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„Gedanken bestimmen die innere Einstellung – und die können Sie steuern“ – Antje Heimsoeth im Interview

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Antje Heimsoeth ist Speakerin und Business-Coach. (Bild: © Oana Szekely)

Unsere innere Einstellung ist zu einem großen Teil verantwortlich dafür, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Die innere Einstellung ist Produkt unserer Gedanken – und die können wir aktiv steuern. Wir haben selbst in der Hand, ob wir aus Niederlagen für die Zukunft lernen oder ob wir uns in eine Negativspirale hineinsteigern. Wir beeinflussen selbst, ob wir Lampenfieber als Coaching sehen oder uns davon lähmen lassen. Im AGITANO-Interview erklärt Business-Coach und Top-Speakerin Antje Heimsoeth, wie wir mit positiver Psychologie unsere innere Einstellung aktiv verändern können.

Unter dem Titel „Mentale Stärke als Basis für einen gelungenen Perspektivenwechsel: Erfolg beginnt im Kopf – die Einstellung macht’s!“ hält Antje Heimsoeth auf der GSA Convention 2015 am Freitag, 11. September 2015 von 16.30 Uhr bis 17.15 Uhr einen Workshop.

 

„Eine positive innere Einstellung sorgt für Wohlbefinden und Erfolg“

Hallo Frau Heimsoeth, warum ist die innere Einstellung so entscheidend für den Erfolg?

„Ihr Kopf ist in mehrfacher Hinsicht Chefsache: Läuft etwas schief, müssen Sie Ihren Kopf ,hinhalten’. Er ist gleichzeitig Steuerzentrale für Ihr eigenes Handeln und für den Umgang mit Ihren Mitarbeitern. Die meisten Menschen denken gar nicht über ihre innere Einstellung und Haltung, ihren Kopf und das, was zwischen den Ohren abgespeichert ist, nach. Ihre Gedanken und Gefühle sind Teil Ihrer inneren Haltung. Ihre innere Haltung spielt, neben anderen Faktoren, eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Zielen und für den Erfolg. ,Erfolg ist, was erfolgt’, so formulierte es ein kluger Mensch. Ihre innere Haltung ist der Kompass, der Ihren Weg bestimmt. Die innere Haltung gibt uns Orientierung und Stabilität im Leben. Sie ist der Ursprung unseres Handelns, Denkens und Fühlens.“ – so habe ich es in meinem aktuellen Buch „Chefsache Kopf. Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Führungskompetenz“, das dieses Jahr im Springer-Verlag erschienen ist, beschrieben.

Wie kann ich meine innere Einstellung ändern? Das läuft doch meist unbewusst ab, oder?

Die neurowissenschaftlichen Befunde zeigen es: Gedanken und Emotionen verändern die Struktur unseres Gehirns. Wir müssen nicht zu Opfern unseres Gehirns werden, wir können sein Gestalter sein. Die Macht der Gedanken wird noch immer sehr unterschätzt. Doch unsere Gedanken und unsere innere Einstellung wirken vielfach als sich selbst selbsterfüllende Prophezeiungen. Wie oft haben Sie schon etwas, das Ihnen sehr wichtig war, gar nicht erst versucht, weil Sie Angst hatten, zu scheitern? Wenn Sie sich nicht überwinden können, haben Sie auch nichts zu erwarten. Wenn Sie von etwas als Führungskraft nicht überzeugt sind, wie wollen Sie andere (Kunden, Mitarbeiter) überzeugen? Unmöglich. Wenn Sie es nicht versuchen, dann bleiben Sie auch genau dort, wo Sie sind. Wenn Sie es versuchen, haben Sie eine ausgesprochen reelle Chance auf Erfolg. Und werden sich großartig fühlen.

Negative Gedanken sind bei vielen von uns allgegenwärtig, häufig auch unbewusst. Über die Medien konsumieren wir oft den ganzen Tag schlechte Nachrichten. Hören Sie auf, Ihren Kopf mit diesem „Müll“ vollzustopfen. Unterhalten Sie sich nicht die ganze Zeit über eigene Fehler und die Fehler Ihrer Kollegen und Mitarbeiter. Sprechen Sie lieber über Erfolge, dann wird sich auch Ihre innere Einstellung ändern.

