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Wandel kommunizieren (1): Die Grundlage legen

… aus der zweiwöchentliche Themenserie „Speak like a leader – Reden und Überzeugen als Führungskraft“ mit dem Unternehmensberater und international angesehenen Experten zum Thema Führung Lars Sudmann. Nachdem Sie im vierten Teil die drei Dingen kennengelernt haben, die Führungskräfte von TED & TEDx lernen können, geht es heute darum, wie Führungskräfte die Basis für eine gelungene Kommunikation von Wandel legen.

Vielleicht kennen Sie das folgende Szenario: Sie leiten ein Veränderungsprojekt. Wochenlange Arbeit und Vorbereitungen in einer kleinen, geheimen Runde kommen zum Ende. Dann bereiten die eine große Präsentation vor. Alles ist gut geworden, voller Spannung treten Sie vor die Mannschaft. Sie wissen, dass Leidenschaft wichtig ist und tragen voller Enthusiasmus die neuen Pläne vor. „Eine super Veränderung steht an, wir werden reorganisieren alle werden jetzt noch viel mehr Freiräume haben.“

Aber statt der erwarteten Begeisterung und ernten Sie nur kritische Fragen, Unverständnis, Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Umfragen und der Flurfunk zeigen, dass die Präsentation nicht gut angekommen ist und die Frustration in der Belegschaft groß ist.

Was ist hier schief gelaufen?

Klimawandel, Erderwärmung, Elefant
Wer Wandel erfolgreich kommunizieren möchte, muss erst einmal die Elefanten aus den Köpfen seiner Zuhörer herausholen. (Bild: Dieter Schütz / pixelio.de)

Liegt es an der resistenten Mannschaft, die sich nicht auf die neuen Themen einstellen und einfach das große Ganze nicht verstehen will? Oder einfach an einem schlechten Projekt? Vielleicht, aber sehr häufig liegt der Grund auch in einer schief gelaufenen Veränderungskommunikation. Lassen Sie uns das obige Beispiel einmal genauer anschauen und zwei häufige Gründer gescheiterter Wandelkommunikation herausarbeiten: Der „Fluch des Wissens“ zusammen mit „Mit der Tür ins Haus fallen“.

Den Fluch des Wissens bekämpfen

Zunächst zum Fluch des Wissens: Dieses Problem entsteht, wenn man sich selbst mit einem Thema oder einem Projekt sehr lange beschäftigt hat. Es ist dann kaum mehr möglich sich vorstellen, dass jemand nicht die Details kennt. Oft sprudeln dann Führungskräfte heraus: „Wir haben einen wunderbaren Weg vor uns, Projekt Albatros wird durch die Effizienzelemente helfen, die wunderbar ausgearbeitet sind, besonders durch Faktor…“

Das Problem ist natürlich, dass ohne notwendige Vorkenntnis erst einmal viele Fragen bei den Zuhörern aufkommen. Was können sie stattdessen machen? Interviewen Sie zum Beispiel drei bis fünf Personen, die nicht am Projekt beteiligt waren. Was wissen diese bereits hierüber? Was sind typische Fragen, die in den Köpfen vorgehen? Aufbauend darauf können Sie dann konkret Ihre Präsentation mit folgenden Sätzen beginnen:

– „Lassen Sie uns erst einmal die Ausgangslage betrachten … “
– „Warum sind wir hier? Hier sind drei Gründe, die wir betrachten müssen …“
– „Zunächst einmal möchte ich Ihnen fünf interessante Fakten zur Projektlage darlegen …“

Wandel kommunizieren: Pacing & Leading anstatt mit der Tür ins Haus zu fallen

Selbst wenn glasklar kommuniziert und der Fluch des Wissens überwunden wurde, tritt häufig ein anderes Problem auf. Führungskräfte fangen oft mit den positiven Seiten der Veränderung an und kommunizieren Vorteile über Vorteile und fallen so „mit der Tür ins Haus“.

Das Problem: Wann immer Veränderung ansteht, kommen erst einmal Ängste und Fragezeichen hoch. Wir sprechen dabei auch vom „Elefanten, der im Raum steht“. Diesen Elefanten gilt es anzusprechen und erst einmal aus den Köpfen der Zuhörer herauszuholen.

„Wir wissen, dass viele Fragen im Raum sind. Ich kann auch noch nicht alle beantworten. Was ich Ihnen allerdings versprechen kann, ist dass ich Ihnen hier alles mitteile.“

Oder: „Ich weiß, dass Sie sich vielleicht fragen, wie sich diese Veränderung auf die Teamzusammensetzung auswirkt. Hier schon einmal die Nachricht vorweg: hier wird es keine Veränderungen geben.“

Sie nehmen also diese Gedankenspiele vorweg. Diese Herangehensweise wird auch als „Pacing“ bezeichnet, das vor dem „Leading“, also der Kommunikation der Veränderung erfolgen sollte.

Beim „Pacing“ ist meiner Erfahrung nach Offenheit und Ehrlichkeit wichtig, ganz besonders darüber, was Sie vielleicht nicht wissen. Sie zeigen so, dass Sie sich mit den Ängsten und Bedürfnissen auseinandersetzen, die unweigerlich bei Veränderungsprojekten auftreten.

Jetzt ist das Feld offen, in der Sie wirklich Ihr Veränderungsprojekt darlegen und in die Phase des „Leading“ Ihrer Kommunikation eintreten können. Wie Sie das auf eine inspirierende Art und Weise machen können, werden Sie im nächsten Beitrag der Reihe am 11.07.2014 erfahren: “Wandel kommunizieren (2): Inspirieren für den Wandel“.

Viel Erfolg bei der Kommunikation des Wandels!

Über Lars Sudmann

Lars Sudmann, Speaker, Experte, Führung, Leadership
(Foto: © Lars Sudmann)

Lars Sudmann ist der Leiter von Sudmann & Company, einem auf Führungssentwicklung und Change Management fokussierten Beratungsunternehmen. Er ist ein international angesehener Experte zum Thema Führung und hat über zehn Jahre Managementerfahrung, unter anderem als CFO von Procter & Gamble Belgien. Lars Sudmann zählt zu seinen Kunden namhafte Großunternehmen wie Roche, BNP Paribas, Shell, die Deutsche Post und viele mehr. Darüber hinaus berät er auch mittelständische Unternehmen und ist an der TU Braunschweig und der RWTH Aachen in der universitären Lehre tätig. Lars Sudmann hat als Redner selber zwei Mal bei TEDx-Veranstaltungen gesprochen und hat darüber hinaus viele Auszeichnungen erhalten, beispielsweise als Europameister der Rhetorik.

Mehr finden Sie im AGITANO-Expertenprofil von Lars Sudmann und im Internet auf www.lars-sudmann.com (inkl. Videos von ihm „in Aktion“).

Christoph Schroeder

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