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Verstehen, wie wir zueinander stehen – Interview mit Karin Seven

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Mysterium Mensch: Manchmal verstehen wir den Anderen einfach nicht. Dabei spielt die Art der Beziehung keine Rolle, ob nun partnerschaftlich oder freundschaftlich, geschäftlich oder in der Familie. Seit der Antike wird versucht, die Menschen zu kategorisieren um zu verstehen, wie sie „funktionieren“, doch auch hier gibt es kein Allheilmittel. An dieser Stelle weiterzuhelfen ist ein zentrales Anliegen von Karin Seven. Deshalb bietet sie ein dreitägiges Seminar zum Thema „Paare – Familie – Beruf: Beziehungen entschlüsseln“ an, das vom 30. Juni bis 02. Juli 2017 in Berlin stattfinden wird. Im Interview spricht die Autorin und Coachin unter anderem über die verschiedenen Grundlagen, die Voraussetzung für jede Beziehung sind, wie Knackpunkte gefunden und behoben werden können, und die Frage, wie wir unsere Beziehungen verstehen lernen können.

Beziehungen verstehen: Wie Zuhören uns dem Anderen näherbringt – Karin Seven im Interview

Guten Tag Frau Seven, der Titel Ihres Seminars lässt darauf schließen, dass Sie nicht nur enge Beziehungen meinen, die es da zu entschlüsseln gilt. Welche Art von Beziehungen sind gemeint?

Richtig, wir haben das Seminar bewusst sehr offen gehalten. Zum einen zielt das Seminar auf enge Partnerschaften im Privatbereich ab, das heißt zum Beispiel Paare, Familien und Freundschaften. Die andere Bezugsgruppe findet sich in beruflichen Kontexten, wie das Verhältnis zwischen Chef und Angestellter, innerhalb eines Teams oder auch zwischen Geschäftspartnern. Vom Funktionieren der beruflichen Beziehungen am Arbeitsplatz kann viel abhängen, gerade auch im Hinblick auf das Arbeitsklima.

Daher stellt sich die zentrale Frage: Wie schaffe ich es, ein guter Beziehungspartner zu sein? Am Arbeitsplatz fällt es natürlich oft schwerer, über die Beziehung zu sprechen und zu hinterfragen, was nicht funktioniert und woran das liegt. In jeder Art von Beziehungen, privat wie am Arbeitsplatz, spielen viele Faktoren zusammen – die sich allerdings erlernen lassen. Insbesondere Aufmerksamkeit, Bewusstheit, Empathie und die Fähigkeit, aktiv zuhören zu können, sind enorm wichtige Grundlagen.

Gehen wir davon aus, es liegt ein Problem in einer Beziehung vor, das aber nicht identifiziert werden kann. Mit welchen konkreten Ansätzen lässt sich denn beispielsweise ein negatives oder distanziertes Beziehungsverhältnis verbessern?

Ein elementares Thema ist dabei der Beziehungscode. Das ist auch der Dreh- und Angelpunkt im Seminar, den wir zur Diskussion stellen wollen. Es gibt so viele Bücher, die eine möglichst simple Anleitung dafür geben wollen, wie Beziehungen zu verstehen und zu verbessern sind? Dabei führt aber kein Weg an einer ganz zentralen Erkenntnis vorbei: Es gibt keine Universallösung und keinen allgemeingültigen Beziehungscode; ganz einfach deswegen, weil jeder anders ist.

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Die Autorin Karin Seven stellt gezielt den Begriff des Beziehungscodes zur Diskussion: Beziehungen verstehen bedeutet, die Unterschiede anzuerkennen. (Bild: © Gerlind Klemens)

Deshalb ist es erst einmal wichtig zu klären, was sich jeder Einzelne konkret vom anderen wünscht. Das kann Nähe sein, Zeit, Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit oder auch mehr Gespräche. Es geht mehr darum, in die Zukunft und nach vorne zu schauen – und auch ganz klar zu sagen: Was sind die Ziele des Einzelnen, was sind gemeinsame Ziele, oder auch: Gibt es überhaupt noch gemeinsame Ziele? Und wenn ja: Wie können diese erreicht werden?

Folglich liegt ein Schwerpunkt auf der Kommunikation beziehungsweise auf den verschiedenen Aspekten der Kommunikation. Auf den anderen zu achten und zu verstehen, wie dieser Mensch „funktioniert“, ist eine Grundvoraussetzung, das Verhältnis überhaupt verbessern zu können. Es sind also zwei Schritte, die voneinander unterschieden werden müssen. Zunächst geht es um das Wissen, dass diese Verhaltensweisen nichts mit einem selbst zu tun haben, sondern dass der Andere vielmehr gar nicht anders kann. Erst danach geht es um die eigene, bewusste Entscheidung, ob man selbst mit dieser Person die bestehende Beziehung fortführen möchte oder kann. Denn es geht ganz klar um Erwartungen, die nicht einfach erfüllt werden können, weil der Andere sozusagen über einen ganz anderen Kanal arbeitet.

