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Wir müssen auf Facebook ist keine Strategie

Facebook, Social Media, Soziale Medien
Bild: (c) Facebook – Screenshot Startseite

Facebook gilt im Internet nach wie vor als die zentrale Social Media Plattform, über die Unternehmen kommunizieren oder vorhaben, dies zu tun. Nur einfach mal eine Facebook-Fanseite hinzustellen und dann zu denken, das wird schon, ist ein Trugschluss, wie bereits viele Unternehmen schnell feststellen mussten. Dazu haben wir uns mit Guido Augustin, Experte für Kommunikation und Social Media, im Interview ausgetauscht.

Er wird auch zu diesem Thema beim Social Media Camp 2014 , welches vom 21. bis zum 25. Juli 2014 stattfindet, über dieses Thema sprechen. 15 Webinare rund um Social Media für Ihren Erfolg. Wer dabei sein will, kann hier mehr erfahren: www.social-media-webinare.de.

 

Interview mit Guido Augustin zu Kommunikation via Facebook

Schönen Guten Tag Herr Augustin, Sie sind Experte für Kommunikation und Social Media. Sie sagen „Wir müssen auf Facebook ist keine Strategie“. Was meinen Sie damit?

Ich habe aus meiner Standardantwort einen Vortrag gemacht. Denn viele Unternehmer kommen zu mir und sagen “Wir müssen auf Facebook”, weil sie das Gefühl haben, dass da gerade ein Zug aus dem Bahnhof rollt, den sie nicht verpassen wollen. Das ist ja grundsätzlich prima und häufig der Beginn einer wunderbaren Freundschaft (vulgo: Kundenbeziehung), doch meine Standardantwort ist erst mal “Wir müssen auf Facebook ist keine Strategie”. Nur einen weiteren Kanal zu belegen, bringt erstmal gar nichts. Da muss vorher schon ein bisschen mehr gemacht und Hirnschmalz investiert werden.

Sie empfehlen also eine konsequente, klare und strategisch geplante Kommunikation für Unternehmen. Wie sieht so etwas aus Ihrer Sicht aus?

Richtig. Und der Weg zur eigenen Strategie führt über viele Fragen und einiges an Recherche. Das ist der Weg, den ich in dem Webinar aufzeige. Das Spannende dabei: Die Frage nach dem Kanal kommt erst ganz zum Schluss – also genau das Gegenteil von “Wir müssen auf Facebook” …

Dabei können Social Media Plattformen, wie zum Beispiel Facebook, ein Teil davon sein, müssen aber nicht zwangsläufig. Ist es heutzutage eigentlich nicht zwingend für jedes Unternehmen notwendig, in den sozialen Medien präsent zu sein?

Klares Jein. Grundsätzlich muss die Kommunikation eines Unternehmens ja immer da sein, wo die Menschen oder genauer die Zielgruppen sind. Wer also Zielgruppen bedient, die nicht auf sozialen Netzwerken zu kriegen sind, kann sich die Investition sparen. Andererseits gilt allerdings auch, dass Engagement auf Facebook & Co. nur dann erfolgreich sein kann, wenn das Engagement stimmt. Wenn also ein Unternehmen überhaupt keine Ressourcen bereitstellt, sei es Geld, Personal oder auch Überzeugung, funktioniert Social Media nicht.

Wenn ich zum Beispiel Facebook in meiner Kommunikationsstrategie als einen Kommunikationskanal berücksichtigt habe, was muss ich dabei berücksichtigen?

Da gibt es einiges: Da geht es um die Anbindung an interne Prozesse, um Tools, um Redaktionspläne, um Ressourcen-Management, um Dienstpläne, damit Dialoge auch zu solchen werden können, um den systematischen Reichweitenaufbau und Pläne für den Krisenfall – um die aus meiner Sicht wichtigsten Themen zu nennen. Oft verbergen sich hinter diesen abstrakten und sperrigen Begriffen einfache Konzepte. Von einer solchen Liste muss sich also niemand abschrecken lassen.

Wie kann ich Facebook zur Unternehmenskommunikation gezielt einsetzen? Können Sie dies an konkreten Beispielen konkretisieren?

Das ist eine Frage der Zielsetzung der Kommunikation. Facebook ist zum Beispiel gut als Support-Kanal geeignet. Wenn Sie beispielsweise die Facebook-Seiten großer Krankenkassen ansehen, da melden sich viele Kunden mit allerlei Anliegen. Hier kann eine Kasse dann zeigen, dass sie in Sachen Kommunikation, Dialogführung und vor allem Kundennähe etwas auf dem Kasten haben. Facebook ist aber auch ein schöner Kanal, um im B2C-Marketing den Kundenkontakt zu halten, Sympathie/Bekanntheit zu steigern und so zur Lovebrand zu werden – dies klappt bei unserem Kunden M2Beauté (www.facebook.com/m2beaute) ganz prima. Aber es geht auch kleiner, wie die Jungs vom Möhren Milieu (www.facebook.com/MoehrenMilieu) zeigen, die mit einem veganen Imbisswagen angefangen und jetzt ein gut gehendes Restaurant haben. Sie haben mit einfacher, klarer und produktorientierter Kommunikation ihre Reichweite und Bekanntheit erheblich gesteigert.

Unternehmen, die Facebook in ihrer Kommunikationsstrategie integriert haben, müssen sich auch darüber Gedanken machen, was Mitarbeiter in ihrer persönlichen und privaten Rolle über Facebook kommunizieren. Ist hier ein ganzheitlicher Ansatz für Unternehmen und eine Sensibilisierung der Mitarbeiter notwendig, um ein optimales Bild vom Unternehmen sicherzustellen?

