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E-Liquids für E-Zigaretten: Voller Kot und Pestizide?

E-Zigaretten werden immer beliebter: Während der Umsatz von E-Zigaretten 2010 noch bei 5 Millionen Euro lag, stieg er 2017 auf 600 Millionen Euro. Aber eine kürzliche Meldung kann die Freude am Genussmittel vermiesen: Wie ein bekannter Privatsender berichtete, wurden in Proben bei E-Liquids Spuren von Fäkalien und Pestiziden nachgewiesen. Das bereitet nicht nur  überzeugten Dampfern Sorgen. Die Schlagzeile beunruhigt auch Raucher, die über den Umstieg von Zigaretten auf E-Zigaretten nachdenken. Doch was steckt dahinter? Und worauf sollten Sie bei E-Liquids achten?

Was Raucher von E-Zigaretten verunsichert

Die australische Studie, auf die sich der Privatsender bezieht, wurde im “Medical Journal of Australia” veröffentlicht. Ziel der Untersuchung war, den Einfluss von E-Zigaretten auf die Gesundheit zu testen. Dafür wählten Forscher verschiedene nikotinfreie E-Liquids aus und analysierten sie mit einem Gaschromatographen. Das Ergebnis: In sechs Proben wurden Spuren von Nikotin nachgewiesen, obwohl die Produkte als „nikotinfrei“ deklariert waren. Beunruhigend war allerdings, dass auch Spuren von Pestiziden und Fäkalien gefunden wurden. Das legt die Vermutung nahe, dass die untersuchten E-Liquids unter unhygienischen Bedingungen hergestellt wurden.

Die Studienergebnisse im Überblick

Damit Sie Klarheit zu der australischen Studie bekommen, haben wir die wichtigsten Erkenntnisse in einem Überblick zusammengefasst:

  • Sechs Proben von E-Liquids enthielten Nikotin.
  • In allen Proben wurde 2-Chlorophenol nachgewiesen (eine giftige Substanz, die beispielsweise in Pestiziden enthalten ist).
  • In sechs Proben wurden Verunreinigungen gefunden, die von menschlichen oder tierischen Exkrementen stammen könnten.
  • Etiketten von E-Liquids sind irreführend, weil nicht alle Inhaltsstoffe aufgeführt sind.

Diese Ergebnisse verunsichern nicht nur E-Zigaretten Fans. Auch Raucher, die über den Umstieg vom Glimmstängel auf E-Zigarette nachdenken und sich in einem Onlineshop wie beispielsweise Liquido24 informieren wollen, sind irritiert.

Wieso es Zweifel an der Seriosität der Studie gibt

Zweifellos verursachte diese ekelerregende Schlagzeile für einen erheblichen Presserummel. Das veranschaulicht nach Meinung des Online Magazins VAPERS.GURU lediglich, wie unkritisch heutzutage mit Nachrichten umgegangen wird. Auffällig ist tatsächlich, dass sich alle Meldungen zu diesem Thema weitestgehend ähneln. Das könnte daran liegen, dass der ursprüngliche Text in der Fachzeitschrift mit einer Paywall versehen ist. Wer eine sensationelle Neuigkeit veröffentlichen will, ohne für den Quellenartikel zu bezahlen, schreibt bei seinen Journalisten-Kollegen ab und verzichtet darauf, sich selbst ein Bild zu machen.

Die Kritikpunkte im Überblick

Das Online Magazin VAPERS.GURU überprüfte den veröffentlichten Studientext und fand eine Reihe kritikwürdiger Punkte. Diese sind im Überblick:

  • Die Auftraggeber sind staatliche Stellen und die australische Regierung lehnt E-Zigaretten strikt ab.
  • Ein Institut für Kinderheilkunde und kommerziell betriebenes Labor sind federführend.
  • Es gab eine eingeschränkte Auswahl von Proben.
  • Europäische Hersteller wurden nicht berücksichtigt.
  • Die gefundenen Nikotinwerte stellen keine ernsthafte Gefährdung für die Anwender dar.
  • Angebliche Pestizidrückstände könnten auch von Desinfektionsmitteln stammen.
  • Vermeintliche Rückstände von Urin oder Kot stammen möglicherweise ebenfalls aus anderen Quellen.

