Finanzen

Finanzierungsleasing – leicht verständlich erklärt

Flugzeug üer großen Bürogebäude-Hochhäusern vor wolkigem Himmel

Leasing hat sich seit seiner Einführung vor mehr als fünf Jahrzehnten sowohl in der Wirtschaft als auch in vielen Privatbereichen fest etabliert. Von Fahrzeugen und Maschinen über IT-Equipment und Software bis hin zu Gewerbeimmobilien und Kraftwerken: Es gibt Möglichkeiten zur Finanzierung verschiedenster Objekte. Finanzierungsleasing wird unter anderem häufig genutzt von Gewerbekunden, kleinen und mittleren Unternehmen sowie große Mittelständler. In erster Linie nutzen Unternehmen das Finanzierungsleasing für Investitionen im Hinblick auf Ausstattungs- oder Betriebserweiterungen. Doch wie genau funktioniert Finanzierungsleasing und welche Varianten gibt es?

Was versteht man unter dem Begriff Finanzierungsleasing?

Leasing ist eine Sonderform der entgeltlichen Überlassung von Wirtschaftsgütern. Je nach vertraglicher Gestaltung wird unterschieden in

  • Operating Leasing
  • Spezialleasing
  • Finanzierungsleasing.

Bei der letzten Variante überlässt der Leasinggeber dem Leasingnehmer das Objekt zu einer festen Rate für eine bestimmte, unkündbare Grundmietzeit. Objektbezogene Risiken, darunter Diebstahl und Zerstörung, trägt der Leasingnehmer. In der Regel erfolgt eine Anzahlung, häufig wird auch eine höhere erste Leasingrate festgelegt.

Funktionsweise des Finanzierungsleasings

Der Abschluss eines entsprechenden Leasingvertrages erfolgt in mehreren Schritten:

  • Unternehmen wählen das jeweilige zu finanzierende Objekt individuell aus. Dabei kann es sich beispielsweise um Wirtschaftsgüter zur Ausstattungs- oder Betriebserweiterung handeln.
  • Die Beschaffung und Finanzierung der gewünschten Wirtschaftsgüter erfolgt durch den Leasinggeber. Dieser überlässt sie dem Leasingnehmer zur entgeltlichen Nutzung. Auch das nachträgliche Leasing eines bereits erworbenen Gutes ist möglich. Hierfür steht als Alternative das sogenannte Sale and lease back-Prinzip zur Verfügung.
  • Über das Finanzierungsleasing wird ein Vertrag abgeschlossen. Darin sind alle Rahmenbedingungen wie Nutzungsdauer- und entgelt geregelt. Darüber hinaus wird festgesetzt, ob das geleaste Objekt mit Vertragsende erworben werden soll oder zurückgegeben wird. Außerdem besteht die Möglichkeit, Serviceleistungen zu integrieren. Geläufige Beispiele hierfür sind etwa regelmäßige Wartungen oder Versicherungen.
  • Gegen Zahlung der vereinbarten Monatsraten steht dem Leasingnehmer das Wirtschaftsgut zum Gebrauch bereit. Er hat die Wahl zwischen gleichbleibenden oder flexiblen Raten. Diese können sich an den Einnahmen (Pay-as-you-earn) oder der Nutzung (Pay-per-use) orientieren.

Nach Ende des Vertrags zum Finanzierungsleasing

Wenn die vereinbarte Nutzungsdauer ausläuft, gibt es verschiedene Optionen zum weiteren Vorgehen. Zum einen besteht die Möglichkeit, das Gut zurückzugeben und im Anschluss ein neues, aktuelles Objekt zu leasen. Zum anderen kann der Leasingnehmer das Leasingobjekt gegen Zahlung des Restwertes erwerben – oder auch dasselbe Wirtschaftsgut weiterhin leasen.

Finanzierungsleasing zur Unternehmensexpansion nutzen

Das stetige Wachstum eines Unternehmens ist letztendlich ein Zeichen für den dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg. Insofern sind Expansionen wichtig, jedoch nicht völlig risikofrei. Teilweise können Betriebe dabei an ihre finanziellen sowie administrativen Grenzen gelangen. Das Finanzierungsleasing ist also auch für die Realisierung eines Expansionsvorhaben interessant – besonders im Hinblick darauf, dass nur wenigen Unternehmern ausreichend firmeneigene Rücklagen zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu einem klassischen Kredit bietet das Finanzierungsleasing einen wichtigen Vorteil, denn bei dieser Darlehensvariante liegen alle administrativen Herausforderungen, die mit den Anschaffungen einhergehen, allein in der Hand des Kreditnehmers.

