Kolumnen

Eine Reise in sich hinein und über sich hinaus

Die wöchentliche Business-Kolumne von Ulrich B Wagner

 

Heute: Ich bin dann mal weg. Wege aus dem Dauerstress

 

„Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“, Mahatma Gandhi

 

Permanent online. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche per Mobile oder Internet erreichbar. Immer weniger Zeit bleibt frei von virtueller Kommunikation, immer seltener werden die Momente in denen wir nicht auf Mitteillungen reagieren, sie wahrnehmen, filtern und beurteilen müssen, um sie schließlich in unserem Gedächtnis irgendwie abzulegen. Unser Oberstübchen ächzt unter dem permanenten Dauerfeuer, der nicht abreißenden Informations- und Datenflut, die immer schneller auf uns einprasselt. Dauerstress pur.

 

Unser Gehirn benötigt jedoch Atem- und Ruhepausen, um Aufgaben optimal zu bewältigen. Durch den kontinuierlichen Dateninput werden wir dagegen fortlaufend aus den aktuellen Tätigkeiten herausgerissen. Dies zerstört nicht nur unseren Flow, den angenehmen Arbeitsrhythmus, sondern führt darüber hinaus zu Anspannung, Gereiztheit, Unkonzentriertheit und erstickt jeden kreativen Impuls im Keim. Wir zerstören sozusagen unsere kreativen Potentiale durch den alltäglichen Terror der virtuellen Kommunikation. Hierbei sitzen wir in einer doppelten Kommunikationsfalle. Auf der einen Seite wächst der soziale Druck der Dauererreichbarkeit. Auf der anderen Seite bedient die ständige virtuelle Kommunikation einen uralten, evolutionären Reflex, der uns zu Informationsjägern macht. Denn neue Informationen sind, das hat uns die Evolution gezeigt, nicht nur lebensnotwendig, sondern sichern darüber hinaus unser Überleben. Wir sind daher dazu verdammt, beim Erscheinen einer neuen Information oder Botschaft automatisch unsere Wahrnehmung darauf zu lenken und alles andere zur Seite zu schieben. Unser Reflex an neue Botschaften zu kommen ist dabei so beherrschend, dass wir alles andere ohne weitere Überlegungen zurückstellen.

 

Was also tun? Sitzen Sie nicht der Selbstlüge auf, Sie könnten der eingehenden E-Mail, dem eingehenden Anruf problemlos widerstehen und fest mit Ihrer Aufmerksamkeit und Ihren Gedanken bei der momentanen Tätigkeit verweilen. Vergessen Sie nicht die Wirkung und Durchschlagskraft des oben genannten Steinzeitreflexes. Es könnte ja unversehens ein Mammut vorüberschauen.

 

Gerade in dem Augenblick, in dem ich die obigen Zeilen schrieb, klingelte mein Mobiltelefon. Sie ahnen es? Jawohl! Ein sofortiges Zucken in der Hand des Kommunikationsjunkies, ein freundliches Hallo und heraus aus dem Schreibfluss, hinein in eine bleierne Schreibleere und Starre. Na dann kann ich mir jetzt ja auch noch schnell einen Espresso machen…. Später, viel später erst ein erneutes Aufbäumen der Geistesblitze, der Worte und Gedanken. Jetzt aber schnell das Telefon lautlos, das E-Mail Programm herunterfahren und frohen Mutes weiter im Text.

 

Wie Sie sehen ist auch der Verfasser dieser Kolumne nicht gänzlich vor den Schrecken des Infostresses gefeit. Nichtsdestotrotz hier ein paar kleine Anregungen und Auswege aus dem virtuellen Kommunikationsterror:

 

– Schaffen Sie sich sichere Inseln in der virtuellen Kommunikationsflut, Ruheorte und Ruhezeiten innerhalb des Tages, in denen Sie sich ganz auf sich und Ihre Gedanken konzentrieren können.

 

– Legen Sie fixe Zeitpunkte fest, an denen Sie Ihre E-Mails über den Tag verteilt abrufen und ggf. beantworten.

 

– Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen eine Kommunikationskultur, die weitestgehend auf den Wahnsinn eines Ausuferndes „CC“ und „BCC“ – Setzens der halben Firma verzichtet.

 

– Sorgen Sie, wo und wann immer möglich, für mehr face to face Kommunikation

 

– Schenken Sie sich einmal am Tag mindestens für eine Stunde eine Kreativitätsoase, in der die virtuelle Kommunikation Hausverbot hat, und Sie beispielsweise ungestört eine Kolumne schreiben können.

 

– Checken Sie nach Feierabend keine geschäftlichen E-Mails. Denn wie sollen Sie dabei zur Ruhe kommen und sich von den Strapazen des Tages erholen.

 

– Einigen Sie sich mit Kollegen und Freunden auf kollektive Auszeiten, und wecken Sie Verständnis für diese Offline-Phasen.

 

– Brechen Sie bewusst aus dem Infostress aus, und denken Sie an die gesundheitlichen Folgen, wie sie der deutsche Psychologe Heinz Prokop so eindringlich beschrieb:„Im Stress, also in der Vorbereitung auf Flucht oder Kampf, reduziert der Körper unter anderem das Schmerzempfinden. Die Rechnung präsentiert er, wenn der Bär erlegt ist.“


 

Stress ist ein immenser sozialer Schadstoff, der eingeatmet nicht nur das Immunsystem schwächt (die berühmte Herpesblase nach der plötzlichen Aufregung), sondern zu Depressionen, Burn-out und auch für eine Vielzahl weiterer Krankheiten verantwortlich ist. Nächste Woche daher mehr zum Thema Stress, den Wegen heraus und den Selbstheilungskräften unseres Gehirns.

 

 

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Profil des Autors:

 

Ulrich B. Wagner, Jahrgang 1967, studierte Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kommunikation, Coaching und Managementberatung (ikcm) mit Sitz in Bad Homburg und Frankfurt am Main und gleichzeitig Dozent an der european school of design für Kommunikationstheorie sowie Werbe- und Konsumentenpsychologie. Ulrich Wagner arbeitet als Managementberater und systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikations- und Rhetoriktrainings, Personalentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

 

Zu erreichen: via Website www.ikcm.de, via Mail uwagner@ikcm.de, via Xing und Facebook (Ulrich B Wagner).

 

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