Auftraggeber der Studie waren das westaustralische Gesundheitsministerium, der staatliche Rat für nationale Gesundheit und medizinische Forschung sowie ein Institut für Kinderheilkunde. Da stellt sich die Frage: warum wurden Fachleute für Kindermedizin hierzu beauftragt? Das weckt Zweifel und verstärkt einen Verdacht: die Untersuchung von E-Liquids könnte politisch motiviert sein. Denn die australische Regierung lehnt E-Zigaretten strikt ab.

Fachleute kritisieren außerdem, dass die wenig repräsentative Untersuchung als Studie veröffentlicht wurde. Analysen von Produktproben mit Hilfe des Gaschromatographen werden weltweit täglich als Routineuntersuchungen durchgeführt. Zu bemängeln ist gleichfalls die Auswahl der untersuchten E-Liquids. Von zwei der Proben ist die Herkunft des Produkts nicht bekannt. Alle anderen stammen aus den USA oder aus China. Europäische Produkte blieben bei der Analyse außen vor. Um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, wäre ein deutlich größerer Probenumfang erforderlich.

Wie wird die Qualität von E-Liquids hierzulande gesichert und kontrolliert?

Wer in Deutschland lebt, vertraut in der Regel auf eins: dass die vom Handel angebotenen Produkte sicher sind. Angesichts der ekelerregenden Schlagzeile fragt sich vermutlich mancher, ob er sich wegen der E-Liquid-Qualität sorgen müsse.

Der deutsche Gesetzgeber macht bisher einen Unterschied zwischen nikotinhaltigen und -freien E-Liquids. Für nikotinhaltige E-Liquids gelten strenge gesetzliche Vorschriften. Seit 2016 sind die Hersteller verpflichtet, für jedes Produkt die Nikotindosierung in Milligramm pro Milliliter anzugeben. Maximal sind Nikotindosierungen von 20 Gramm pro Milliliter zulässig. Um eine Zulassung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu bekommen, müssen die E-Liquid-Hersteller das Gutachten eines anerkannten Labors vorweisen. Diese Labore untersuchen die E-Liquids mit wissenschaftlichen Methoden auf verschiedene Aspekte. Dazu zählen Reinheit, Vorhandensein erbgutschädigender Inhaltsstoffe und Schadstoffabgabe.

Anders sieht das bei nikotinfreien E-Liquids aus. Für diese Produkte gelten diese gesetzlichen Regelungen bisher nicht. Darum ist es möglich, dass nikotinfreie E-Liquids auch in größeren Gebindegrößen (meist 60 oder 120 Milliliter) verkauft werden dürfen. Es ist zwar abzusehen, dass sich das in absehbarer Zukunft ändern wird. Denn das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeiten bereits an Richtlinien. Allerdings wird es frühestens 2020 ein Gütesiegel für E-Liquids geben.

Fazit: Augen auf bei E-Liquids!

Welche Schlussfolgerungen sollten nun Dampfer ziehen? In Deutschland sind die Vorschriften für die E-Liquids Herstellung sehr streng. Die Qualität importierter E-Liquids wird ebenfalls regelmäßig überprüft. Diese stichprobenartig durchgeführten Kontrollen existieren längst. Doch es kann nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass verunreinigte Produkte in deutschen Shops auftauchen könnten. Wer kein Risiko eingehen will, sollte einige Grundregeln beim Kauf von E-Liquids beachten:

  • Prüfen Sie vor jedem Kauf, ob Hersteller und Händler vertrauenswürdig sind.
  • Das entscheidende Auswahlkriterium sollte die Qualität sein, nicht der Preis.
  • 10 ml E-Liquids sind sicherer, weil die gesetzlichen Vorschriften bei diesen Gebinden besonders streng sind.
  • Meiden Sie Billigware aus dem Ausland.

Mit diesen vier Tipps verringern Sie die Gefahr, auf unseriöse Anbieter hereinzufallen. Nehmen Sie sich in jedem Fall genügend Zeit, um sich über verschiedene Angebote zu E-Liquids und E-Zigaretten zu informieren.

Karin Kreuzer

Ein Kommentar zu “E-Liquids für E-Zigaretten: Voller Kot und Pestizide?

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