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150 Jahre erfolgreich streichen und sanieren – Interview mit Olaf Kluge vom Malerbetrieb Kluge

Rund 40.800 Lackierer- und Malerbetriebe gab es 2017 in Deutschland. Sie sind sowohl für private Haushalte als auch für Großkunden gefragt, wenn es um die Verschönerung von Räumen geht. Familiengeführte Malerbetriebe, wie zum Beispiel der Malerbetrieb Kluge in Berlin, sind allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Im Interview spricht deren Geschäftsführer Olaf Kluge über die Anfänge des Familienunternehmens. Dazu gibt er wertvolle Tipps, wie man als Betrieb über 150 Jahre in Familiengeschichte erfolgreich bestehen kann.

Erfolgskriterien für Familienbetriebe – Olaf Kluge im Interview

Guten Tag Herr Kluge, Sie wissen als Malermeister, wo sich bei Malerbetrieben die Spreu vom Weizen trennt. Was war für Sie ausschlaggebend, in diesen Handwerkszweig einzusteigen?

Hallo Frau Kreuzer, ich bin schon von klein auf ein begeisterter Maler. Als Kind konnte ich beim Spielen auf dem Hof meinen Vater bei seiner Arbeit beobachten. Später stellte sich mir nie die Frage, ob ich beruflich lieber etwas anderes machen würde – ich wollte unbedingt den Familienbetrieb weiterführen. So absolvierte ich dort meine Lehre und besuchte anschließend die Meisterschule.

Mich begeistert an diesem Handwerk besonders die Schaffung von Lebensräumen. Wir Malermeister leisten mit jeder Fassade und Wohnung, die wir verschönern, unseren Beitrag für eine schönere Welt. Es ist großartig, etwas mit seinen eigenen Händen zu erschaffen. Und insbesondere beim Malern sieht man sehr schnell Ergebnisse.

Die Geschichte des Malerbetriebs Kluge ist besonders. Denn Sie haben den Meistertitel zusammen mit Ihrem Sohn bereits in der 4. und 5. Generation. Welche Herausforderungen brachte die Unternehmensnachfolge mit sich?

Die größte Herausforderung liegt darin, mit der Zeit zu gehen. Als mein Sohn Geschäftsführer wurde, begann er damit, die gesamte Firmenstruktur zu ändern und seiner Generation anzupassen. Angefangen bei der EDV bis hin zu Organisationsystemen für die Mitarbeitereinteilung. Auch eine neue Website durfte nicht fehlen. Dieser Entwicklungsprozess ist stetig.

Meine Erfahrung zeigte, dass es oft schwierig sein kann, von einem System abzukommen und sich ein anderes System vorzustellen. Das war aber bei mir und meinem Vater auch nicht anders. Ich habe mit ihm, dem Malermeister in 3.Generation, beispielsweise sehr lange über die Abschaffung der Schreibmaschine diskutieren müssen. Aus heutiger Sicht muss ich darüber oft schmunzeln. Es ist sehr wichtig, sich immer den Gegebenheiten seiner Generation anzupassen. Insofern sehe ich in der Veränderung eher Chancen, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Wie wirkt sich die familiäre Organisationsstruktur konkret auf Ihren Betrieb aus?

Ein familiäres Arbeitsumfeld bringt viele Vorteile mit sich. Zum einen herrscht innerhalb der Familie ein großes Vertrauen untereinander. Das wirkt sich positiv auf unsere Arbeitsabläufe aus. Wir haben zudem für jeden Bereich einen Spezialisten. Und wir pflegen zu unseren Mitarbeitern ein sehr gutes Verhältnis. Bei uns wird alles sehr ehrlich und direkt besprochen, eben wie in einer Familie. Wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter ein und haben dabei die Stärken jedes Einzelnen im Blick. Innerhalb des Familienunternehmens versucht man immer, gemeinsam das Beste aus jeder Situation zu machen. Selbst wenn es manchmal schwer ist.

Wie schafft man es 150 Jahre in Familiengeschichte zu bestehen?

