Gesundheit

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Interviewreihe (Teil 1)

Auf der Tagung “Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Wir machen es zum Thema!” wird heute, 29. Januar 2013, in Berlin der “Stressreport Deutschland 2012” der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vorgestellt. Jede zehnte Erkrankung hat inzwischen psychische Ursachen. Stress und Burnout verursachen jährliche Kosten von 53 Milliarden Euro für Behandlungskosten und die dadurch hervorgerufenen Produktionsausfälle. Zugleich fehlt es an Hilfs- und Präventionsangeboten.

Betriebliches Gesundheitsmanagement
Bild: HUMAN CAPITAL CARE

Betriebliches Gesundheitsmanagement vor allem in Hinblick auf psychische Belastungen wird zu einem immer wichtigeren Faktor und ist Thema der HUMAN CAPITAL CARE, Baden-Württembergs größter regionalen Fachmesse zum Thema Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung im Unternehmen, die am 8. und 9. Oktober 2013 zum zweiten Mal in Stuttgart stattfinden wird.

Interviewreihe zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement

AGITANO, Wirtschaftsforum für den Mittelstand, führte mit Michael Hoeckle, Messe-Veranstalter und Geschäftsführer der Eventus49 GmbH, eine mehrteilige Interviewreihe zum Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement im Personalbereich“. Im ersten Teil beantwortet Michael Hoeckle Fragen zu den Herausforderungen der Wirtschaft angesichts des Wandels in der Arbeitswelt und erklärt, warum ein betriebliches Gesundheitsmanagement heute so wichtig ist.

Wie wird sich der Personalmarkt in Deutschland entwickeln und wie sieht die Fachkräftesituation speziell im Mittelstand aus?

Michael Hoeckle
Quelle: Michael Hoeckle

Der deutsche Mittelstand wird der leidtragende Unternehmensteil der Änderungen im Personalmarkt sein. Als Technologie- und Know-how-Träger ist der Mittelstand extrem auf Fachkräfte angewiesen. Schon jetzt machen sich die Entwicklungen deutlich bemerkbar. Wir werden weniger und älter! Der Maschinenbau rekrutiert nach neuestem Trend Fachkräfte aus Spanien, um den Mangel schnell decken zu können. Es gibt nichts Schlimmeres als Wachstum durch Aufträge zu verzeichnen und diesen nicht mit den eigenen Kapazitäten decken zu können. Auch die langfristige Ausrichtung durch die unternehmenseigene Ausbildung wird zunehmend schwerer, denn selbst die qualifizierten Jugendlichen bleiben aus, bzw. gehen zu den namhaften und gut zahlenden Unternehmen. Der Mittelstand ist angesichts seiner Unternehmensgrößen in der ungeeigneten Situation, dass er auf der einen Seite die Änderungen sehr deutlich spürt und auf der anderen Seite die Kapazitäten für neue “Nebenprojekte” am Limit sind.

Warum wird Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in diesem Zusammenhang immer wichtiger?

BGM ist nicht nur eine geeignete Maßnahme, sich auf den Demographischen Wandel vorzubereiten, sondern es ist eine globale Methode, die Mitarbeiter leistungsfähig und motiviert zu halten. Ganzheitliches BGM ist nicht das Gießkannenprinzip von einzelnen gesundheitsfördernden Maßnahmen, sondern eine Führungskultur, die das Unternehmen gegenüber den Mitarbeitern als sozial verantwortungsvoll und persönlich positioniert. Es geht im Wesentlichen darum, mit festgelegten Zielsetzungen und den durch Analysen eingeleiteten Maßnahmen die Mitarbeiter gesund und leistungsfähig zu halten sowie ein Image für das Unternehmen aufzubauen, um als Arbeitgeber, Lieferant und Kunde attraktiv zu sein. Denn Mitarbeiter, die motivierter und produktiver sind, können auch viel Fehlendes kurzfristig auffangen und tragen die positive Einstellung nach außen. Ebenso werden die Mitarbeiter im höheren Alter deutlich besser und länger Ihr Know-how einbringen können.

Ist BGM falsch investiertes Geld für ein Unternehmen?

Nein, im Gegenteil. Jeder einzelne investierte Euro in das Gesundheitsmanagement kommt mehrfach zurück. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien, die dies belegen. Die Angaben schwanken zwischen 1:3 und 1:5. Studien der IGA (Initiative Gesunde Arbeit) hat hier schon mehrfach darüber berichtet. Die neueste Studie von der Bertelsmann Stiftung belegt die Tatsache eines Return on Invest erneut. Selbst Skeptiker müssen nach den Studien erkennen, dass selbst bei schlechten Prognosen das Gesamtergebnis noch immer positiv bleibt. Belegt werden diese Zahlen durch eine Vielzahlen an Unternehmen, die sich ohne Eigennutz den Studien angeschlossen und die Zahlen mit ermittelt haben.

Christoph Schroeder

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