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Scrum: Anwendung an Rahmenbedingungen anpassen

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Der Hype um agile Methoden reißt nicht ab. Scrum, Kanban und Co stehen hoch im Kurs, wenn es um modernes Projektmanagement geht. Die Anwendung sollte aber an die individuellen Rahmenbedingungen angepasst werden, rät Thomas Ring von der mmc AG. Denn je nach Zielsetzung lassen sich einzelne Parameter den Bedürfnissen von Unternehmen, Mitarbeitern und Teams anpassen.

„Durch die Digitalisierung werden Scrum und Co. immer beliebter“

Herr Ring, Scrum und andere agile Methoden werden nahezu gehypt. Woher kommt das?

Viele Unternehmen stellen die Digitalisierung und die damit verbundenen Entwicklungen vor große Herausforderungen. Sie müssen sich schnell immer neuen Marktbedingungen anpassen und flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen und Kundenwünsche reagieren. Traditionelles Projektmanagement, bei dem Ziel und Zwischenziele relativ starr vorgegeben sind, stößt da schnell an seine Grenzen, da Nachjustieren oft schwierig ist.

Agile Methoden wie Scrum dagegen gehen Schritt für Schritt in Iterationen vor. Somit sind Ziele und die Schritte, um sie zu erreichen, flexibel. Einen ausgearbeiteten Plan in dem Sinne gibt es nicht. Zudem passt das Konzept agiler Methoden, das auf Eigenständigkeit der Mitarbeiter, Flexibilität und flachen Hierarchien beruht, in eine moderne Unternehmenskultur mit viel Freiraum und Transparenz. Auch das sorgt natürlich für die – zumindest auf dem Papier – steigende Beliebtheit von Scrum und Co.

Droht da nicht Chaos, wenn man sich von einem Plan so völlig verabschiedet?

Agile Methoden anzuwenden schließt Planung nicht aus. Das wäre fatal. Denn gerade, wenn es um Unternehmensstrategien geht, darf das große Ganze nicht aus dem Blick geraten. Die gemeinsame Vision und das Gesamtziel des Unternehmens bilden für Kunden, Mitarbeiter und Führungskräfte den Anreiz, Projekte auch effektiv und effizient umzusetzen. Flexibilität ja – aber mit Plan.

„Anpassungen sind notwendig“

Scrum wurde ursprünglich für die Software-Entwicklung entwickelt. Lässt sich die Methode einfach so auf andere Bereiche übertragen?

Offensichtlich – denn mittlerweile wird Scrum nicht nur außerhalb der Software-Entwicklung, sondern sogar in IT-fernen Bereichen angewandt. Klar ist aber, dass Anpassungen notwendig sind. Im Vorfeld müssen sich die Verantwortlichen deshalb immer vor Augen halten, dass es letztlich um die Projektorganisation geht. Wer Scrum oder andere agile Methoden einsetzt, der will in der Regel flexibler, effizienter und flexibler werden. Die Iterationen, die starke Berücksichtigung von Kundenfeedback und der Grundsatz „Always Beta“ sind entscheidende Faktoren, die bei der Umsetzung dieser Ziele helfen.

Andere Aspekte, wie die Länge der Sprints, wie häufig Kundentreffen stattfinden, wie viele Mitglieder ein Team umfasst oder ob ein verbindliches Ziel vorgegeben wird, sind aber keineswegs fix. Sie können und müssen an die jeweiligen Rahmenbedingungen und Zielsetzungen angepasst werden.

Eigenverantwortung, Netzwerke und flache Hierarchien sind Stichworte, die im Zusammenhang mit Scrum oft fallen. Was bedeutet der Einsatz von Scrum für die Unternehmenskultur?

Sie haben mit Ihrer Frage die Antwort eigentlich schon gegeben. Traditionell strukturierte Unternehmen, auch große Konzerne mit festgefahrenen Strukturen tun sich schwerer, Agilität zu implementieren. Junge Unternehmen und insbesondere Startups, die netzwerkartig strukturiert sind und große Freiräume gewähren sind besser geeignet für den Einsatz agiler Methoden.

Agile Methoden wie Scrum oder Kanban brauchen bestimmte kulturelle Voraussetzungen, die erst bzw. parallel geschaffen werden müssen. Denn in den Teams herrscht während der Sprints großer Freiraum und große Eigenverantwortung. Auch einen Projektmanager, wie man ihn eigentlich kennt, gibt es in dem Sinne nicht. Das Führungsverständnis ist ein komplett anderes: Es geht darum, zu coachen, Mitarbeiter zu unterstützen und weiterzuentwickeln, ihnen bestmögliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Hierarchie und Kontrolle verlieren an Bedeutung. Welche Voraussetzungen Unternehmen schaffen sollten, damit es mit der Agilität klappt, habe ich ausführlich in meinem Beitrag Scrum: Pragmatisch anwenden statt dogmatisch verbreiten auf dem mmc Magazin beschrieben.

Lieber Herr Ring, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview mit Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

Wie ist es um die Agilität in Ihrem Unternehmen bestellt? Machen Sie hier den Check-up Strategieentwicklung als agiler Prozess: http://www.mmc.ag/uber-uns/check-ups/check-up-strategieentwicklung-als-agiler-prozess/!

Katja Heumader

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