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Social Media – ein Paradies für Markenpiraten

Auf zwölf Milliarden Euro pro Jahr schätzt das britische Branchenblatt Marketing Week die Schäden, die renommierten Markenherstellern wie Ray-Ban, Louis Vuitton oder Mulberry aufgrund von Produktpiraterie entstehen. Vor allem auf sozialen Netzwerken werden die gefälschten Luxusmarken feilgeboten. Viele Händler unterschätzen die Gefahren aber weiterhin.

4.500 verdächtige Accounts und Gruppen

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Socia Media-Seiten gaben dem Phänomen Produktpiraterie zusätzlich Aufschub (Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de).

Seit jeher gilt das World Wide Web als ein Paradies für Markenpiraten, weil es zahlreiche Möglichkeiten offen hält, gefälschte Ware anzubieten und zu verkaufen. Jedoch verliehen Social Media-Seiten diesem Trend zusätzlichen Auftrieb. Speziell auf Facebook finden sich viele Links und bezahlte Werbungen, die zu gefälschten Webseiten führen, um dort Web Traffic zu generieren. Erschwert wird die Verfolgung der Kriminellen noch dadurch, dass Werbung auf Facebook personalisiert ist und oft wechselt. Um Beweise zu haben, müsste ein User einen Screenshot machen, wenn er auf vermeintliche „Fälscherwerbung“ stößt.

Zwar sind (wie woanders auch) betrügerische Inhalte auf den meisten Social Media-Seiten verboten, jedoch kann ebenso schnell ein neuer Account registriert werden, wie der erste gesperrt wurde. Die Fallstudie der Markenschutzagentur NetNames, durchgeführt für einen pharmazeutischen Klienten, hat im Zeitrahmen von gerade einmal sechs Monaten über 4.500 verdächtige Accounts und Gruppen identifiziert – nur auf Facebook und Twitter.

Gefahr wird unterschätzt

Zudem kommt das Expertenunternehmen für Markenschutz und Sicherheit im Internet zu dem Schluss, dass sich viele Markenhersteller und Händler der wahren Größe des Problems gar nicht bewusst sind und keine eigene Spezialistenabteilung zum professionellen Schutz ihres Labels beschäftigen – trotz jährlicher Verluste im zweistelligen Milliardenbereich. Oft sind es nämlich erst die geschädigten Konsumenten, die auf gefälschte Ware aufmerksam machen. Jedoch fällt es der Legislative schwer, mit der schnell wachsenden und wechselnden Technologie und letztlich auch den Kriminellen mitzuhalten.

Zusammenarbeit mit Social Media-Seiten erwünscht

In Großbritannien wird auf das Phänomen Produktpiraterie in sozialen Netzwerken bereits reagiert. Das im Vereinigten Königreich ansässige Trading Standards Institut führt seit bereitseineinhalb Jahren Gespräche mit diversen Social Media-Seiten über eine Zusammenarbeit in Bezug auf die Weitergabe von Userdaten, wenn der Verdacht einer gefälschten Markenwerbung aufkommt. Auch die International Police Association (IPA) kollaboriert  mit Social Networks, um die Fälscher ausfindig zu machen.

Aufklärungsarbeit entscheidend

Markenexperte Oliver Schmitt von der Agentur viennabrand  rät Unternehmen die eigene Zielgruppe über die Folgen von Marken- beziehungsweise Produktpiraterie aufzuklären: „Ziel muss es sein, das Bewusstsein für die originale Marke zu stärken, im Detektivspiel ist man als Markenunternehmen schließlich immer einen Schritt hinterher“, so der Fachmann.

(pte)

Christoph Schroeder

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