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„Jedes Tattoo ist eine neue Herausforderung“ – Interview mit Paul Gregorek von Aero&Inkeaters aus Berlin

Tätowierer mit Gummihandschuhen und Tätowier-Maschine beim Stechen eines Tattoos

Tattoos erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Als individueller Körperschmuck transportieren sie Statements, verewigen persönliche Erlebnisse und setzen raffinierte stilistische Akzente. Dabei sind es vor allem das handwerkliche Geschick und die Fantasie des Tätowierers, die für ihre Wirkung verantwortlich sind. Wir haben uns mit Paul Gregorek, dem Geschäftsführer von Aero&Inkeaters aus Berlin, darüber unterhalten, wie er zum Tätowieren gekommen ist, worauf es dabei ankommt und wie man alte Tattoo-Sünden doch noch retten kann.

Mit Cover-Ups ungeliebte Tattoos verschwinden lassen – Paul Gregorek im Interview

Guten Tag Herr Gregorek, wir freuen uns, Sie bei uns begrüßen zu dürfen.

Paul Gregorek: Vielen Dank! Ich freue mich, hier zu sein.

Ehe wir genauer auf Ihre tägliche Arbeit eingehen, werfen wir zunächst einen kurzen Blick zurück. Wie sind Sie zum Tätowieren gekommen?

PG: Nun, das lässt sich gar nicht so ohne Weiteres an einem bestimmten Ereignis festmachen. Ich interessiere mich schon seit über 20 Jahren für die Kunst des Tätowierens. Besonders faszinierend finde ich die Vielzahl verschiedener Stile. Es gibt praktisch nichts, was sich nicht mit einem Tattoo ausdrücken lässt.

Darüber hinaus hat mich immer auch die Herausforderung gereizt, die ganz individuellen Vorstellungen eines Menschen Wirklichkeit werden zu lassen. Zu guter Letzt ist es die stetige Weiterentwicklung der Tattoo-Technik, die immer raffiniertere und sogar multifunktionale Designs entstehen lässt. So wird beispielsweise an der Universität von Colorado bereits an Smart Tattoos geforscht, die die Körpertemperatur messen können.

Wie lange gibt es Ihr Studio schon?

PG: Unser Berliner Studio gibt es jetzt schon seit fünf Jahren. Ursprünglich kommen mein Team und ich aus Polen. An Berlin hat uns vor allem der Farbenreichtum, die Vielfalt und die immer neue Inspiration angezogen. Als Tätowierer findet man hier eine perfekte Umgebung zum Arbeiten vor.

Auf welche Stile sind Sie spezialisiert?

PG: Ein Schwerpunkt unserer Arbeit sind Porträts. Dabei übernehmen wir sowohl realistische als auch abstrakte Styles. Weiterhin haben wir viel Erfahrung mit Trash Polka, Dot Work, Ornamentic, Old School, Asia, Watercolor, Traditional und Free Hand. Jeder in unserem Team hat seine individuellen Spezialbereiche, sodass jeder Kundenwunsch erfüllt werden kann.

Darüber hinaus sind Cover-Ups ein weiterer wichtiger Teil unserer Arbeit. Ein Cover-Up wird etwa dann nötig, wenn man nach einigen Jahren bemerkt, dass das Tattoo, das man früher toll fand, nun doch nicht mehr so stylisch wirkt. Wenn die Bedingungen passen, kann ein altes Tattoo unauffällig mit einem neuen Motiv gecovert, also überdeckt, werden.

Welche Bedingungen gibt es dabei?

PG: Grundsätzlich kann man sagen, dass es bei der Gestaltung eines Cover-Ups umso mehr Möglichkeiten gibt, je kleiner und heller das ursprüngliche Motiv ist. Unsere erfahrenen Tattoo-Artists nutzen jeden Freiraum geschickt aus, um die Aufmerksamkeit gezielt auf das neue Motiv zu lenken. Das Cover-Up muss im Normalfall größer und dunkler sein als das ursprüngliche Tattoo. Nur so ist sichergestellt, dass es auch wirklich komplett verschwindet.

Wird ein Motiv bei einem Cover-Up immer komplett überdeckt oder gibt es unterschiedliche Varianten?

PG: Je nach Ausgangslage kommen beim Cover-Up verschiedene Verfahren zum Einsatz. Im klassischen Fall wird das alte Motiv vollständig überdeckt. Diese Methode wird genutzt, wenn man das Motiv wirklich gar nicht mehr sehen will. Anders sieht es schon wieder aus, wenn lediglich einzelne Linien nicht gefallen. In diesem Fall werden nur einzelne Stellen ausgebessert. Wenn einem das Motiv grundsätzlich gefällt, man sich aber eine etwas interessantere Optik wünscht, besteht auch die Möglichkeit, das alte Motiv in ein neues zu integrieren. Cover-Ups sind also immer eine ganz besondere Herausforderung.

Wer sind Ihre Kunden?

PG: Einer der spannendsten Aspekte unseres Jobs ist sicher der Abwechslungsreichtum. Das gilt nicht nur für die Motive, die wir zeichnen, sondern auch für unsere Kunden. Zu uns kommen Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft. Dazu gehören Verkäufer, aber auch Ärzte, Anwälte und Polizeibeamte. Ebenso besuchen uns nicht nur Menschen aus Berlin, sondern auch aus Stuttgart, Frankfurt, Bielefeld, München und vielen anderen Städten.

