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Authentisches Handeln braucht den forschenden Blick nach innen – Interview mit Klaus Rentel

Autorenbild Klaus Rentel

Die Suche nach unserer eigenen Individualität beschäftigt viele von Zeit zu Zeit. Doch was heißt das eigentlich, Individualität leben? Was bedeutet es, authentisch zu handeln? Wann ist ein Aus-der-Reihe-Tanzen (nicht) authentisch? Zu diesem spannenden Themenfeld hat der bekennende Regelbrecher Klaus Rentel nun ein Buch, ja einen Leitfaden geschrieben: „Lieber echt als recht: Von der Kunst, authentisch aus der Reihe zu tanzen“ ist am 5. März 2020 erschienen. Zu dieser Neuveröffentlichung hat sich Oliver Foitzik mit dem Autor unterhalten: Im folgenden ersten Teil des Interviews lesen Sie unter anderem, welches Fundament authentisches Leben und Handeln unbedingt benötigt und was Erfolg wirklich mit Authentizität zu tun hat.

Hinweis der Redaktion: Wir verlosen auf AGITANO drei Exemplare von „ Lieber echt als recht: Von der Kunst, authentisch aus der Reihe zu tanzen“ von Klaus Rentel. Heute noch mitmachen und gewinnen!

Über die Suche nach der eigenen Individualität – Klaus Rentel im Interview

Schönen guten Tag Herr Rentel, wieso haben Sie gerade die Thematik des „Aus-der-Reihe-Tanzens“ für Ihr Buch gewählt? Wie sind Sie auf diesen speziellen Ansatz gekommen?

Eher hat das Thema mich gewählt. Es fiel mir in einer Auszeit ein, als ich mich intensiv mit meiner beruflichen Positionierung befasst habe. Ich war damals viel in der Natur, und plötzlich war sie da, diese Idee. Im Prinzip hat es mich nicht einmal allzu sehr überrascht, denn ich bin seit meiner Jugend auf der Suche nach meiner Individualität.

Mittlerweile weiß ich, welchen Segen, aber auch welche Nebenwirkungen dieser Weg der Echtheit mit sich bringt. So war es nur logisch, das Thema mit meinen Training- und Coaching-Kompetenzen zu verknüpfen, und schon wurde die berufliche Aufgabe klar: andere dabei unterstützen, ihre Wahrheit in die Welt zu bringen. Denn überangepasste Zeitgenossen gibt es ja mehr als genug, und ich will dazu beitragen, dass Menschen sich trauen, authentischer zu leben.

Ein paar Wochen später hat dann das Buchprojekt innerlich „hallo“ gerufen. Ich habe im Lesemarkt recherchiert und gesehen, dass es etwas in dieser Art noch nicht gab. Kaum war es entschieden, hat sich der Inhalt fast wie von selbst geschrieben. Schließlich hatte ich bereits einiges an Erkenntnissen und Erfahrungen zum Thema gesammelt.

Was zeichnet für Sie ein authentisches Aus-der-Reihe-Tanzen aus?

Generell gibt es kein authentisches Handeln ohne den forschenden Blick nach innen. Denn Sie müssen für sich klären, ob eine Motivation wirklich Ihrer inneren Wahrheit entspringt oder ob es sich nicht doch um eine alte, bequem gewordene Gewohnheit handelt, die Ihnen irgendwann einmal untergejubelt wurde.

Es braucht also so etwas wie ein Gehör für die Stimme Ihres Herzens, die nur allzu leicht vom lauten Geschrei der Ängste oder des kritischen Verstandes übertönt wird. Meistens handelt es sich dabei um Gedanken, die nicht Ihrem eigentlichen Wesen entsprechen, sondern angelernt sind. Wir wurden eben alle darauf dressiert, fremden Erwartungen zu entsprechen und zu funktionieren. Handeln wir aber aus freier, innerer Überzeugung gegen eine solche Moral, dann tanzen wir authentisch aus der Reihe. Selbst wenn wir uns vor möglichen Konsequenzen fürchten, fühlt sich das lebendig und kraftvoll an.

Authentizität heißt aber auch, sich über seine Möglichkeiten und Grenzen bewusst zu werden, wie ich es aktuell vielen Leuten im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie gerne raten würde. So halte ich mich mit Kritik an den wissenschaftlichen Erkenntnissen und darauf basierenden Maßnahmen seitens der Regierungen und Gesundheitsbehörden sehr zurück, weil ich kein Virologe bin. Ich kann es also nicht besser wissen.

Das Verbreiten von Falschnachrichten ist sicherlich nicht authentisch, da sowohl das Verfassen als auch Weiterleiten auf Beweggründe zurückgeht, die die für stimmiges Verhalten erforderliche Innenschau – besonders die Auseinandersetzung mit eigenen Ängsten und realen Fakten – vermissen lassen. Rebellieren um des Rebellierens Willen oder um Aufmerksamkeit zu erregen, finde ich unangebracht.

Authentizität setzt voraus, dass Sie Ihre eigenen Werte kennen – und Ihre persönlichen Grenzen

Können Sie uns in diesem Zusammenhang erklären, was Sie mit „Lieber echt als recht“ genau meinen? Was können sich unsere Leser darunter vorstellen?