Es gibt ja bestimmte Beziehungsmuster, die erklären sollen, wie Konstellationen grundsätzlich funktionieren. In welche groben Kategorien würden Sie solche Muster einordnen?

Ich weiß nicht, ob sich das grundsätzlich so sagen und immer so einfach kategorisieren lässt. Natürlich gibt es Menschen beziehungsweise Persönlichkeitstypen, die besser zu einander passen oder eben weniger. Akzeptanz ist ein wichtiges Thema. Vor allem Selbsterkenntnis ist dabei Voraussetzung: Wenn hier Klarheit herrscht, weiß man eher, wer zu einem passt und wer weniger. Im Bereich Selbsterkenntnis arbeite ich mit Unterstützung des Persönlichkeitssystems des Enneagramms. Dabei handelt es sich um ein recht komplexes System zur Persönlichkeitsanalyse, das zu erklären an dieser Stelle zu weit führen würde.

Grob gesagt werden im Enneagramm neun Persönlichkeitstypen mit ihren Fixierungen unterschieden. Jede Fixierung wird leider von der Person selbst kaum wahrgenommen, das heißt, die Fixierung findet unbewusst statt. Und genau hier liegt das Problem: Wird eine Fixierung ausschließlich vom Gegenüber wahrgenommen, wird es eher als Charakterschwäche des Partners erlebt. Gelingt es, sich seiner Fixierungen bewusst zu werden, kann die Fixierung in eine Ressource verwandelt werden. Damit gelingt das Miteinander in Beziehungen besser, egal ob privat oder am Arbeitsplatz. Barack Obama beispielsweise hat seinen Stab nach dem Enneagramm aufgestellt.
Kurz anhand eines einfachen Beispiels: Menschen mit einer Persönlichkeitsfixierung, die eher über eine emotionale Abspaltung entsteht, legt den klaren Fokus auf Wissen. Trifft diese Person dann auf eine emotionale Persönlichkeit, die viel bewusster und auch fokussiert mit Gefühlen umgeht, wird sich die emotionale Persönlichkeit schnell überfordert fühlen und auf Distanz gehen. Spricht sie den wissensregierten Gegenüber darauf allerdings an, reagiert dieser häufig mit Unverständnis.

Es geht dabei also vorrangig um das Verstehen auf einer Vernunftebene – als Grundlage für das Verständnis von Beziehungen. Solange es gelingt, die Verhaltensweisen des Partners, die womöglich verletzend wirken, nicht zu persönlich zu nehmen, sondern zu verstehen, woher diese rühren, kann es die Beziehung erheblich erleichtern. Ob jedoch der Partner, der mehr Nähe und Zärtlichkeit braucht, mit einem vom Kopf-, sprich wissensregierten Menschen glücklich werden kann, ist schwer vorstellbar oder umsetzbar.

Welche Art von Beziehungen stehen bei diesem dreitägigen Event im Fokus?

Kurz gesagt: Es geht um Beziehungen jeglicher Couleur. Wie eingangs bereits erwähnt, haben wir das Seminar ganz bewusst offengehalten: Es geht um das Berufliche wie um das Private, das heißt im Besonderen stehen diejenigen Beziehungen im Fokus, die jeder Teilnehmer „mitbringt“. Letztendlich finden Beziehungen überall statt und jeder verfügt über ganz individuelle Beziehungen in unterschiedlichen Konstellationen. Das gilt auch für den Bezug zu den verschiedenen Fixierungen. Daher stehen gerade die Zusammenhänge im Vordergrund und das Wissen um die Wünsche: Wissen, wie die eigenen Fixierungen und Wünsche funktionieren und was das für die Beziehung im Einzelnen bedeutet.

Was erwartet Ihre Teilnehmer bei „Paare – Familie – Beruf: Beziehungen entschlüsseln“ vom 30. Juni bis 2. Juli 2017?

Thematisch geht es, wie gesagt, verstärkt um Selbst-Erkenntnis, Selbst-Verständnis und ein Verständnis, was Beziehung ausmacht. Hier gibt es so unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse wie Menschen. Gelingt es, den Anderen wirklich zu sehen, und gelingt es, sich wirklich zu zeigen? Das bedeutet, über Gefühle, Wünsche und Verwirrungen sprechen zu können. Den Stellenwert der Kommunikation kann man gar nicht genug betonen. Denn wirkliches Zuhören ist eine Kunst: Mit ihr ist man dem Anderen – und dem Wir – schon näher.

Im Seminar geht es einerseits um die Zusammenhänge und die allgemein wichtigen Aspekte der Kommunikation. Die sind ja letztlich für alle Beziehungen wichtig, ob es sich nun um eine Partnerschaft oder um eine Geschäftsbeziehung handelt. Andererseits werden immer wieder Einzelübungen stattfinden um gezielt auf die einzelne Person, ihre Persönlichkeit und ihre Situation einzugehen. Besonders wertvoll sind in unseren Seminaren die Momente, wenn beide Teile einer Beziehung da sind. Da bietet es sich natürlich die Arbeit mit einem Fallbeispiel an. Das wiederum hilft nicht nur den beiden in dieser einen Beziehung, sondern gerade auch für die Beobachter. Meiner Erfahrung nach sind Fallbeispiele für alle besonders einsichtsreich, weil Ähnlichkeiten beobachtet und einfach vieles erkannt und verstanden wird.

