Interviews

Freya Oehle im Interview: “Für die Generation Y ist Arbeit eine Quelle der Zufriedenheit”

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Freya Oehle ist mittlerweile eine gefragte Beraterin in Sachen Talentmanagement. (Bild: © Hypovereinsbank)

Die Generation Y – gibt es sie wirklich? Und wenn ja: Was will sie? Diese Frage haben wir Freya Oehle, der Gründerin von Spottster gestellt. Sie ist der Meinung: Ja, die Generation Y gibt es, denn ihre Arbeitseinstellung unterscheidet sich fundamental von der vorheriger Generationen – auch wenn sie mit dem Begriff Generation Y wegen der damit verbunden Assoziationen nicht ganz glücklich ist. Oehle selbst gehört zur Generation Y und ist mit nur 25 Jahren eine gefragte Beraterin in Sachen Talentmanagement geworden.

Auf der Zukunft Personal 2015 hält Freya Oehle am 17. September um 9.30 Uhr eine Keynote zum Thema „Jung, selbstbestimmt und unverschämt produktiv: Wie Start-ups Nachwuchstalente für sich gewinnen“.

Hinweis der Redaktion: Für unsere AGITANO-Leser haben wir Freikarten. Hier können Sie sich diese “abholen”: Zukunft Personal – Größte Personalfachmesse in Europa – 15.-17.09.2015 (siehe Anmeldeformular am Ende des Beitrages).

 

“Die Generation Y fordert viel von sich selbst”

Hallo Frau Oehle. Gibt es die Generation Y wirklich – oder ist das nur ein Medien-Buzz-Word? Schließlich ist es doch gewagt, eine ganze Generation in eine Schublade zu schmeißen, oder?

Globale Aussagen sind immer schwierig, daher würde ich die Aussage immer unter den Vorbehalt möglicher Ausnahmen stellen. Allerding glaube ich schon, dass sich die heutige Generation von Berufseinstiegern deutlich von ihren Vorgängern unterscheidet und unter einem Begriff zusammengefasst werden kann.

Dabei tue ich mich zumeist mit dem Begriff Generation Y schwer, da er in vielen Fällen, gerade von den älteren Generationen, vollends falsch verstanden wird. Nämlich als Generation, die aufgrund von Bequemlichkeit und einem zugrundeliegenden Wohlstandslevel nach etwas Höherem strebt und harte Arbeit ablehnt oder meidet. Dabei ist das Gegenteil der Fall.

In meinen Augen ist die heutige Generation Y um einiges leistungsbereiter als ihre Vorgänger. Sie reibt sich oft an vorschriftsmäßigen Arbeitszeiten durch Tarifverträge auf, statt sich daran zu erfreuen. Die Generation Y trennt ihre Arbeit nicht mehr so stark vom Privatleben. Vielmehr ist die Arbeit für die Generation Y oft eine Quelle der Zufriedenheit, aus der sie auch privat schöpft. Die Berufseinsteiger von heute sind willens, bis spät in die Nacht zu arbeiten, wenn denn die Arbeit an sich zielgerichtet und sinnvoll ist. Sie wägen zwar sehr genau ab, ob die Arbeit notwendig ist. Wenn dies aber der Fall ist, dann nehmen sie sie sehr strebsam auf und perfektionieren sie mit einem ungekannt hohen Maß an Zufriedenheit, das von Gehalt und Status unabhängig ist. Man hat dabei nicht mehr primär vor dem Arbeitgeber Erfüllungspflicht, sondern vor dem eigenen Anspruch. Das heißt, die Generation Y geht sehr viel härter mit sich selbst ins Gericht als ihre Vorgänger und fordert daher auch mehr von sich selbst.

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Das Gründerteam von Spottster: Freya Oehle und Tobias Kempkensteffen. (Bild: © Freya Oehle)

Sie selbst haben sich gegen den Berufseinstieg bei einer Bank oder einem Finanzdienstleister entschieden und stattdessen spottster.com gegründet. Warum?

Witzigerweise hatte dieser sehr optimistische Schritt bei mir primär mit Ernüchterung zu tun. Ich habe während meines BWL Studiums die typischen Stationen in Investment Bank und Beratung durchlaufen. Trotz der Tatsache, dass diese als die Top-Karriere Schauplätze für BWLer gelten, musste ich allerdings sehr bald feststellen, dass die Arbeit zumeist keinen konkreten Output außer Excel Sheets hat, die Ergebnisverantwortung zumeist auf den Kunden abgewälzt wird, man zwar lange und bis spät in die Nacht arbeitet, die Arbeit aber primär mechanischer Natur ist und nicht viel mit Einfallsreichtum und großer intellektueller Beanspruchung zu tun hat.

