Gründer/innen

AGITANO Gründertag – Interview zu Förderangeboten für Gründer

Mit dem WebEvent 1. AGITANO Gründertag präsentiert AGITANO, das Wirtschaftsforum für den Mittelstand, am 27. November 2012 spannende und interessante Vorträge und Fachgespräche rund um die Themen Gründer, Unternehmertum und Entrepreneurship. Sieben Gründerexperten und -praktiker mit langjähriger Erfahrung geben einen guten Überblick über zentrale Themen aus dem Gründer- und Unternehmeralltag und zeigen auf, wie Sie erfolgreich gründen und als Unternehmer erfolgreich sind. AGITANO hat die Referenten im Vorfeld zu ihren Themen interviewt. Heute Gabriele Taphorn, Fördermittel-Guide zu ihrem Vortrag “Her mit den Geld! Finanzierungsmöglichkeiten und Förderangebote für ExistenzgründerInnnen“.

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Guten Tag Frau Taphorn. Vielfach ist vom Förderdschungel die Rede. Ist dieser Bereich tatsächlich so undurchsichtig?

Das kann man so sagen. Je nachdem, wie weit man den Begriff „Fördermittel“ fasst, existieren rd. 3.000 Förderprogramme. Es ist daher für jemanden, der sich nicht täglich mit dieser Thematik beschäftigt, nahezu unmöglich, den Überblick zu behalten. Mit einem Überblick ist es auch nicht getan: aufgrund der Vielzahl der Förderinstitute, der z. T. völlig unterschiedlich gestalteten und formulierten Richtlinien und der abweichenden Antragsprozedere und -wege sind Erfahrungen im Umgang mit der Beantragung ein wesentlicher Aspekt für die Genehmigungsaussichten von Fördermittelanträge. Ausschlaggebend ist immer die konkrete Ausgestaltung des Einzelfalls. Ein Detail des Vorhabens oder der persönlichen Voraussetzungen (z. B. Eigenkapital vorhanden oder nicht, Anschaffung eines PKW`s oder eines Handwerkerfahrzeuges) kann dazu führen, dass Programme in geringerer Höhe oder gar nicht beantragt werden können.

Ein Synonym für Dschungel ist ja Regenwald. Regnet es nun in dem Förderdschungel Fördergeld? Also sind die Fördermöglichkeiten für Gründer hierzulande wirklich so gut?

Aufgrund seiner – insb. im europäischen Vergleich – guten Wirtschaftskraft verfügt Deutschland m. E. über eine recht umfangreiche Förderlandschaft. Allerdings bestehen auf Ebene der Bundesländer z. T. erhebliche Unterschiede: während „reiche“ Bundesländer, wie Baden-Württemberg und Bayern – sowohl qualitativ als auch quantitativ gute Fördermöglichkeiten bieten, weisen z. B. finanzschwächere Bundesländer (z. B. Bremen, Hamburg usw.) nur wenig eigene Förderprogramme auf.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich auf die Fahne geschrieben, das „Gründerland Deutschland“ zu werden und ist diesbezüglich in Teilbereichen sehr aktiv. Was aus meiner Sicht allerdings nicht dazu passt, sind beispielsweise die seit November letzten Jahres geltenden erheblichen Einschränkungen bei der Beantragungen des Gründungszuschusses, die auch Auswirkungen auf weitere Förderprogramme wie das Gründercoaching Deutschland haben und letztendlich zu einer reduzierten Anzahl von Unternehmensgründungen bereits in diesem Jahr geführt haben.

Man darf bei aller Diskussion um mehr oder weniger Fördermöglichkeiten nicht vergessen, dass diese Angebote stets als „Hilfe zur Selbsthilfe“ anzusehen sind. Das unternehmerische Risiko liegt beim Unternehmer, nicht beim Staat und nicht bei den Banken. Ich denke, dass ein Staat mit seinen Institutionen diesbezüglich auch nicht mehr leisten kann (denn letztendlich bezahlt der Steuerzahler die Förderprogramme).

Was gibt es für Fördermöglichkeiten jenseits von Fördergeldern, die Gründer unbedingt in Anspruch nehmen sollten?