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Think positive: Ist die innere Einstellung positiv, dann ist das schon die halbe Miete. (Bild: © Oana Szekely)

Während eines Kongresses zur Positiven Psychologie sah ich einen Film darüber, was Menschen glücklich macht. Im Anschluss unterhielt ich mich mit einem Bekannten über den Film und erzählte ihm, dass Menschen nicht viel Geld glücklich mache, sondern Mitgefühl, Freunde, Großfamilie, Gutes tun, Sport, innere und äußere Bewegung. Mein Gegenüber antwortete: „Weißt du, unglücklich machen mich Dinge wie ,in der Luft hängen’, ,käufliche Werte und Illusionen.’“ Daraufhin ich: „Ich rede nicht übers Unglücklichsein. Ich rede darüber, was mich und andere Menschen glücklich macht.“ Die Perspektive, die innere Haltung sind entscheidend für unsere Wahrnehmung. Das können wir aktiv beeinflussen, indem wir unsere Gedanken beeinflussen: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen nach einem langen grauen Winter am ersten schönen Frühlingstag des Jahres auf einer Berghütte, vielleicht in Begleitung von Freunden oder Familie. Der Himmel ist strahlend blau, der erste Tag seit langem ohne Nebel, und Sie sitzen in der Sonne. Gewähren Sie einer negativen Haltung die Oberhand, dann unterhalten Sie sich mit Ihren Begleitern darüber, wie schlecht der Staat bestimmte Dinge regelt, wie sehr Sie Ihr Job manchmal nervt, warum die Bedienung nicht schneller an Ihrem Tisch ist und die Speisekarte nicht genau das zu bieten hat, was Sie sich wünschen. Oder Sie betrachten die Situation grundsätzlich positiv: Sie genießen den wunderschönen Blick ins Tal, freuen sich darüber, dass Sie so gesund sind, dass Sie auf den Berg gehen konnten, dass Sie Zeit mit lieben Menschen verbringen können, die Ihnen wichtig sind und dass die Sonne Ihre Haut erwärmt nach einem langen grauen Winter.

Menschen in Führungspositionen müssen immer wieder vor Publikum sprechen und Präsentationen halten. Was, wenn ich unter Lampenfieber und Auftrittsangst leide?

Akzeptieren Sie, dass Sie Lampenfieber haben. Lassen Sie es zu. Ändern Sie Ihre innere Einstellung zum Lampenfieber, denn was stellt das Lampenfieber sicher? Lampenfieber führt dazu, dass ich mich akribisch vorbereite und konzentrierter bei der Sache bin. Oft ist es ja so, dass unsere Zuhörer unser Lampenfieber gar nicht wahrgenommen haben. Bereiten Sie sich wirklich gut vor, denn eine sehr gute Vorbereitung reduziert das Lampenfieber. Eine positive innere Haltung macht das Lampenfieber erträglicher.

Suchen Sie sich im Publikum freundliche, aufmunternde, lächelnde Gesichter statt in griesgrämige oder gelangweilte Gesichter zu schauen. Solche Gesichter sind ansteckend.

Gegen Lampenfieber helfen Techniken wie wingwave®, Klopftechniken (EFT), tiefe Bauchatmung, Visualisierung von Ruhebildern (Kopfkino, z.B. Spaziergang in den Bergen oder am Strand, auf dem Steg am See frühmorgens sitzen), Thymusdrüse klopfen und eine Affirmation (positives Selbstgespräch) sprechen, Musik hören, Entspannungsübungen oder sich von einem Mental Coach coachen zu lassen.

Wer einmal gescheitert ist, den plagt oft lähmende Angst. Wie kann man aus Niederlagen Kraft ziehen?

Nach Niederlagen enttäuscht zu sein, ist okay. Die damit einhergehenden Gefühle brauchen in diesem Moment Raum. Um Enttäuschung zu verarbeiten, helfen Gespräche mit Vertrauenspersonen, wo Sie offen Schwächen zeigen können und Ihr Wert als Mensch, unabhängig von der Sache, unangefochten bleibt. Hier können Sie Ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Aber danach gilt es, den Misserfolg zu akzeptieren. Um Ihre Niederlage gewinnbringend zu verarbeiten, ist Akzeptanz Voraussetzung. Klagen, jammern und „Was wäre …, wenn…“-Fragen bringen Sie nicht weiter. Akzeptieren Sie, dass Ihre Performance nicht optimal war. Nehmen Sie sich Zeit genug, um negative Stressgefühle abzubauen, z. B. durch körperliche Betätigung wie Walken oder Joggen, Musik machen oder hören, in den Wald gehen und schreien, einen Wut-Ball drücken, ein gutes Essen mit Freunden oder ähnliches. Das macht Ihren Kopf frei für eine klare Analyse.

