Interviews

Präsenz beim Präsentieren – Laura Baxter

Präsentationen gehören zum Berufsleben, vor allem für Führungskräfte. Wichtig dabei: Präsenz – sowohl als innere Haltung als auch im Raum. Laura Baxter, ehemals Opernsängerin und heute Performance-Coach, verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in diesem Bereich. In ihrer Arbeit mit den Coachees trainiert sie verschiedene Facetten der Präsenz: von der Stimme über die Gestik bis hin zur inneren Einstellung. Wir haben uns über das Thema Präsenz beim Präsentieren in einem Interview zur 9. GSA Convention unterhalten.

Hinweis der Redaktion: Laura Baxter können Sie auch auf der 9. GSA Convention 2014, die vom 11. bis 13. September in Bonn statt findet, erleben.

 

Interview mit Laura Baxter über Präsenz

Schönen guten Tag Frau Baxter, Sie sind ehemalige Opernsängerin und heute Performance Coach. Wie kommt man aus der künstlerischen Ecke zum Coaching? Was waren Ihre Beweggründe dafür?

Guten Tag, Herr Foitzik! Als Coach war ich schon länger tätig, sogar bevor ich hauptberuflich auf der Opernbühne stand. Vor über 25 Jahren habe ich bereits Schauspieler, Sänger und Redner für ihre Auftritte gecoacht. Es fing an, als ich meine Arbeit als Dozentin an der Duke University begann. Allerdings habe ich mich damals überwiegend mit den fachtechnischen Elementen – der Stimme und der Körpersprache – beschäftigt und weniger mit der psychologischen Seite des Auftretens. Ich habe meinen Coachees dabei geholfen zu verstehen, wie sie im Raum wirken, wie sie ihre Auftritte aufbauen sollten etc.

Seit über 25 Jahren beschäftigen Sie sich mit der Wirkung der Stimme und des Körpers. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Mein Hauptthema ist die Präsenz. Jeder von uns verfügt sowohl über eine innere Präsenz als auch über eine Präsenz im Raum. Wie wir mit unserer Stimme und Körpersprache umgehen, ist ein Teil der Präsenz, aber nicht alles. Das Ziel ist, dass wir selbstbewusst einen Raum betreten und ihn dabei einnehmen, damit wir ernstgenommen werden und unsere Ideen und Anliegen überzeugend kommunizieren können.

Sehen Sie hier eine große Veränderung der Thematik heute im Vergleich zu früher, also vor 10 bis 25 Jahren?

Gut, vor 25 Jahren habe ich mich überwiegend mit Leuten beschäftigt, deren Hauptberuf es war, in irgendeiner Form auf der Bühne zu stehen. In den letzten zehn Jahren beobachte ich, vor allem was Körpersprache-Trainings in der Wirtschaft betrifft, die angenehme Entwicklung, dass Trainer nicht mehr so dogmatisch sind wie einst.

Es gab eine Zeit, wo Trainer versucht haben zu behaupten, dass man jeder Geste eine konkrete Bedeutung geben kann. In der Theaterwelt unvorstellbar! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft Leute zu mir in die Trainings gekommen sind und mir von komischen Glaubenssätzen erzählt haben, nur weil irgendein Körpersprache-Guru ihnen gesagt hat, dass es so ist. Das war sehr frustrierend, denn wenn wir uns nur mit diesen äußerlichen Sachen wie unseren Gesten beschäftigen, ist das Ergebnis oft sehr oberflächlich und überhaupt nicht authentisch. So entstehen nur noch mehr Probleme und die Person, die sich präsentieren muss, fühlt sich einfach unwohl.

Zum Glück geht der Trend jetzt in eine andere Richtung. Es ist wichtig, zunächst die Person wahrzunehmen – wie er oder sie ist, was seine oder ihre natürlichen Gesten sind und wie man ihm oder ihr dabei helfen kann, eine authentische Präsenz zu entwickeln.

Sie vermitteln seit über 15 Jahren in Seminaren und Vorträgen, wie man souverän und authentisch auftritt. Was gehört aus Ihrer Sicht hier dazu?

In erster Linie gilt es zu verstehen, wer Sie sind und warum Sie da sind. Souverän zu sein und Präsenz auszustrahlen hat nicht nur mit der Persönlichkeitsstruktur der Person zu tun, sondern mit einer tiefen Verbindung zu sich selbst und zur eigenen Lebensaufgabe. Selbst sehr introvertierte Menschen können charismatisch sein und eine große Präsenz ausstrahlen, wenn Sie hinter ihrer Sache stehen und an sich glauben. Das ist das Entscheidende.

Wo sehen Sie bei Führungskräften noch die größten Defizite?

