Deutschland

Ausländische Investoren – Fluch oder Segen?

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Hier wird „[…] nachhaltig gearbeitet und ein klarer, langfristiger Plan verfolgt.“ Daniel Raecke beschreibt mit diesen Worten ausdrücklich nicht die Arbeitsweise, vermeintlicher Traditionsclubs, wie zum Beispiel den FC Bayern München. In „Guardiola in Manchester: Paradise City“ hebt er die positiven Aspekte hervor, die ausländische Investoren auf die Entwicklung eines Unternehmens haben können. Auch in der Wirtschaft soll es solche Positivbeispiele geben – und zwar öfter als gemeinhin vermutet wird.

Schlechte Vorbilder sorgen für schlechtes Image

„Fördermittel kassieren und dann weiterziehen … .“ Die Beispiele Nokia, BenQ und Motorola haben ausländischen Investoren den Ruf eingebracht das zu sein, was der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) einst eine „Subventionsheuschrecke“ nannte.* Ein Image, das sich bis heute hält. Auslandsinvestitionen in deutsche Unternehmen werden bis heute argwöhnisch beäugt wie aktuelle Beispiele zeigen.

So kritisieren Hubert Lienhard und Friedhelm Loh, Großaktionäre beim deutschen Roboterhersteller Kuka, die wohlwollende Einschätzung ihres Vorstandschef Till Reuter, hinsichtlich des Übernahmeangebots durch den chinesischen Investor Midea als „nicht ganz glücklich“.** Ebenfalls in der Diskussion steht der geplante Verkauf des rheinland-pfälzischen Flughafens Hahn an die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT). Der Airport werde „nahezu verschenkt“ behauptet etwa Julia Klöckner, Vorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz.***

Nur am Wissen aus den übernommenen Unternehmen interessiert

Ökonomen der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollten wissen, ob die Bedenken, die man hierzulande gegenüber ausländischen Investoren hat, berechtigt sind. Allen voran die Mutmaßung, „dass Investoren aus China oder anderen aufstrebenden Ökonomien nur in Deutschland investieren, um Wissen aus den übernommenen Unternehmen abzuziehen“, wollten der Jenaer Wirtschaftsgeograph Prof. Dr. Sebastian Henn und seine Kollegen Prof. Dr. Martin Franz aus Osnabrück und Dr. Jörg Weingarten von der PCG Project Consult GmbH aus Essen auf den Grund gehen.

In den letzten drei Jahren haben sich die drei Wissenschaftler in einem von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Projekt intensiv mit Investitionen aus den sogenannten BRIC-StaatenBrasilien, Russland, Indien und China – in Deutschland beschäftigt. Ihre Forschungsergebnisse sind jetzt in dem Sammelband veröffentlicht worden.****

Ausländische Investoren besser als ihr Ruf

Aus Sicht der Ökonomen belegen die Untersuchungsergebnisse, dass sich das Engagement ausländischer Investoren langfristig vielfach positiv auf deutsche Unternehmen auswirkt. Auch im momentan kontrovers diskutierten Fall Kuka habe der chinesische Investor zugesagt, Arbeitsplätze und Entwicklungskompetenzen in Deutschland zu belassen. Für Prof. Dr. Martin Franz von der Universität Osnabrück beruhen die Ursachen für das schlechte Image ausländischer Investoren unter anderem auf einem Missverständnis: „In der Öffentlichkeit werden Übernahmen immer mit feindlichen Übernahmen gleichgesetzt. Dabei ist es gerade in der Hochtechnologie meist eher ein Aushandlungsprozess auf Augenhöhe“. Zugeständnisse wie im Fall Kuka sind für Franz und seine Kollegen eher die Regel als die Ausnahme. Die Käufer von wissensintensiven Unternehmen möchten weder die Mitarbeiter mit ihrem Know-how vergraulen noch die vorhandenen Kunden. Deshalb gehen ausländische Investoren auf die Interessen der Stakeholder in Deutschland ein, so die Autoren.

Tatsächlich stellt das hohe Know-how in deutschen Unternehmen für ausländische Investoren einen wichtigen Grund für ihr finanzielles Engagement dar. Die Angst vor einem schnellen Wissenstransfer mit anschließendem Wiederverkauf oder sogar einer Schließung des deutschen Unternehmens scheint aber unbegründet, so die Autoren der Studie. Für Dr. Jörg Weingarten von der PCG Project Consult GmbH ist „angesichts der häufig geringen Integration des deutschen Unternehmens in das Käuferunternehmen und den ohnehin großen Herausforderungen beim Wissenstransfer ist eine kurz- beziehungsweise mittelfristige Angleichung der unternehmensspezifischen Wissensbasen nicht zu erwarten.“ Aus diesen Gründe kann aus seiner Sicht die Qualität der Produktion in der Regel nur langfristig angeglichen werden. Vielfach – so die Ergebnisse der Untersuchung – verfolgen die Investoren strategische Ziele, in denen eine Produktion in Deutschland als wichtiger Baustein für eine europäische Expansion gesehen wird.

Stets den Einzelfall prüfen

Das Fazit der drei Wirtschaftsgeographen: „Ausnahmen gibt es immer, aber im Allgemeinen sind Investoren aus den BRIC-Staaten meist besser als ihr Ruf. Ihnen sollte nicht mit Vorurteilen begegnet werden, sondern im Einzelfall geprüft werden, welche Strategien und Ziele sie verfolgen. Eine solche Investition muss den Interessen der deutschen Unternehmen und ihren Belegschaften nicht entgegenstehen: Sie kann Unternehmen stark machen und auch den Arbeitnehmern nutzen.“

* Vgl.: Knop, C.: „Subventionsheuschrecke Nokia?“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Nr. 14 | 17.01.2008, S. 1., zuletzt abgerufen am 23.06.2016 unter folgendem Link.

** Vgl.: wiwo.de: „Kuka-Übernahme – Aktionär kritisiert Vorstand wegen Haltung zu Midea-Offerte“, zuletzt abgerufen am 23.06.2016 unter folgendem Link.

*** Vgl.: swr.de: „Opposition kritisiert Landesregierung Flughafen Hahn »nahezu verschenkt«“, zuletzt abgerufen am 23.06.2016 unter folgendem Link.

**** Franz et al. (Hrsg.): „BRIC-Investitionen in Deutschland – Chancen und Risiken für Unternehmen und Arbeitnehmer“, Bielefeld 2016, Transcript Verlag, 230 Seiten, ISBN 978-3-8376-3410-5

Christoph Schroeder

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