Ganz wichtig ist es, dass man sich mit seiner Arbeit identifizieren kann. Und man muss Freude an dem haben, was man tut. Jede Generation bringt ihre eigenen Innovationen und Entwicklungen mit sich. Das ist auch gut so. Unsere Familie ist über 150 Jahre hinweg immer am Puls der Zeit geblieben. Ich glaube, besonders wichtig ist auch ein ausgeprägtes Maß an Werkstolz. Wenn man sich mit seiner Arbeit identifizieren kann, merkt das der Kunde sofort. Und unsere Kunden sichern uns den unternehmerischen Erfolg. Natürlich gibt es in einer so langen Familiengeschichte auch immer wieder Höhen und Tiefen. Aber man darf niemals aufgeben.

Welche entscheidenden Vorteile bietet ein familiengeführtes Unternehmen im Vergleich zu Großkonzernen?

Wie schon erwähnt, ist der familiäre Zusammenhalt prägend. Sowohl in unserem Büro, als auch bei unseren Mitarbeitern auf der Baustelle. Wir agieren schnell und mit viel Eigenverantwortung. Das ist wahrscheinlich unbürokratischer, als in einem Großkonzern. Dazu bieten wir unseren Kunden sehr klare Strukturen. So begleitet ein Meister von Anfang bis Ende ein Projekt als persönlicher Ansprechpartner für seinen Kunden. Das schafft zusätzliches Vertrauen.

Engagierte Mitarbeiter sind der Motor eines Unternehmens. Diesen Satz liest man häufig in Businessberichten. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihre Mitarbeiter auf Dauer zu motivieren?

Grundbedürfnisse eines jeden Menschen sind Anerkennung und Zugehörigkeit. Da uns als Familienunternehmen diese Werte enorm wichtig sind, haben wir Firmenfeiern, Mitarbeitergespräche und ein einheitliches Auftreten etabliert. Aber besonders wichtig ist es, dass wir für unsere Mitarbeiter die Planungen aller Baustellen transparent gemacht haben.

Indem wir klare Verhältnisse schaffen, sorgen wir dafür, dass die Arbeit auf den Baustellen reibungslos abläuft. Bei uns gibt es immer ein eindeutiges Feedback. Ich bin davon überzeugt, dass leidenschaftliche und motivierte Mitarbeiter sich grundsätzlich wohler in einem Unternehmen fühlen. Man sollte seine Angestellten nicht durch interne Reibungsverluste und Desinformation demotivieren.

Auf welche Leistungen ist Ihr Malerbetrieb Kluge spezialisiert?

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Der Malerbetrieb Kluge wird bereits in 4. und 5. Generation geführt. (Bild: © Malerbetrieb Kluge GmbH)

Unser Leistungsspektrum ist umfangreich. Wir übernehmen Standard-Anstrich, Spachtel- und Tapezierarbeiten. Ebenso führen wir exklusive Aufträge mit Seidentapeten und Zierprofilen durch. In den wärmeren Monaten haben wir mit Fassadenarbeiten zu tun und sanieren alte Doppelkastenfenster und Dachkästen. Zudem haben wir uns auf Brandschutzbeschichtungen spezialisiert. Das ist ein komplexes Thema. Denn besonders bei Altbauten begegnen uns immer wieder Auflagen, die wir in enger Kooperation mit dem Denkmalschutz erfüllen.

Über unseren Seniorenservice bedienen wir außerdem Kunden, die ihre Möbel nicht mehr selbstständig ausräumen oder verschieben können. Egal, wie groß das Projekt ist – wir versuchen nahezu jeden Arbeitsauftrag von der Einzimmerwohnung bis hin zum Großobjekt mit über 100 Wohnungen zur Kundenzufriedenheit abzuschließen.

Wer zählt zu den Auftraggebern, die Ihre Leistungen in Anspruch nehmen?

Wir bedienen viele Privathaushalte. Vor allem Menschen, die einen Wert auf hohe Wohnqualität und Individualität legen, zählen zu unseren Kunden. Auch zahlreiche Praxen, Geschäftsräume und Gewerbe in ganz Berlin tragen unsere Handschrift. Zudem beauftragen uns namenhafte Hausverwaltungen kontinuierlich mit Aufträgen zur Werterhaltung ihrer Objekte. Abgesehen davon arbeiten wir seit Jahrzehnten mit vielen Großkunden aus dem Neubau, dem Sanierungsbereich sowie öffentlichen Auftraggebern zusammen.