Viele Führungskräfte sind sich nicht im Klaren darüber, warum sie in diese Position gekommen sind und sie glauben nicht, dass sie wirklich einen Unterschied machen können – einen Unterschied entweder im Unternehmen oder für ihre Mitarbeiter. Sie haben ihre Rolle als Führungskraft noch nicht akzeptiert oder haben für sich noch nicht bewusst entscheiden, was sie in ihrer Leadership-Rolle bewirken möchten. Solange sie diese Entscheidung für sich selbst nicht gefällt haben, können sie ihre Führungsposition nicht überzeugend mit Leben füllen.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich selbst in diesem Bereich weiterzuentwickeln und zu optimieren?

Informieren Sie sich so viel wie möglich! Lesen Sie viel und fragen Sie Experten – und setzten Sie vor allem auch auf Weiterbildung. Was „Präsenz“ angeht, habe ich beispielsweise eine Seminar-Reihe entwickelt, die den Teilnehmern dabei hilft, ihre innerliche und äußerliche Präsenz zu stärken. Ab September werde ich außerdem ein Online-Seminar zum Thema „Die wahre Präsenz“ geben. Dieses Seminar wird exklusiv bei OnLife Seminare von Ilona Lindeau angeboten.

Woher weiß ich eigentlich, wo ich persönlich bei Stimme und Körpersprache stehe?

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Präsenz auf der Bühne – das war lange Zeit Laura Baxters Beruf. (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

Das ist eine sehr gute Frage! Finden Sie ein paar Vertrauenspersonen, die die Chance hatten, Sie in unterschiedlichen Situationen zu erleben und fragen Sie sie, was sie über Ihre Auftritte denken – sowohl über Ihre Stimme als auch über die Körpersprache. Seien Sie auch sehr spezifisch in Ihrer Fragestellung, damit Sie Ihre Vertrauenspersonen nicht überfordern. Fragen Sie zum Beispiel ob Ihre Stimme im Raum ankommt. Wie wirkt die Stimme? Wirken meine Gesten authentisch und souverän? Gerade wenn es um unsere Stimme geht, können wir selbst nicht wirklich einschätzen, wie sie bei Anderen ankommt. Trauen Sie sich und fragen Sie nach Meinungen, denn es ist selten, dass uns Leute direkt von sich aus kritisieren. Doch von jedem Feedback können wir etwas lernen.

Was wäre aus Ihrer Sicht der erste Schritt, um sich in diesem Bereich zu verbessern?

Zunächst einmal sich selbst beobachten. Heutzutage gibt es so viele technische Möglichkeiten, um sich selbst zu sehen, wie man im Raum wirkt. Sie können auch, wie schon gesagt, andere Leute fragen, wie Sie wirken. Die meisten Leute werden Ihnen darauf eine kurze Antwort geben. Jedes Feedback bringt Sie weiter voran. Welche Bewegungen, welche Gewohnheiten gehören zu Ihrem persönlichen Repertoire? Probieren Sie neue Sachen aus. Und geben Sie so viele Präsentationen wie möglich. Mit jedem Auftritt werden Sie Neues über sich selbst erfahren und mehr Präsenz entwickeln.

Vielen Dank Frau Baxter für das interessante Gespräch und Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Vielen Dank, Ihnen auch!

Das Interview führte Oliver Foitzik, Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO und des HCC-Magazins zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

 

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Laura Baxter war Opernsängerin und arbeitet heute als Performance Coach. (Bild: © Laura Baxter)

Über Laura Baxter

Die amerikanische Opernsängerin und Präsentationsexpertin Laura Baxter beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Wirkung der Stimme und des Körpers im Zusammenhang mit nonverbaler Kommunikation und Menschenführung. Sie weiß ihre umfangreiche Bühnenerfahrung dafür zu nutzen, um Führungspersonen dabei zu helfen, schwierige Situationen zu meistern und auch die Divas unter den Mitarbeitern zu zähmen. Neben ihrer Tätigkeit als Keynote Speakerin lehrte Laura Baxter außerdem an der Fakultät der berühmten Duke University, und unterrichtet Gesang und Sprecherziehung seit 1999 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

 

Hinweis der Redaktion:

Vom 11. bis 13. September findet die 9. GSA Convention 2014 mit dem Motto „Speaking 3.0“ in Bonn statt, der Dreh- und Angelpunkt der deutschsprachigen und internationalen Rednerszene. Feierlicher Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung werden die erstmalige Verleihung des „German Speakers Global Awards“ an eine herausragende internationale Persönlichkeit sowie die Vergabe des Deutschen Rednerpreises und die Ehrung für die „GSA Hall of Fame“ sein. Wer Laura Baxter live erleben möchte, hat auf der 9. GSA Convention 2014 die Möglichkeit dazu.

Katja Heumader

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