Finanzierungsleasing für die langfristige Planung

Im Vergleich zum Operating Leasing zielt das Finanzierungsleasing auf eine langfristige geschäftliche Beziehung ab. So wird der Leasingvertrag in der Regel von Vornherein über einen längeren Zeitraum abgeschlossen. Grundsätzlich werden die geleasten Objekte – unabhängig davon, ob es sich um Transportfahrzeuge, Produktionsmaschinen oder anderes handelt – nicht nacheinander an zahlreiche verschiedene Leasingnehmer vergeben. Vielmehr nutzt ein einziges Unternehmen das Wirtschaftsgut, und während des Finanzierungsleasings wird ein großer Teil des Objektwertes ratenweise abbezahlt.

Pay-per-use Finanzierungsleasing

Spezialisierte Unternehmen wie zum Beispiel die Deutsche Leasing bietet unterschiedliche Finanzierungsarten an, darunter das bereits oben erwähnte Pay-per-use. Dabei findet eine innovative Anwendung digitaler Technik im Finanzdienstleistungssektor Anwendung, die mit folgenden Eigenschaften aufwartet:

  • Basis der Berechnung ist die exakte Messung der Zeit, in der der Leasingnehmer das Objekt verwendet hat.
  • Die Ratenzahlung erfolgt im vereinbarten Rahmen des Finanzierungsleasings. Insofern richtet sich die Höhe der Zahlung nach der Auftragslage des Unternehmens. Dies bedeutet für Leasingnehmer eine höhere Flexibilität und das Konzept lässt sich besser mit der individuellen Liquidität eines Betriebes vereinen.
  • Die Einbindung des Anbieters in die jeweilige Unternehmung ist deutlich stärker als bei einer Geschäftsbeziehung mit einem traditionellen Kreditgeber. Der Fokus liegt vermehrt auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit und nicht ausschließlich auf Raten- sowie Zinszahlungen.

Finanzierungsleasing in Form von Voll- oder Teilamortisation

Im Grunde hat ein Unternehmen beim Finanzierungsleasing die Wahl zwischen den Abschlussoptionen eines Voll- oder eines Teilamortisationsvertrages.

Vollamortisation

Sowohl die Anschaffungs- als auch Neben- und Finanzierungskosten amortisieren sich für den Leasinggeber während der Grundmietzeit. Entscheidet sich der Leasingnehmer für einen Vertragsabschluss ohne Kaufoption, muss das Objekt der Leasinggesellschaft zugeordnet werden, wenn die Grundmietzeit zwischen 40 und 90 Prozent der Nutzungszeit beträgt. Gleiches gilt im Fall der Vereinbarung einer Kaufoption, jedoch wird zusätzlich der Kaufpreis hinzugezogen. Dieser darf den Buchwert, der durch die lineare Abschreibungsmethode ermittelt wird, zum Veräußerungszeitpunkt nicht unterschreiten.

Teilamortisation

Schließen Unternehmen ein Finanzierungsleasing mit Teilamortisation ab, sind die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut mit Ablauf der Grundmietzeit noch nicht amortisiert. Im Fall der Vereinbarung eines Andienungsrechts seitens des Leasinggebers wird diesem das Objekt zugerechnet. Wurde hingegen eine Veräußerung desselben nach Grundmietzeitende festgelegt, wird es dem Leasingnehmer zugeschrieben, wenn er über 75 Prozent des Mehrerlöses erhält. Eine weitere Variante ist der Abschluss eines kündbaren Vertrages mit der Option, den Veräußerungserlös auf die Endzahlung des Leasingnehmers anzurechnen. Die Zurechnung des Gutes erfolgt dann gegenüber dem Leasinggeber.

Operate Leasing und Finanzierungsleasing – wo liegt der Unterschied?

Finanzierungsleasing ist im Gegensatz zum Operate Leasing mittel- bis langfristig angelegt. Hauptunterschied ist die Kündigungsmöglichkeit während der vereinbarten Grundmietzeit – bei ersterem gibt es diese nicht. Erfahrungsgemäß bezwecken die meisten Unternehmen mit dem Finanzierungsleasing den Eigentumserwerb eines Wirtschaftsgutes (Vollamortisation).

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und der häufig männlich verwendeten Begriffe wie Leasinggeber und -nehmer wurde in diesem Beitrag die generisch männliche Formulierungsform verwendet.

Beate Greisel

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