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Was Introvertierte erfolgreich macht (5): Leise Menschen in Meetings – Gehör finden in großen Runden

Sitzungsregel 4: Fairness gibt es – manchmal!

Für viele Sitzungsteilnehmer lohnen sich Regelverstöße wie Unterbrechungen oder sogar Angriffe, wenn sie nicht sanktioniert werden und die Chancen auf ein persönliches Weiterkommen steigern. Gerade für leise Menschen sind unfaire Verhaltensweisen sehr stressreich. Damit Sie im Fall des Falles schnell handeln können, finden Sie hier eine „Notapotheke“ für zwei häufige Regelverstöße in Diskussionen und die aussichtsreichsten Handlungsmöglichkeiten:

a) Ein Teilnehmer fällt Ihnen ins Wort und unterbricht Sie

Tipp: Vor allem bei Unterbrechungen durch Kollegen, die mit Ihnen auf einer Hierarchie-Stufe stehen, gilt: Bleiben Sie beharrlich – und reden Sie weiter! Fügen Sie mit deutlicher Stimme den folgenden Satz ein: „Lassen Sie mich das noch zu Ende führen …“ Bei Ihrem Chef kann es manchmal klüger sein, die Unterbrechung durchgehen zu lassen und über Blickkontakt und Nicken in Kontakt zu bleiben, während er redet. Wenn es eben geht, antworten Sie direkt auf seine Äußerung.

b) Ein Kollege moderiert Ihre Äußerung: „Sabine will sagen, dass …“.

Tipp: Der Kollege will verdeutlichen, dass er die Deutungshoheit über Sabines Äußerung hat. Wenn Sie Sabine sind: Lassen Sie dieses Handeln niemals unkommentiert. Formulierungsvorschlag: „Danke für Deine Unterstützung, lieber Hans. Was hier besonders wichtig ist: …“

Sitzungsregel 5: Allianzen sichern das Ergebnis

Wenn eine wichtige Entscheidung ansteht, passiert die eigentliche Abklärung in den allermeisten Fällen vor der Sitzung. Das heißt: Diejenigen, denen etwas an der Entscheidung liegt, schließen Allianzen in erster Linie mit anderen Meinungsmachern, aber auch mit anderen Teilnehmern. Auf diese Weise sichern Sie elegant bei einer anstehenden Wahl dem Wunschkandidaten die Mehrheit, klären vorab die Verteilung von Mitteln oder steuern Beschlüsse in eine bestimmte Richtung. So wird das Meeting in wichtigen Punkten kalkulierbar. Nicht zuletzt können Sie die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Ihnen ein Teilnehmer im Plenum in den Rücken fällt. Sie gewinnen für die Sitzung also zwei wichtige Intro-Währungen: Sicherheit und Berechenbarkeit.

Sitzungsregel 6: Besprochenes und Umsetzung sind zweierlei

Was beschlossen und verabschiedet wurde, wird umgesetzt. Manchmal. Doch gerade nach der Sitzung entscheidet sich, was diese eigentlich wert war und was nun geschieht. Hier ist vor allem wichtig: Was können Sie tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Entscheidungen, die für Sie wichtig sind, auch umgesetzt werden? Wenn Ihnen eine Sache am Herzen liegt, sollten Sie „dranbleiben“ und mit den Kolleginnen und Kollegen im Gespräch bleiben, die mit der Umsetzung befasst sind. Klappt alles wie geplant? Gibt es Hindernisse? Um einen Beschluss zu stabilisieren, können Sie außerdem dafür sorgen, dass er niedergeschrieben wird: Geschriebenes ist leichter nachprüfbar, hilft also gegen Äußerungen wie „Das haben wir so niiiie gesagt!“

Probieren Sie die sechs Sitzungsregeln aus – und holen Sie sich in Meetings Ihren wohlverdienten Redeanteil!

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Über die Autorin: 

Dr. Sylvia C. Löhken ist Speaker, zertifizierter Coach Dr. Sylvia C. Löhken– und ausgeprägte “Intro”. Nach über einem Jahrzehnt in „Intro-Biotopen“ (Forschung, Wissenschafts-administration, verantwortliche Position in Japan) hilft sie introvertierten Persönlichkeiten bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele. Ihr Buch Leise Menschen — starke Wirkung erschien in der Management-Reihe bei GABAL und traf in Medien und Öffentlichkeit auf eine starke Resonanz. Sylvia Löhken wurde von der Plattform www.vortragsredner.de als Vortragsrednerin des Jahres 2012 ausgezeichnet. Mehr zu ihr finden Sie unter www.leise-menschen.com.

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Das Buch zur Themenserie:

Sylvia Löhken: Leise Menschen - starke Wirkung

SYLVIA LÖHKEN
Leise Menschen – starke Wirkung
Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden
ISBN: 3869363274
GABAL Verlag, Offenbach 2012

Ratgeberliteratur zum Thema Kommunikation und Umgang mit Menschen orientiert sich so gut wie immer an den “Extros”, also an Menschen, die sich in ihrem Verhalten dynamisch, spontan und gern nach außen öffnen. Extrovertierte Menschen sind mit Blick auf die Gesamtbevölkerung jedoch keinesfalls in der Mehrheit, werden wegen ihrer offensiveren Kommunikation aber in der Regel stärker wahrgenommen. Das vorliegende Buch ist anders: Es will leise Menschen auf positive Weise mit sich selbst bekannt machen. Im Mittelpunkt stehen die Vorteile, die sie mit ihren Eigenschaften im Umgang mit sich selbst und anderen haben. Denn introvertierte Persönlichkeiten sind nicht defizitär, sondern sie haben schlicht andere Stärken und andere Bedürfnisse als extrovertierte Menschen.

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