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„Wer kollektive Intelligenz nutzt, kann unternehmerische Risiken reduzieren“

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Wie können Unternehmen ihre Produkte möglichst gut verkaufen und das Risiko von Fehlentscheidungen reduzieren? Denn Voraussetzung für langfristigen Erfolg ist beständige Erneuerung – und das birgt nun mal Risiken. Wenn Unternehmen jedoch möglichst viele Perspektiven in Entscheidungen einfließen lassen, beispielsweise durch die Nutzung von kollektiver Intelligenz, dann stehen unternehmerische Entscheidungen auf einer sicheren Basis.

Kollektive Intelligenz durch Vernetzung

Hallo Herr Ring. Was hat kollektive Intelligenz mit einem Perspektivwechsel zu tun?

Ein Perspektivwechsel dient dazu, neue Blickwinkel in eine Entscheidung einfließen zu lassen. Jeder ist ja oft sehr gefangen in seiner Sichtweise. Der Vertriebler schaut nur darauf, wie er ein Produkt gut verkaufen kann, der Designer macht sich über Gestaltung und Usability Gedanken, der Programmierer über schnellere Ladezeiten usw. Wichtig ist es, diese Perspektiven miteinander zu vernetzen und sie alle in Entscheidungen einfließen zu lassen. Dazu brauchen wir Modelle, in denen wir diese gesamte Intelligenz – eben die kollektive Intelligenz – nutzen können.

Inwiefern kann die Nutzung kollektiver Intelligenz unternehmerische Entscheidungen absichern?

Viele Augen sehen mehr als zwei! Produkte und Absatzmärkte haben viele Aspekte. Nutzer und Kunden betrachten ein Produkt als Gesamtes und nicht als Summe seiner Teile. Wenn ein Aspekt nicht gut funktioniert, dann ist für den User das ganze Produkt Mist, um es mal salopp zu sagen.

Bei der Identifizierung solcher Schwachstellen oder auch Optimierungspotenziale hilft die kollektive Intelligenz. Wenn möglichst viele Menschen auf ein Produkt schauen, dann kommt die Optimallösung am ehesten zustande.

Mitarbeiterbeteiligung im Unternehmen nutzen

Und wie kann das in der Praxis funktionieren?

Eine Möglichkeit ist die klassische Marktforschung, bei der eine externe Agentur beauftragt wird. Allerdings ist das ziemlich teuer und dauert lang. Deshalb gibt es Alternativmodelle wie Social Forecasting oder Crowdsourcing, wie ich auch in meinem Blogbeitrag Durch Perspektivwechsel unternehmerische Risiken minimieren im mmc-Magazin erklärt habe. Hier werden die Mitarbeiter durch eine Software befragt. So können Unternehmen Prognosen über Absatzmärkte erstellen, Produkte bewerten lassen oder Feedback zur Preisgestaltung einholen. Solche Tools sind heute unerlässlich: Denn sie sind schnell, zuverlässig und ermöglichen es Unternehmen, die Zukunftsfähigkeit von Produkte zu beurteilen.

Wie erreicht man, dass die Mitarbeiter sich daran auch beteiligen?

Typischerweise arbeiten Social Forecasting Programme mit Gamification-Elementen, z.B. Highscores, Erfahrungspunkten oder Ladebalken. Meistens macht es also sogar Spaß, sein Wissen zu teilen und mitzubestimmen.

Außerdem wollen die meisten Mitarbeiter mitbestimmen, wenn es um die Zukunft ihres Unternehmens geht. Voraussetzung dafür ist aber eine Unternehmenskultur der transparenten Entscheidungen. Die Vorschläge und Ideen der Mitarbeiter müssen wertgeschätzt werden und dürfen nicht sang- und klanglos in der Schublade verschwinden. Dann sorgt die Beteiligung der Mitarbeiter dafür, dass diese motivierter sind, weil sie sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, das Risiko einer Fehlentscheidung zu reduzieren?

Ja, eine weitere Möglichkeit, mehrere Blickwinkel in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen sind kontrafaktische Überlegungen nach dem „Was wäre, wenn…“-Prinzip. Einer unserer Kunden hat das mal als „Voodoo-Mathematik“ bezeichnet was ich sehr treffend finde. Denn kontrafaktische Überlegungen beziehen sich einerseits auf harte Zahlen, fußen aber auch zu einem großen Teil auf Intuition. Man kann diese Denkspiele entweder dafür einsetzen, Bestehendes zu optimieren, oder die Chancen und Risiken eines neuen Produktes abzuwägen. Gleichzeitig hilft es bei der Erstellung einer Strategie oder dem Finden von Lösungen für bestehende Probleme.

Lieber Herr Ring, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.

Wie ist es um die Strategieumsetzung in Ihrem Unternehmen bestellt? Machen Sie hier den Check-up: http://www.mmc.ag/uber-uns/check-ups/check-up-strategieumsetzung/

Das Interview mit Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

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