Finanzen

Reallöhne im 1. Quartal 2013 gesunken – Durchschnittslohn bei 3.398 Euro brutto

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[Bild: Petra Bork / pixelio.de]

Die Reallöhne in Deutschland sind vom ersten Quartal 2012 bis zum ersten Quartal 2013 um durchschnittlich 0,1 % gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, erhöhten sich die Nominallöhne in diesem Zeitraum um 1,4 %, die Verbraucherpreise legten um 1,5 % zu.

Der Nominallohnindex spiegelt die Veränderung der Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder. Der vergleichsweise geringe Anstieg der Nominallöhne im ersten Quartal 2013 zum Vorjahresquartal ist unter anderem auf zwei Effekte zurückzuführen: Zum einen sind die Sonderzahlungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geringer ausgefallen. Zum anderen ist die bezahlte Wochenarbeitszeit in diesem Zeitraum zurückgegangen. Der Anstieg der Bruttostundenverdienste ohne Sonderzahlungen lag mit + 1,8 % über der Wachstumsrate des Verbraucherpreisindex.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente in Deutschland im ersten Quartal 2013 ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3.398 Euro brutto im Monat. Die höchsten Durchschnittsverdienste erhielten die Beschäftigten bei Banken und Versicherungen (4.543 Euro), in der Energieversorgung (4.477 Euro) sowie im Bereich Information und Kommunikation (4.475 Euro). Der niedrigste durchschnittliche Bruttomonatsverdienst wurde im Gastgewerbe (2.008 Euro) gezahlt.

Zwischen 2007 und 2012 hat das Lohngefälle zwischen den einzelnen Arbeitnehmergruppen zugenommen. Für Arbeitnehmer in leitender Stellung (+ 15,5 %) und für herausgehobene Fachkräfte (+ 12,8 %) lagen die Steigerungen der nominalen Bruttomonatsverdienste über dem Durchschnittswert aller Arbeitnehmer (+ 12,2 %). Fachkräfte (+ 10,9 %), angelernte Arbeitnehmer (+ 10,0 %) und ungelernte Arbeitnehmer (+ 9,8 %) konnten zwar auch die Steigerung der Verbraucherpreise kompensieren (+ 8,3 %), hatten aber nur unterdurchschnittlich hohe Wachstumsraten.

Die Vierteljährliche Verdiensterhebung wird seit dem Berichtsjahr 2007 durchgeführt. Um einen längerfristigen Zeitvergleich der Ergebnisse zu ermöglichen, wurden die Zeitreihen des Real- und Nominallohnindex mit Hilfe von Angaben zu den Bruttolöhnen und -gehältern je Arbeitnehmer aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bis 1991 zurückgerechnet.

Die vollständigen Zeitreihen des Nominal- und Reallohnindex stehen hier zur Verfügung.

Detaillierte Informationen über die Höhe der Bruttostunden- und Bruttomonatsverdienste nach Wirtschaftszweigen, Beschäftigungsumfang, Leistungsgruppen, Geschlecht sowie Gebietsständen bieten die Fachserie 16, Reihe 2.1 (Quartalsergebnisse) sowie Reihe 2.3 (Jahresergebnisse), die ebenfalls nach Branchen heruntergeladen werden können.

Detaillierte Daten und lange Zeitreihen zu den Bruttoverdiensten können über die Tabelle Bruttoverdienste, Wochenarbeitszeit (62321-0001) in der Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden.

(Statistisches Bundesamt 2013)

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Lohnentwicklung 2000-2010

Insgesamt ist die deutsche Lohnentwicklung – trotz, oder gerade wegen der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Top- und Geringverdienern – die schlechteste im gesamten Industrieländervergleich: Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO schrumpften die Reallöhne in Deutschland im letzten Jahrzehnt (von 2000 bis 2010) um -4,5%. Lediglich Japan wies noch mit -1,8% ebenfalls einen negativen Wert auf. Spitzenreiter sind Norwegen (+25,1%), Finnland (+22,0%) und Südkorea (+18,3%). Durch die Lohnzurückhaltung in Deutschland seien zwar laut der ILO die deutschen Unternehmen wettbewerbsfähiger geworden, die private Nachfrage wurde aber nicht gestärkt. Dabei zeigte sich, dass gerade der private Konsum seit der Wirtschaftskrise 2008 eine der zentralen Stützen der deutschen Wirtschaft ist. Die Lohnentwicklung würde sich zudem nicht an der Produktivitätsentwicklung orientieren, wodurch die Einkommen umverteilt werden: Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen steigen, während die Einkommen der Arbeitnehmer tendenziell sinken. Fair wäre es hingegen, wenn die Produktivitätssteigerung auch mit entsprechenden Lohnzuwächsen einhergehen würden.

Dies bestätigt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin): Seit der Jahrtausendwende sind laut dem DIW die realen Nettolöhne von Geringverdienern um 16 bis 22% gesunken. Auf alle Beschäftigten gerechnet sind die Nettogehälter in Deutschland zwischen 2000 und 2010 preisbereinigt um 2,5% zurückgegangen. Demnach ist der kräftige Aufschwung seit der Jahrtausendwende laut dem DIW-Verteilungsforscher Markus Grabka bei den meisten Erwerbstätigen nicht angekommen. Beschäftigte in der höchsten Einkommensgruppe verbuchten allerdings ebenfalls nur ein leichtes Plus von rund 1%. Die Gewinne sind also – allerdings mit einem deutlichen Gefälle – nahezu an allen Beschäftigten vorbei gegangen und haben sich lediglich in den Unternehmensgewinnen, Managergehältern und Kapitalgewinnen niedergeschlagen.

Deutschland bei der Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen auf einem der Schlussplätze

Deutschland belegt auch bei dem Thema Gender-Gerechtigkeit einen der hintersten Plätze: In nur zwei Ländern ist die Differenz der Löhne zwischen Männern und Frauen noch größer als in Deutschland: Die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen betrug im Jahr 2009 in Tschechien 25,9%, in Österreich 25,4% und in Deutschland 23,2%. Die geringsten Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es in Slowenien (3,2%), Italien (5,5%) und Malta (6,9%). In Deutschland hat sich der Zustand sogar noch weiter verschärft. 2006 hatte der Einkommensunterschied noch 22,7% betragen. In dem Vergleichszeitraum hatten andere EU-Staaten ihre Ungleichheit reduzieren können: Großbritannien und die Slowakei jeweils um 3,9 Prozentpunkte, Spanien um 2,2 Prozentpunkte.

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Marc Brümmer

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