Richten Sie bei Ihrer (schriftlichen) Analyse den Fokus nicht allein auf Schwächen und Defizite:

  • Was waren Faktoren für den Misserfolg?
  • Was lief gut? Welche Stärken kamen zum Tragen?
  • Was kann ich daraus lernen?
  • Was und wie lässt es sich beim nächsten Mal besser machen?
  • Was lässt sich verändern?

Wichtig: Bei Ihren Schlussfolgerungen helfen kein „ich muss“ oder „die anderen müssen“. Ebenso wenig nützt es Ihnen, sich und andere global abzuwerten („ich bin ein Versager“, „der andere taugt nichts“) oder zu katastrophisieren („es wäre absolut schrecklich, wenn…“).

Und schließlich gilt das dritte A, nämlich Abhaken! Lassen Sie die Vergangenheit hinter sich, Sie können sie nicht mehr ändern. Richten Sie Ihre innere Einstellung nach vorn! Verbannen Sie nach der Analyse Gedanken daran aus dem Kopf, sonst blockieren Sie sich beim zukünftigen Handeln.

Was können die Teilnehmer in ihrem Workshop auf der GSA Convention 2015 lernen?

Wer erfolgreich auf der Bühne stehen will braucht ein gutes Selbstmanagement, Disziplin in der Vorbereitung und Selbstvertrauen. Nur, wer sich selbst gut führt, körperlich wie mental, kann auch erfolgreich auf der Bühne stehen und Menschen inspirieren. Nur wer sich selbst vertraut und an sich glaubt, dem vertrauen auch Zuhörer und Teilnehmer.

Fazit: Die innere Einstellung prägt unser Handeln, Denken und Fühlen und machen den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern. Ich zeige den Teilnehmern auf, wie wir unser Unterbewusstsein dirigieren und unseren inneren Dialog nutzen können. Sämtliche mentalen Techniken und Übungen sind praxisorientiert und einfach nachzuvollziehen. Ich widme mich im Vortrag dem Umgang mit Auftrittsangst und erkläre, wie sich aus Niederlagen spätere Erfolge generieren lassen. Die Rolle von Ressourcen und Ritualen findet ebenso Berücksichtigung wie die Macht positiver Bilder. Zudem fließen in meine Betrachtungen aktuelle Studienergebnisse und Beispiele bekannter Spitzensportler ein. Ein Vortrag mit Olympiafaktor: Go for Gold!

Liebe Frau Heimsoeth, herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß auf der GSA-Convention!

Das Interview führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

Hinweis der Redaktion

Die GSA Convention 2015 findet von 10. bis 12. September in München statt.

Wenn Sie an der GSA Convention 2015 (10. bis 12. September in München) teilnehmen möchten, können Sie sich unter http://www.germanspeakers.org/convention-anmeldung.html anmelden.

Sie wollen als Aussteller auf der GSA Convention 2015 dabei sein? Weitere Informationen dazu finden Sie unter http://www.germanspeakers.org/convention-aussteller-2015.html.

 

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Bild: © Antje Heimsoeth

Über Antje Heimsoeth

Antje Heimsoeth, Diplom Ing. (FH) ist Expertin für Selbstführung, Mentale Stärke und Motivation. Als Business und Mental Coach hilft sie Spitzensportlern wie Managern dabei, ihr volles Potenzial zu erschließen – und das weltweit. Seit 2003 führt Antje Heimsoeth ihr Institut, die SportNLPAcademy® und Leadership Academy. Die Bestsellerautorin zählt zu den 100 besten Rednern im deutschsprachigen Raum und wurde als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Mehr über Antje Heimsoeth und ihre Tätigkeit erfahren Sie unter www.antje-heimsoeth.com und www.business-mentaltrainer.eu.

Katja Heumader

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