Vor diesen Stationen allerdings, war ich in der produzierenden Industrie tätig, wo es sichtbare und fassbare Ergebnisse gibt und der Unternehmer vollständig zur Rechenschaft gezogen wird, wenn etwas nicht funktioniert. Dementsprechend war die Unternehmensgründung für mich der einzig logische Schritt.

Sie sind mittlerweile eine gefragte Beraterin in Sachen Talentmanagement und Employer Branding geworden. Was raten Sie Unternehmen, die Mitarbeiter finden und binden wollen?

Die häufigste Antwort auf unsere Frage „Warum möchtest Du bei uns arbeiten?“, trotz Budget-Restriktion und dem Ausbleiben von Annehmlichkeiten wie Dienstwagen, Kantine etc. ist immer wieder der Satz: „Weil man hier in kürzester Zeit richtig was machen kann“.

Alteingesessene Unternehmen müssen gerade diesen Schaffensdrang in ihrer Personalpolitik berücksichtigen, da Arbeitsergebnisse, Freiheiten in der Umsetzung und schnelle, von der Hierarchie unabhängige Eigenständigkeit und Verantwortung von der heutigen Generation Y implizit mit in die Vergütung eingerechnet werden und eine höhere Anziehungskraft entwickelt haben als der schnöde Mammon.

Das bedeutet, man muss den Menschen klar vor Augen führen, was ihr Einfluss auf den Firmenerfolg ist, nicht wie sich die einzelne Tätigkeit zusammensetzt. Zudem muss man endlich mal über seinen Schatten springen und den Karriereaufstieg vom Alter und der Betriebszugehörigkeit einer Person lösen.
Die Generation Y, vor der Unternehmen derzeit stehen, ist leistungswillig und strebsam – etwas, was sie früher immer wollten und jetzt kaum verstehen.

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Bei Spottster zählt der Spaß an der Arbeit. (Bild: © Freya Oehle)

Können umgekehrt StartUps auch noch etwas von alteingesessenen Unternehmen und Betrieben in Sachen HR-Management lernen?

Auf jeden Fall! StartUps entstehen zumeist mit dem Grundsatz der Improvisation, was in den Anfangstagen, wo der Ausgang unklar ist, auch mehr als vernünftig und nachvollziehbar ist. Doch sobald ein StartUp wächst, braucht ein StartUp, wie jedes Unternehmen, solide Strukturen und Prozesse, um Ordnung in die gesteigerte Größe des Teams zu bringen und effizienzsteigernde Routinen aufzubauen.

Diesen Sprung schaffen StartUps nur mit sehr viel Mühe, wobei alteingesessene Unternehmen gerade an diesen Punkten, wenn es um Arbeitsorganisation, langfristige Personalbindung, vorsorgende Leistungspläne etc. geht, enormen Input liefern könnten, um den jungen Unternehmen unter die Arme greifen zu können.

Was macht ein „cooles“ Unternehmen aus?

Das hierarchie-unabhängige Team-Verständnis, die Offenheit für Innovationen durch alle Team-Mitglieder und die Anzahl an Tagen, an denen im Büro gelacht wird.

Liebe Frau Oehle, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und neue Erkenntnisse auf der Zukunft Personal!

Das Interview führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

 

Hinweis der Redaktion

Die Zukunft Personal findet von 15. bis 17. September in der koelnmesse (Hallen 2.1, 2.2, 3.1 und 3.2) jeweils von 9 bis 17.30 Uhr statt. Auch unser AGITANO-Team ist vor Ort: Halle 2.1, Stand 34.B, bei FOMACO.

 

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Spottster-Gründerin Freya Oehle (Bild: © Patrick Sun)

Über Freya Oehle

Im Alter von 23 Jahren gründete Freya Oehle den Online Merkzettel spottster.com, der Nutzer über Preisfälle bei gewünschten Produkten informiert. Die Gründung erfolgte dabei direkt im Anschluss an ihren Master in Finance & Accounting, wobei Oehle mehrere Einstiegsangebote von Finanzberatungen und Investmentbanken ausschlug. Heute leitet Oehle zusammen mit ihrem Mitgründer ein Team von neun Mitarbeitern und expandiert mit spottster nach Großbritannien und Frankreich. Dass sie ein hohes Gehalt gegen die Unternehmensgründung in einem Kellerbüro eintauschte, bereut die heute 25-Jährige dabei bisher nicht im Mindesten.

Katja Heumader

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