Existenzgründerinnen und Existenzgründern stehen diverse unentgeltliche Angebote zur Verfügung, mit denen sie sich umfassend über Notwendigkeiten und Voraussetzungen wie z. B. formale und gesetzliche Vorgaben, mögliche Marketingstrategien oder Fragen rund um Personalthemen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung informieren können. Hierfür beispielhaft zu nennen sind die Betriebsberatungen der Kammern (IHK, Handwerkskammer usw.) und Verbände, kostenlose Beratertage von Förderinstituten (KfW, Landesförderinstitute) und Informationsveranstaltungen mit Vorträge und Workshops rund um das Thema Gründung (z. B. Existenz der IHK für München und Oberbayern).

Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass diese Veranstaltungen vorrangig Impulse geben und nur im Fall einer echten Einzelberatung konkret auf das eigene Vorhaben ausgerichtet sind. Insofern können derartige Angebote m. E. immer nur Ausgangsbasis für die Gründungsplanung sein und müssen – durch den Gründer/die Gründerin oder in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Berater – detailliert ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Eine weitere ganz wichtige Fördermöglichkeit, die gerade im Gründungsbereich von immenser Bedeutung ist, sind Programme, die anstelle banküblicher Sicherheiten treten. Nachdem die Gründungsförderung schwerpunktmäßig durch zinsvergünstigte Darlehen erfolgt, die über Kreditinstitute ausgereicht werden, ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit der Stellung banküblicher Sicherheiten. In vielen Fällen können ExistenzgründerInnen diese nicht zur Verfügung stellen. Die Alternativen Haftungsfreistellung und Ausfallbürgschaft sind hier Instrumente, die werthaltige Sicherheiten darstellen und somit in vielen Fällen die Finanzierung erst ermöglichen.

Welche Tipps in Bezug auf Finanzierungsmöglichkeiten und Förderangeboten können Sie Gründern vorab mit auf den Weg geben?

Ganz wichtig im Zusammenhang mit der Finanzierung sind die Faktoren Zeit und Qualität der Vorbereitung. ExistenzgründerInnen sollten sich rechtzeitig um das Thema „Finanzierung“ kümmern,  umfassend planen (insb. den Kapitalbedarf) und sich im Vorfeld über Fördermöglichkeiten und deren Voraussetzungen informieren. Bei der Beantragung öffentlicher Fördermittel – seien es Zuschuss- oder Darlehensprogramme – müssen z. T. lange Bearbeitungszeiten bei den Kredit- und Förderinstituten einkalkuliert werden. Diese können in Einzelfällen gerne auch mal 6 Monate betragen.

Eine gute Vorbereitung, d. h. Vorlage vollständiger, schlüssiger Unterlagen, kann das Antragsverfahren durchaus beschleunigen.

Unzureichende Planung und Zeitdruck führt oftmals dazu, dass zu gering oder durch die falschen Produkte finanziert wird. Danach auftretender Nachfinanzierungsbedarf erhöht wiederum den Zeitdruck und gefährdet damit oft schon kurz nach der Gründung die gesamte Existenz.

Sehen Sie aus der Perspektive Ihrer Tätigkeit und Ihrer Erfahrung heraus Möglichkeiten, wie der Förderdschungel vereinfacht werden könnte? Oder gibt es eventuell auch Bereiche, die in Deutschland vergleichsweise eher schlechter gestellt sind und verbessert gehören?

Die Problematik ergibt sich aus dem Begriff „Dschungel“, wie undurchsichtig, undurchdringbar. Wie vorhin bereits ausgeführt, ist es schwierig, einen Überblick zu erhalten und die passenden Programme für den Einzelfall zu finden. Hier könnte man natürlich Überlegungen zur Zusammenfassung einzelner Produkte anstellen. Das würde aber aus meiner Sicht unbedingt zu einer Vereinfachung führen, da die Förderungen in unterschiedlicher Weise erfolgen. So gibt es Zuschüsse, zinsgünstige Darlehen, Bürgschaften, Haftungsfreistellungen, Beteiligungen und Garantien. Eine wirklich deutliche Reduzierung der Programmanzahl ergäbe sich also auch dadurch nicht.

Ein weiteres Hemmnis im Zusammenhang mit der Gründungsfinanzierung ist das sog. „Hausbankprinzip“. Ohne ein Kreditinstitut geht in der Förderung eigentlich gar nichts: bei Darlehensprogramme muss eine Bank ausreichender Partner sein, bei Zuschussanträgen wird ein Kreditinstitut benötigt, um die Sicherstellung der Gesamtfinanzierung zu bestätigen. Hier handelt es sich um einen echten „Flaschenhals“, denn Kreditinstitute in Deutschland sind Wirtschaftsunternehmen, sie verleihen Geld, das sie zurück haben müssen. Wenn also das Risiko einer Finanzierungsanfrage für die Bank zu hoch erscheint, wird sie lieber Abstand von der Genehmigung nehmen als eine Existenzgründung zu ermöglichen.