Ja, das gehört alles zusammen. Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht mitnehmen, kann das böse Folgen haben. Dieser Komplex ist aber ein Thema, für das viele Disziplinen und Abteilungen zusammen arbeiten müssen: Von der Geschäftsleitung bis zum Betriebsrat, von der Öffentlichkeitsarbeit bis zum Justiziariat – und selbstverständlich dem Datenschutzbeauftragten. Die spannende Frage dabei ist immer, ob es gelingt, auch die Mitarbeiter zu Botschaftern zu machen – oder ob sie zu Brandstiftern werden.

Was können die Teilnehmer des Social Media-Sommer Camps, am Dienstag, den 22.07.2014 von 10:00 bis 11:00 Uhr, von Ihrem Vortrag „Wir müssen auf Facebook ist keine Strategie!“ alles erwarten?

Wer dabei war, hat eine klare Richtung, in die er laufen kann und die ihn zu einem umfassenden strategischen Ansatz führt. Am Anfang wird es gar nicht um Social Media gehen, weil die ersten (und wichtigsten) Fragen übergeordnet sind, am Ende dann schon mehr – und zum Finale gebe ich noch Impulse, wie die Social Media-Kommunikation optimiert werden kann.

Herr Augustin, vielen Dank für das interessante Gespräch und ich wünsche Ihnen eine tolle Veranstaltung.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Herausgeber AGITANO.

 

Social Media Camp 2014

15 Experten in 15 Vorträgen sprechen über Social Media. Das Social Media Camp 2014 geht vom 21. bis zum 25. Juli 2014. Wer dabei sein will: www.social-media-webinare.de.

 

Guido Augustin, Public Relations, Journalismus, Social Media, Webinare
Guido Augustin – Bild: (c) HeikeRost.com

Guido Augustin – Experte für Public Relations und Social Media und Fachmann für Webinare

„Mer muss nur mit de Leid redde!“, sagte Guido Augustins Oma. Sie gab ihm damit das Firmenmotto und die Handlungsmaxime mit auf den Weg, denn es ist seine Leidenschaft, Unternehmen bekannter und Unternehmer sympathischer zu machen. Werkzeuge: Von der strategischen Beratung bis zum effektiven Einsatz von Social Media, von Texten, die überzeugen bis zu klassischer Pressearbeit – um nur einige zu nennen. Regelmäßig tritt er als Redner vor Unternehmern auf, um sie für seine Themen zu begeistern. Mit Sabine Piarry gründete er 2012 die Webinar-Akademie immer-freitags.de zu Themen der Unternehmenskommunikation.

Mehr zu seiner Person finden Sie unter der GuidoAugustin.com GmbH.

Oliver Foitzik

Ein Kommentar zu “Wir müssen auf Facebook ist keine Strategie

  1. Hallo Herr Augustin,
    toll das Sie auf dem Camp in das Horn stoßen, dass Social Media ohne Strategie nicht wirksam umsetzbar ist.
    Bislang herrschte unter vielen Experten die Meinung vor: “Laß uns erstmal machen, dann wird das schon.” Sie überzeugten Unternehmen von Nutzen ganz vieler neuer Kontakte und droschen die alten Floskeln von Aufmerksamkeit und Reichweite. So wurden Social Media Projekte aus den falschen Gründen und “mal eben” umgesetzt, um der Konkurrenz zu zeigen, wie hipp oder technisch innovativ das Unternehmen ist. Jetzt haben Unternehmen einen Facebook-Auftritt und sind überrascht, dass sich die versprochenen Ergebnisse nicht einstellen.
    Dies rächt sich jetzt: Social Media als Instrument wird pauschal von unnütz, über zu teuer als nicht wirksam klassifiziert.
    Wir bei Gruppenwissen haben die Erfahrung gemacht, das Unternehmen bspw. nur erfolgreich in Social Media sind, wenn Sie dies aus den richtigen Gründen tun. Social Media ist ein Kommunikationsinstrument, dass die Beziehungen aufbauen und pflegen kann.

    Um die neuen Instrumente wirksam einzusetzen, müssen im Unternehmen Wissen, Erfahrung, neue Prozesse und Regeln entwickelt, umgesetzt und beachtet werden. Das bedarf einer Strategie, die damit beginnt, die Webseite und einen Corporate Blog zu einer digitalen Kommunikationseinheit zu verschmelzen und erst danach eine Selektion adäquater Social Media Kanäle vornimmt, um diese zu bespielen.

    Wir sehen generell drei Ansätze auf für Unternehmen unterschiedlich komplexen Ebenen:
    1. Informationsebene: Kunden zuhören und erforschen – ohne großen Aufwand – von Kundenbedürfnisse
    2. Serviceebene: mediengerecht auf Kundenanfragen antworten einfachen Kunden – Support bereitstellen
    3. Nutzenebene: merkens-werten Inhalte austauschen und exklusive Angebote und Rabatte anbieten.

    Um die neuen Instrumente wirksam einzusetzen, müssen im Unternehmen Wissen, Erfahrung, neue Prozesse und Regeln entwickelt, umgesetzt und beachtet werden. Und genau hier scheint der Wille zu erlahmen.
    Dabei ist die Beachtung des richtigen Grundes für Social Media wichtig, denn Strategien und Instrumente sind nutzlos, wenn es niemanden gibt, der diese im Unternehmen kennt, kann und umsetzt.
    Wenn die Unternehmen das Pferd von hinten aufzäumen, ist es kein Wunder, dass Kunden frustriert, Unternehmen bereits heute an der Wirksamkeit von Social Media zweifeln und darauf die Medien das Ende des Hypes beschwören.

    Danken möchten wir Ihnen für das geführte Interview.

    Ihnen einen guten Tag
    Björn Gemmecke
    Gruppenwissen

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