Der Titel ist ein Plädoyer dafür, nach inneren Maßstäben zu handeln, gerade wenn Ihr Verhalten gegen Regeln und Konventionen verstößt. Das kann dann zum Beispiel ein Akt der Zivilcourage etwa gegen Mobbing sein oder das Ablehnen eines Auftrags, der Ihrer Berufsethik zuwiderliefe.

Natürlich geht es dabei nicht immer um schwarz oder weiß, sondern darum, Farbe zu bekennen, zu verhandeln, mit den Beteiligten ein Einvernehmen zu suchen, das möglichst vielen möglichst gerecht wird. Doch sollten Sie sich dabei über Ihre Grenzen im Klaren sein und wissen, inwieweit Sie unter welchen Bedingungen zu einem Entgegenkommen bereit sind beziehungsweise wo Ihre persönliche rote Linie ist. Diese rote Linie ist Ihnen heilig, auch wenn Sie sich unbeliebt machen oder sogar Nachteile davontragen.

Warum ist es so wichtig, auch einmal einige kraftvolle Schritte „zur Seite“ zu machen und nicht mehr das gleiche, monotone Leben weiterzuleben, das man schon immer kannte? Was sind die Konsequenzen, wenn sich jemand entscheidet, vollkommen regelkonform und angepasst durch das Leben zu gehen? Welche Auswirkung hat das auf den gesamten Erfolg eines Menschen, sei es beruflich oder privat?

Zunächst kann jeder frei entscheiden, ob er sein monotones, weitgehend fremdbestimmtes Leben bis zum Sanktnimmerleinstag fortführt oder irgendwann doch aus dem Hamsterrad ausbricht. Wer allerdings völlig konform mit der Norm bleibt, hält seine Lebendigkeit und damit auch seine Kraft und Kreativität unter dem Deckel. Das ist für die Person selbst unbefriedigend, aber auch für ihren Arbeitgeber und die Kollegen. Denn wer sich nicht auch persönlich weiterentwickelt und so gar nicht aus sich herauskommt, wirkt in jedem engagierten Team eher als Bremse.

Sehr oft braucht es für den Aufbruch in ein authentischeres Leben einen gewissen Leidensdruck, zum Beispiel in Form eines Erschöpfungssyndroms, einer schweren Erkrankung, einer Trennung oder einer Sinnkrise – Erscheinungen, die nach kleineren, erfolgreich ignorierten Warnschüssen die unmissverständliche Botschaft senden, dass es so definitiv nicht weitergeht.

Wo äußerlicher Erfolg in Form von Leistung, Position, Lebensstandard, Partner, Freundschaften und so weiter das Maß aller Dinge war, ist es freilich schwierig, plötzlich die Orientierung aus dem eigenen Selbst zu beziehen, denn da scheint erst einmal nur Leere zu herrschen.

In letzter Konsequenz muss der Antrieb für den Weg der Echtheit von innen kommen, wie es der mittelalterliche Mythos vom Heiligen Gral beschreibt: Jeder Ritter sollte für sich alleine zur Suche in den Wald aufbrechen, jeder an seiner dunkelsten Stelle. Es überrascht nicht, dass die Legende meistens wörtlich und damit missverstanden wurde; natürlich hat niemand den Pott je gefunden. Denn der Gral sind Sie selbst und die Suche entsprechend anspruchsvoll. Wer fündig wird, lebt ungleich kraftvoller und erfüllter – unabhängig vom äußeren, kurzlebigen Glück.

Vielen Dank, Herr Rentel, für die klaren Worte und den ersten Einblick auf die Herausforderungen, die authentisches Leben und Handeln mit sich bringen! Wir freuen uns auf Teil Zwei unseres Gesprächs!

Das Interview mit Klaus Rentel führte Oliver Foitzik, Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO sowie Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

Anmerkung der Redaktion: Teil Zwei des Interviews mit Klaus Rentel wird am Donnerstag, den 26. März 2020 erscheinen.

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Über Klaus Rentel

Klaus Rentel auf einer Wiese mit einem Schwert
Klaus Rentel ist der Autor von „Lieber echt als recht: Von der Kunst, authentisch aus der Reihe zu tanzen“. In seinem Ansatz und vielseitigen Methoden-Mix bringt er auch Kampfkunst-Wissen mit ein. (Bild: © Jutta Panke)

Echtheit ist für Klaus Rentel ein Herzensanliegen; Lösungen und Gesinnungen von der Stange waren nie sein Ding. Die persönliche Differenzierung und Orientierung am eigenen Wesenskern standen immer auch bei seinen vielfältigen beruflichen Weiterbildungen wie Training, Coaching oder Schwertarbeit im Zentrum. Seit 15 Jahren fordert und fördert er seine Kunden einzeln und in Gruppen, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei auf möglichst schlichte Weise einschränkende Denk- und Verhaltensgewohnheiten zu verändern, stimmige Grenzen zu setzen oder einengende Regeln zu brechen, um zufrieden nach inneren Maßstäben zu leben – im lebendigen Kontakt zur Außenwelt.

Das Potenzial, die Kraft und Kreativität eines Menschen liegen in seiner Authentizität, und die unterscheidet nicht zwischen privat und beruflich. Wer mit Klaus Rentel arbeitet, will dieser Echtheit und damit sich selbst weiter auf den Grund gehen, um – mit Herz und Schwert – seine klaren und unverwechselbaren Spuren in der Welt zu hinterlassen. Mehr erfahren Sie unter https://klausrentel.com.

 

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Oliver Foitzik

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