Das Seminar thematisiert vorrangig die Zusammenhänge, das Verstehen und die Frage, wie Beziehungen funktionieren. Wenn einzelne Teilnehmer sich mehr Tiefe wünschen, stehen wir als Coaches auch außerhalb des Seminars zur Verfügung. An diesen drei Seminartagen wird aber so viel klar und umgesetzt werden, und die Teilnehmer bekommen viele Instrumente und Tools and die Hand, mit denen sie auch selbstständig weiterarbeiten können.

Noch eine kurze Frage zum Abschluss: Freuen Sie sich auf etwas Bestimmtes besonders beim Seminar „Paare – Familie – Beruf: Beziehungen entschlüsseln“?

Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten. Es ist immer wieder spannend, herauszufinden oder vielmehr erleben zu dürfen, was jeder Einzelne mitbringt, gerade auch in eine Veranstaltung wie die Seminartage im Juli. Das ist eines der großartigen Dinge an meinem Beruf: Es geht um die eigene und persönliche Interpretation im Hier und Jetzt, des Ichs. Es ist hochspannend, mit den Menschen tiefer zu schauen. Gerade die Augenblicke einer ehrlichen Erkenntnis, wenn der sprichwörtliche Groschen fällt und etwas verstanden wird, oder wenn ein Gefühl hochkommt – das miterleben zu dürfen zählt zu den schönsten Momenten des Lebens und sie sind unheimlich viel wert. Ich denke, das ist es, worauf ich mich mit am meisten freue.

Vielen Dank, Frau Seven, für die interessanten Ausführungen zum Seminar und zu den verschiedenen Ansätzen, die Sie darin verbinden! Ich bin mir sicher, dass die Teilnehmer spannende und sehr erkenntnisreiche Seminartage erleben und viel für sich mitnehmen können werden um auf eine neue Weise Beziehungen zu verstehen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude bei Ihrer Arbeit und erfolgreiche Seminartage!

Das Interview mit Karin Seven führte Oliver Foitzik, Herausgeber von AGITANO und Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

Paare – Familie – Beruf: Beziehungen entschlüsseln: Seminartage in Berlin vom 30. Juni bis 2. Juli 2017

Was ist der Beziehungscode und gibt es ihn wirklich? In jedem Lebensbereich führen wir Beziehungen un unzählig verschiedenen Konstellationen. Doch nicht jede Beziehung funktioniert: Immer wieder begegnen uns Menschen, bei denen es uns nicht gelingt, die Beziehung zu verstehen. Genau mit dieser Problemstellung befasst sich das dreitägige Seminar „Paare – Familie – Beruf: Beziehungen entschlüsseln“, das vom 30. Juni bis 2. Juli 2017 in Berlin stattfinden wird. Dabei geben Schauspielerin, Trainerin, Speakerin und Autorin Karin Seven und Jörg Bahrdt, Coach und Krisenberater, den Seminarteilnehmern wertvolle Instrumente und Ansätze an die Hand. Die Besucher werden an diesen drei Tagen lernen, wie sie Beziehungen verstehen können – ihre eigenen und allgemein – und wie sie mit ihnen produktiv arbeiten können.

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Karin Seven ist Trainerin und Coach, unter anderem im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Im Seminar zeigt sie, wie man Beziehungen verstehen lernen kann. (Bild: © Gerlind Klemens)

Weitere Informationen zum Seminar und zur Anmeldung finden Sie unter „Paare – Familie – Beruf: Beziehungen entschlüsseln“.

Über Karin Seven

Karin Seven arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Trainerin und Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und professionelle Auftrittskunst. Ihre Kunden sind Weltkonzerne wie Bayer AG, ehemals Schering AG, die deutsche Bahn AG, Sanofi Synthelabo, Vifor Pharma, Condor, Consulting Firmen wie CCC, Eurogroup Consulting, etc. Ob Privatkunden, Entrepreneure, Pfarrer oder Schauspieler, Karin Seven hebt ihre Kunden in ihr gebührendes Licht.

Mit ihrem Buch PowerAct – Ihr starker Auftritt ist sie als Vortragsrednerin seit knapp zwei Jahren unterwegs. Ihrer Leidenschaft als ausgebildete Schauspielerin geht sie nach wie vor nach, ob auf deutsche Bühnen oder in Amerika. Die Bühne ist überall, wo Herausforderungen warten. Dieses Gefühl der Begeisterung sowie der Spirit sich auf jeder Bühne wohl und zu Hause zu fühlen sind Hauptelemente der Schauspielerin sowie Vermittlungsziel im Training und Coaching.

Mehr über Karin Seven erfahren Sie unter www.körpersprache-sprechtraining.de und www.karin-seven.de.

Oliver Foitzik

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