Um mit der Konkurrenz Schritt zu halten, sind Neuerungen und Investitionen das A und O. Das kann gerade für familiengeführte Betriebe problematisch werden. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Tradition und Moderne?

Ich glaube, dass man sich zwischen Digitalisierung und Tradition nicht entscheiden muss. Vielmehr liegt der Erfolg in der Kombination von traditionellen Werten, wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Kompetenz, mit modernen standardisierten Verfahren. Die Digitalisierung hat vieles beschleunigt. Man muss es schaffen, seine traditionellen Werte auf die moderne Welt zu adaptieren. Investitionen und ein gewisses Maß an Mut, etwas Neues zu wagen, sind hierbei unerlässlich. Bei uns kümmert sich mein Sohn Kevin Kluge um alle Fragen der Digitalisierung. Was die Digitalisierung betrifft, lerne auch ich jeden Tag etwas Neues dazu.

Andere familiengeführte Malerbetriebe nutzen Social-Media Plattformen, um neue Kunden anzuwerben. Spielen Facebook, Instagram und Co. eine Rolle in Ihrer Geschäftspraxis?

Der Erfolg eines Unternehmens liegt oftmals in seinem guten Ruf. Unsere zufriedenen Kunden empfehlen uns gerne und oft weiter. Das führt dazu, dass unsere Auftragsbücher immer gut gefüllt sind. Mein Sohn hat eine neue Website für unseren Betrieb entwickelt, die sich meiner Meinung nach sehen lassen kann. Den Bereich Social Media haben wir bisher bewusst vernachlässigt. Aber auch hier bin ich überzeugt davon, dass wir ihn zukünftig bedienen werden. Einfach um nahe am Kunden zu bleiben und zu zeigen, was für tolle Arbeiten wir verrichten.

Worin sehen Sie angesichts der zunehmenden Digitalisierung offene Chancen sowie Grenzen für familiengeführte Malerbetriebe?

Ich sehe eigentlich keine Grenzen, die uns die Digitalisierung auferlegt. Man muss nur schritthalten und darf nicht vor Neuerungen kapitulieren. Dafür sehe ich viele Chancen. Arbeitsabläufe können standardisierter und für alle Beteiligten stressfrei gestaltet werden. Die Kommunikation mit unseren Mitarbeitern und dem Kunden hat sich durch die Digitalisierung deutlich verändert. Wir sind schneller darin geworden, Absprachen zu treffen. Zum Beispiel sind unsere digitalen Fotokataloge aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Früher hat bei uns ein Kunde angerufen, wenn er ein Zimmer streichen lassen wollte. Damals mussten wir ihn zurückrufen, nachdem wir seine Bauakte rausgesucht hatten, um zu wissen, worum es geht. Heute ist alles vernetzt: Wenn der Anruf kommt, sind unsere IP-Telefone mit unserer Datenbank verknüpft. Im besten Fall nimmt gleich der zuständige Mitarbeiter den Anruf an. Alle

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Die Geschäftsführer des familiengeführten Malerbetriebs Kluge GmbH, Olaf und Kevin Kluge. (Bild: © Malerbetrieb Kluge GmbH)

Informationen sind sofort griffbereit. Man kann sich schneller in die Bedürfnisse des Kunden hineinversetzen und ihn dadurch besser beraten. Ein Angebot oder ein Foto ist schnell per E-Mail verschickt. Diese beschleunigten Abläufe verdanken wir der Digitalisierung und unserer verbesserten Struktur. Das verschafft uns insgesamt einen deutlichen Mehrwert.

Vielen Dank Herr Kluge für die interessanten Ausführungen zu Ihrem familiengeführten Malerbetrieb Kluge GmbH. Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Das Interview mit Olaf Kluge führte Karin Kreuzer, AGITANO-Redakteurin.

Über den Malerbetrieb Kluge GmbH

Olaf Kluge führt zusammen mit seinem Sohn Kevin Kluge das Familienunternehmen Malerbetrieb Kluge GmbH. Der überzeugte Malermeister in 4.Generation machte seine Ausbildung inklusive Meistertitel im Familienbetrieb. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Leitung der Geschäfte. Olaf Kluge ist verheiratet und hat zwei Söhne. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Motoradfahrer und treibt gerne Sport.

Karin Kreuzer

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