Management

Die Innovationskraft in Unternehmen erhöhen

Die Aussage, dass Weiterentwicklungen und Innovationskraft Erfolgsbedingung für Unternehmen seien, ist „Common Sense“. Doch oft verschwimmen Begrifflichkeiten: Was sind überhaupt echte Innovationen und was sind nur leichte Verbesserungen? Wann ist ein Manager Innovator und Unternehmer zugleich? Wie können Unternehmen ihre Innovationskraft erhöhen? Damit befasst sich der mehrfache Buchautor und Unternehmensberater Dr. Georg Kraus.

 

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Gerade in Großkonzernen leidet oft die Innovationskraft unter dem operativen Geschäft. (Bild: Q.pictures / pixelio.de)

Großkonzerne verlieren Innovationskraft

Laut Selbstauskunft und Werbebroschüren sind (fast) alle Unternehmen auch innovativ, bereit neue Wege zu gehen. Aber „Innovation“ ist ein starkes Wort – und schaut man genauer hin, dann sind es oft die Großkonzerne, die als träge Kolosse Innovationskraft verloren haben und sich auf das Drehen an Stellschrauben beschränken. Deshalb sollte man zuerst einmal den Blick dafür schärfen, was Innovationskraft überhaupt ausmacht.

1. Innovationen sind immer zielgerichtet. Ihre Entwicklung verfolgt eine bestimmte Absicht und ist systematisch auf Erfolg getrimmt. Oder, um es mit den Worten von Thomas Edison, dem Erfinder der Glühbirne zu sagen: „Was sich nicht verkaufen lässt, will ich nicht erfinden.“

2. Jede noch so kleine Verbesserung in der Produktqualität oder im Management wird in Unternehmen oft als „Innovation“ verkauft. Tatsächlich zeigt sich die Innovationskraft von Unternehmen aber darin, ausgetretene Pfade zu verlassen: Ein so genannter Musterwechsel vollzieht sich, der die Lösung von Problemen ganz anders angeht, als das bisher der Fall war. Innovationskraft zeigt sich also vor allem in der Fähigkeit, über bisherige Grenzen hinauszudenken.

3. Nicht das Folgen einer Mode oder eines Trends ist Motor für Innovationen, sondern echte Entwicklungsschübe, z.B. in Sachen Technologie. Diese Technologieschübe sind so fundamental, dass sich die Paradigmen in Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Innovationskraft setzte z.B. die Entwicklung der Informationstechnologie frei, die den Computer, Mobilfunk, Internet und das Web 2.0 ermöglichte.

Die Innovationskraft stärken

Um also echte Innovationen zu fördern, reicht es nicht, kreative und flexible Mitarbeiter einzustellen. Die Innovationskraft eines Unternehmens muss von der Managementebene aus gestärkt und mit getragen werden. Deshalb ist für eine Erhöhung der Innovationskraft eine zukunftsorienterte Managementkultur Voraussetzung. Unternehmensführer sollten daher das Tagesgeschäft soweit wie möglich delegieren, um sich stärker der Weiterentwicklung widmen zu können. Als Top-Manager können Sie die Innovationskraft ihrer Organisation mit sechs Maßnahmen stärken:

1. Konfrontieren Sie Ihre Mitarbeiter mit der Marktrealität. Geben Sie ihnen die Chance, dort, wo gerade wichtige Entwicklungen stattfinden, dabei zu sein. Das können sich entwickelnde Märkte wie die Schwellenländer sein, oder innovative Unternehmen, wie Technologieführer. Auch Negativbeispiele sind interessant: Versuchen Sie Ihren Mitarbeitern Einblick in Unternehmen zu geben, die aktuelle Entwicklungen versäumt haben. Besonders interessant sind solche Einblicke natürlich für Führungskräfte, da sie in Ihrem Unternehmen als Multiplikator dienen.

2. Querdenker belohnen. Auch wenn ihre Ideen nicht (gleich) umsetzbar sind: Wer neue Ideen hat und versucht, das Unternehmen voranzubringen, sollte dafür belohnt werden. Das Signal: Wir möchten unsere Innovationskraft erhöhen und wünschen uns deshalb Mitarbeiter, die nach neuen Lösungen suchen.

3. Regeln und Strukturen hinterfragen. Nur wenn Ihre Mitarbeiter das Gefühl haben, Regeln und Strukturen hinterfragen zu dürfen, ja sogar zu müssen, üben sie, sich aus überkommenen Denkmustern zu befreien. Denn Strukturen sind kein Selbstzweck, sondern dienen dazu, die Arbeit zu erleichtern. Ist das nicht mehr der Fall: Weg damit.

4. Fehlerkultur schaffen. Wenn Ihre Mitarbeiter auf dem Weg zur Erneuerung Rückschläge erleiden und Fehler machen, strafen Sie sie auf keinen Fall dafür ab. Im Gegenteil: Nur mit einer offenen Fehlerkultur gelingt es, dass Ihre Mitarbeiter aus den eigenen Fehlern und denen ihrer Kollegen lernen.

5. Schaffen Sie Kreativ-Inseln. Nachwuchskräfte und Experten, Führungskräfte und Mitarbeiter können sich in solchen „Creativ-Labs“ austauschen und neue Ideen oder Business-Modelle entwickeln. Durch den informellen Charakter gelingt es hier oft leichter, über den Tellerrand hinauszublicken.

6. Das Management für die Erhöhung der Innovationskraft einsetzen. Statt nur stupide das Tagesgeschäft abzuarbeiten sollten Sie Ihren Mitarbeitern und Führungskräfte auch stets Zeit einräumen, Zukunftsfragen zu diskutieren. Sprechen Sie deshalb auch in Meetings gezielt Fragen an wie: „Welche (technologischen) Entwicklungen gibt es?“, „Was bedeuten Sie für uns?“, „Wie könnten sie sich weiter entwickeln?“ Räumen Sie hierfür ganz gezielt Zeit ein, schaffen Sie eigene Tagesordnungspunkte in Konferenzen und machen Sie Vereinbarungen zu Berichterstattung und definieren Sie Meilensteine. Nur wenn Sie es wirklich ernst meinen und diese Punkte in Ihr Tagesgeschäft integrieren, werden Sie vom Management Input bekommen!

Dr. Georg Kraus, Dr. Kraus & Partner
Bild: © Dr. Georg Kraus, Dr. Kraus & Partner

Denn: Wenn sich Ihr Management und Ihr Unternehmen nur

noch auf kurzfristige Verbesserungen konzentriert, mag das eine Weile gutgehen. Langfristig jedoch bekommen Sie ein Problem.Märkte verändern sich in immer schnelleren Zyklen radikal. Nur wer mit seiner Innovationskraft hier Schritt halten kann, der wird nachhaltig erfolgreich sein.

 

Über Dr. Georg Kraus

Dr. Georg Kraus ist geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal (www.kraus-und-partner.de). Der diplomierte Wirtschaftsingenieur ist Autor mehrerer Change- und Projektmanagement-Bücher. Seit 1994 ist er Lehrbeauftragter an der Universität Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence und der technischen Universität Clausthal.

Katja Heumader

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