Dieser Umstand wird seit Jahren ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis diskutiert.

Was erwartet den Teilnehmer nun konkret in ihrem Webinar?

Der Schritt in die Selbständigkeit ist in den meisten Fällen u. a. mit finanziellen Überlegungen verbunden. Neben der Finanzierung der betrieblichen Investitionen stellt sich auch die Frage: “Wie sichere ich meinen Lebensunterhalt in der Anfangsphase?” Um entsprechende Kapitalquellen hierfür erschließen zu können, ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren, um keine Fristen bei der Antragstellung zu versäumen.

Dieses Webinar gibt einen Überblick über:
– Finanzierungsmöglichkeiten vor/während der Gründung (Gründungszuschuss,
Einstiegsgeld,  Gründercoaching usw.)
– klassische Finanzierungsmöglichkeiten (Bankdarlehen, Kontokorrentkredite usw.)
– öffentliche Förderprogramme (Zuschüsse, Darlehen, Risikoentlastungen,
Mikrofinanzierung  usw.)
– alternative Finanzierungsmöglichkeiten (Factoring, Venture Capital usw.)

Warum sind Sie beim 1. AGITANO-Gründertag mit dabei?

Seit rd. 20 Jahren berate ich u. a. ExistenzgründerInnen über Fördermöglichkeiten und begleite aktiv die Umsetzung von Finanzierungsstrategien. Mir ist eine umfassende Beratung über die Möglichkeiten des Einzelnen bezogen auf sein Vorhaben besonders wichtig. Zu oft ist eine gute Idee schon an fehlender oder unzureichender Finanzierung gescheitert.

Der Gründertag ist für mich ein Weg, mein Wissen und meine Erfahrungen als Impuls weiter zu geben, potenzielle Antragsteller zu informieren und in Teilbereichen  zu sensibilisieren.

-> Vielen Dank für das Interview. Mehr zum Thema „Her mit den Geld! Finanzierungsmöglichkeiten und Förderangebote für ExistenzgründerInnnen“ dann in Ihrem Vortrag am 1. AGITANO Gründertag am 27. November 2012 von 16:00 bis 17:00 Uhr.

(Das Interview führte Marc Brümmer, Radaktionsleiter AGITANO.)

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Das Programm des 1. AGITANO Gründertages:

09:00 bis 10:00 Uhr: Gut vorbereitet in die Selbständigkeit „Das Einmaleins für Gründer“ … mit Stanislav Gert, Gründer|rat.

10:00 bis 11:00 Uhr: Gründer-Coaching – schafft Chancen, Markt und ungeahnten Mehrwert für Gründer und Start-ups … mit Werner Arndt, Geschäftsführer, Wackstum GmbH.

11:00 bis 12:00 Uhr: Rechtliche Fallstricke beim Aufbau einer Unternehmenshomepage … mit Norbert Geyer, Rechtsanwalt und Partner, Röhl Dehm & Partner Rechtsanwälte.

14:00 bis 15:00 Uhr: Der eigenen Geschäftsidee mehr Stimme verleihen – Marketing und Kommunikation für Unternehmensgründer … mit Ulrich B Wagner, Geschäftsführer, Institut für Kommunikation, Coaching und Managementberatung.

15:00 bis 16:00 Uhr: Business-Plan als Erfolgsgarant … mit Gertrud Hansel, Inhaberin, Schule für Unternehmer.

16:00 bis 17:00 Uhr: Her mit den Geld! Finanzierungsmöglichkeiten und Förderangebote für ExistenzgründerInnnen … mit Gabriele Taphorn, Inhaberin, Fördermittel-Guide.

17:00 bis 18:00 Uhr: Einführung in das Unternehmenssteuerrecht … mit Dr. Katrin Dorn, Steuerberaterin.

-> Weitere Details zu dem Programm, den Referenten und den einzelnen Vorträgen sowie die Online-Anmeldung finden Sie hier. Die Vorträge werden live im Internet ausgestrahlt und stehen anschließend on demand zur freien Zeiteinteilung zur Verfügung. Alle sieben Vorträge sind kostenfrei.

Marc Brümmer

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