerisch mutige Menschen keine chronischen Introspektionsfanatiker. Sie wissen, was „aufstehen, Krone richten, weiterschreiten“ in der Praxis wirklich heißt und würden so etwas als Spruchkarte selten auf Facebook posten.

Darum ist Mut aber auch so schwierig zu vermitteln. Die wenigsten haben einen kognitiven Zugang zu ihrem Mut, wenn es so etwas überhaupt geben sollte. Das ist der wichtigste Grund, warum ich aus tiefster Überzeugung das Thema mit Analogien und Gleichnissen – schriftlich wie mündlich – angehe.

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Unternehmerischen Mut muss man vor allem wollen. (Bild: © Lutz Langhoff)

Vor mehr als 100 Jahren hat Otto von Bismarck diesen Gedanken sehr pointiert auf die Spitze getrieben: Einer seiner bekanntesten Aussprüche lautet: „Die erste Generation baut auf, die zweite verwaltet, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt.“ Intuitiv hat Bismarck geahnt, was heute wissenschaftlich bestätigt ist: Unternehmerisches Denken und Handeln muss erarbeitet werden – von jeder Generation aufs Neue. Es verhält sich wie bei einem Handwerk, das Lehrjahre, Wanderschaft und Meisterzeit umfasst. Das darf und muss jede Generation und jede Person für sich immer wieder neu entdecken. Auch wenn viele das nicht angehen, gilt dennoch: „Unternehmerisches Denken und Handeln ist ein Handwerk, das jeder meistern kann.“

Gibt es bestimmte Voraussetzungen für unternehmerischen Mut?

Ja, insbesondere eine einzige: „Unternehmerisches Denken und Handeln muss man vor allem wollen.“

Brauchen denn nur Unternehmer und Manager unternehmerischen Mut?

Das allein auf das wirtschaftliche zu reduzieren, wäre fatal. Unternehmerischen Mut zu entwickeln ist und bleibt eine der Kernfähigkeiten von Menschen. Um es auf die Spitze zu treiben: Ohne Mut kein Leben. Auch wenn es sehr pointiert ist: Lassen Sie den Spruch mal wirken.

Lieber Herr Langhoff, danke für das interessante Gespräch über unternehmerischen Mut. Im zweiten Teil unterhalten wir uns über ein ganz anderes Thema, dass aber mit Unternehmertum auch viel zu tun hat: nämlich die Angst.

Das Interview mit Lutz Langhoff führte Oliver Foitzik, Herausgeber AGITANO und HCC-Magazin und selbst Verleger.

 

Hinweis der Redaktion

Sichern Sie sich Ihr Exemplar und entwickeln Sie unternehmerischen Mut! Wir verlosen auf AGITANO 3 Exemplare von “Die Kunst des Feuermachens”!

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Lutz Langhoff ist Start-Up-Berater und Vortragsredner. (Bild: © Lutz Langhoff)

Über Lutz Langhoff

Lutz Langhoff ist mit seinen feurigen Vorträgen und Büchern im positiven Sinne ein Brandstifter für Mut im Leben – beruflich wie privat. Dies speist sich aus seinen drei beruflichen Wurzeln: Er hat als Start-up-Berater seit der Jahrtausendwende über 800 Unternehmen und Freiberufler in den ersten zwei Jahren begleitet. Davor war Lutz Langhoff in seinem “ersten Leben” über zwölf Jahre lang Straßen- und Varietékünstler. Er ist zudem Diplomsoziologe mit Schwerpunkt Personalentwicklung und Organisationssoziologie. Heute zeigt Lutz Langhoff als Redner, Unternehmensberater, Universitätsdozent und Coach, wie Menschen und Unternehmen im beruflichen Alltag ihre Ziele und Visionen mit Leidenschaft erreichen.

Katja Heumader

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