Klima & Umwelt

Frau Merkel und Herr Gabriel, worauf warten Sie?

Anlässlich des nächste Woche in New York stattfindenden UN-Sondergipfels zum Klimaschutz fragt sich Franz Alt in seinem wöchentlichen Kommentar, warum Angela Merkel ihre Vorreiterrolle im globalen Kampf gegen den Klimawandel aufgegeben hat. Deutschland verfehlt seine Klimaziele, Merkel wird den Sondergipfel nicht einmal besuchen. Warum nur?

 

Klimaschutz
Die Gletscher schmelzen fünfmal schneller, als vor zehn Jahren erwartet. (Bild: Dörthe Huth / pixelio.de)

Deutschland unter Merkel: Vom Vorreiter zum Bremser

Es ist gerade einmal sieben Jahre her, dass die Bundeskanzlerin mit ihrem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel nach Grönland flog, sich mit roter Jacke vor schmelzenden Gletschern fotografieren und weltweit als „Klima-Queen“ feiern ließ. Angela Merkel: „Die Klimafrage ist die Überlebensfrage der Menschheit.“Und heute? Wo stehen Merkel und Gabriel beim Klimaschutz?

Die Gletscher schmelzen fünfmal schneller als sie es vor zehn Jahren erwartet haben, erklären uns in diesen Tagen Gletscherforscher in Grönland. Die Welt emittiert 30 Prozent mehr Treibhausgase als noch 2007. Die Extremwetter nehmen zu – auch in Europa. Das Klima ändert sich dramatisch. Es ist global wärmer als je zuvor in den letzten 800.000 Jahren. Aber für die heute in Deutschland Regierenden ist Klimaschutz zum Lippenbekenntnis geworden.

Nächste Woche findet in New York ein Klima-Sondergipfel der UNO statt. Die Bundeskanzlerin fährt nicht mal hin. Der Bundeswirtschaftsminister bremst die Energiewende anstatt sie zu beschleunigen. Deutschland, Jahre lang Vorreiter, verfehlt inzwischen seine Klimaschutzziele. Fatale Signale aus Berlin!

Können wir uns Klimaschutz überhaupt leisten?

Es reicht nicht, zu erklären, dass ab 2015, wenn Deutschland die G7-Präsidentschaft innehat, alles besser werde. Wer will, dass es 2015 ein Nachfolge-Protokoll für das Kyoto-Abkommen geben soll, wer will, dass das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht wird, wer will, dass sich 190 Staaten doch noch doch zu wirksamem Klimaschutz durchringen, darf jetzt nicht abseits stehen, sondern muss führen und nicht denen das Tempo überlassen, die schon immer gebremst haben.

Mit der Natur kann man nicht verhandeln, hat die Umweltministern Barbara Hendriks in diesen Tagen gesagt. Intelligenter Klimaschutz schützt nicht nur das Klima, sondern schafft Arbeitsplätze, eröffnet für Deutschland Exportchancen, bringt Wettbewerbsvorteile und schafft Wachstum an der richtigen Stelle.

Klimaschutz ist nicht nur Umweltpolitik, sondern ein Gewinn für alle. Frau Merkel und Herr Gabriel, worauf warten Sie?

Quelle: © Franz Alt 2014

 

Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz Alt (© Bild: privat)

Über Dr. Franz Alt

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war 20 Jahre Leiter und Moderator von „Report Baden-Baden“, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem „Europäischen Solarpreis für Publizistik“ ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Regierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt.

Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com.

Katja Heumader

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.