Vor allem Menschen in gehobenen Berufen haben dabei natürlich immer auch einen gewissen Anspruch daran, dass das Tattoo mit dem Business-Outfit vereinbar ist. Hier ist also von unserer Seite besonders viel Fingerspitzengefühl gefragt. Oft bieten sich in diesem Fall Tätowierungen an, die von der Kleidung verdeckt werden.

Die Gründe für Tattoos sind vielfältig

Das klingt in der Tat nach einer bunten Mischung. Da drängt sich natürlich die Frage auf, aus welchen Gründen sich die verschiedenen Menschen für ihre Tätowierung entscheiden.

PG: Nun, das kann man so pauschal nicht beantworten. Manche Menschen wollen mit einem Tattoo gewissermaßen aus ihrer Haut heraus. Sie wollen sich befreien und verändern. Andere wiederum verstehen Tätowierungen eher als Tagebuch. Ein Tattoo symbolisiert für sie ein bedeutsames Erlebnis, das sie auf diese Weise verewigen wollen. Bei wieder anderen steht der künstlerisch-ästhetische Aspekt im Vordergrund. Hier soll das Tattoo vor allem Körperlinien und Formen unterstreichen. Auch der soziale Bezug zu Gruppen und die Abgrenzung sind häufige Gründe für ein Tattoo.

Und welche Motive sind gerade im Trend?

PG: Aktuell sind Mandalas stark im Kommen. Auch geometrische Muster in Verbindung mit realistischen Motiven, wie zum Beispiel Elefantenköpfen, werden gerade stark nachgefragt. Wenn ein Trend zu lange andauert, machen wir unseren Kunden aber in der Regel auch Gegenvorschläge. Schließlich hat ein Tattoo auch immer viel mit Originalität und Überraschung zu tun.

Worauf legen Sie bei der Arbeit besonders viel Wert?

PG: Zunächst einmal ist uns wichtig, dass unsere Kunden sich bei uns wohlfühlen und einen transparenten Überblick über den gesamten künstlerischen Prozess bekommen. Eine umfassende Beratung steht dabei immer am Anfang eines jeden Tattoo-Projekts. Dabei erörtern wir gemeinsam mit unserem Kunden seine Vorstellungen und deren Realisierbarkeit, nehmen gegebenenfalls Anpassungen vor und planen die notwendigen Termine.

Besonders wichtig ist uns dabei Individualität. Jedes Tattoo ist ein absolutes Einzelstück. Bei uns gibt es keine Kopien anderer Arbeiten. Um eine optimale Betreuung gewährleisten zu können, hat jeder unserer Tätowierer nur einen Kunden pro Tag. So kann er sich optimal auf seine Wünsche einstellen und jeden Termin zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Natürlich ist aber in erster Linie viel Erfahrung notwendig, um die Wünsche des Kunden zu verstehen.

Beim Tätowieren hat man anders als beim Zeichnen mit Bleistift und Radiergummi keine Möglichkeit, einen Fehler rückgängig zu machen. Ist es dadurch jedes Mal aufs Neue aufregend, die Haut eines Menschen zu zeichnen oder gewöhnt man sich mit der Zeit daran?

PG: Aufregung im Sinne von Nervosität gibt es nach den vielen Jahren der Erfahrung sicher nicht mehr. Dennoch ist man natürlich sehr konzentriert und aufmerksam. Das gilt nicht nur für mich, sondern für unser ganzes Team. Vor allem bei sehr anspruchsvollen Motiven mit vielen feinen Linien ist die Konzentration besonders hoch. Gespräche mit dem Kunden fallen dann für gewöhnlich weg. Man blendet die Umgebung vollständig aus.

Spielt beim Stechen des Tattoos auch die Haut eine Rolle oder gibt es hierbei keine großen Unterschiede zwischen verschiedenen Kunden?

PG: Hier gibt es durchaus große Unterschiede. Das betrifft unter anderem die Hautdicke, das Alter und die Körperstelle. Etwas schwieriger sind weiche Körperstellen, bei denen auch noch die Atmung mit einbezogen werden muss. Leichter hingegen fallen feste Stellen wie die Wade und der Oberarm. Junge Haut auf gut ausgeprägter Muskulatur ist der Idealfall.

Letzten Endes spielt auch die Pflege nach der Tätowierung eine Rolle, wenn es um die Optik geht. Deshalb geben wir unseren Kunden immer noch einige Pflegetipps auf den Weg.

Das führt uns zu unserer letzten Frage. Handelt es sich beim Tätowieren um eine künstlerische oder eher um eine handwerkliche Arbeit?

PG: Das kann man nicht so ohne Weiteres trennen. Sicher hat das Tätowieren Eigenschaften von beidem. Auf der einen Seite braucht es natürlich erst einmal eine gehörige Portion Fantasie und ein ausgeprägtes ästhetisches Bewusstsein. Auf der anderen Seite sind aber auch eine ruhige Hand und jede Menge Fingerspitzengefühl notwendig.

Herr Gregorek, vielen Dank für das spannende Gespräch und die interessanten Einblicke!

PG: Gern!

Das Interview mit Paul Gregorek führte die AGITANO-Redaktion. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde die generisch-männliche Formulierung verwendet.

Über Aero&Inkeaters

Das Tattoo-Studio Aero&Inkeaters wurde 2015 von Paul Gregorek in Berlin gegründet. Das erfahrene internationale Team deckt ein breites Spektrum verschiedener Tattoo-Stile ab und betreut Kunden aus ganz Deutschland. Über besonders viel Erfahrung verfügt Aero&Inkeaters im Bereich Cover-Up. Mehr über Aero&Inkeaters in Berlin erfahren Sie unter www.inkeaters.de.

Beate Greisel

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