Management

Erfolgssucher-Unternehmen als Unternehmenskultur

… aus der neuen AGITANO-Themenserie „Culture Eats Strategy For Breakfast – Aktive Steuerung der Unternehmenskultur im Zentrum moderner Unternehmensführung“ mit dem Executive Coach und Begleiter von ganzheitlicher Unternehmensentwicklung, Franz Neumeyer. Nachdem Sie vergangene Woche über das Loyale Unternehmen (“Typische Unternehmenskulturen – das Loyale Unternehmen”) lesen konnten, stellt Ihnen Franz Neumeyer heute das Erfolgssucher*-Unternehmen vor.

 

Das Erfolgssucher Unternehmen – Schlank, Schnell, Innovativ

Globalisierung, Komplexitätssteigerung und Geschwindigkeitszunahme brachten neue Kulturelemente in die Unternehmen. Hinzu kam eine neue Generation von Arbeitskräften, die mehr mitgestalten wollten. Heute dominiert diese Kulturform des „Erfolgssucher-Unternehmens“ mehr als 40 Prozent der Organisationen in der westlichen Welt. Es basiert auf anderen Denk- und Verhaltensmustern als das „Loyale Unternehmen“, d.h. ein weitgehend anderer „Eisberg“ (siehe Artikel 2) ist wirksam. Der Transformationsprozess von ehemaligen „Loyalen Unternehmen“ wie der Deutschen Telecom, der Deutschen Bahn oder Siemens in „Erfolgssucher Unternehmen“ dauerte zum Teil mehr als zwanzig Jahre. Viele haben ihre Dominanz verloren wie z.B. AEG oder Grundig. Noch mehr sind komplett vom Markt verschwunden.

Erfolgssucher-Unternehmen
Die typische Unternehmensstruktur im Erfolgssucher-Unternehmen. (Quelle: Bär et al.*)

Die Kultur des „Erfolgssucher-Unternehmens“, ist eine individualistisch geprägte Kultur im Sinne der Aufklärung (im Gegensatz zur konformistischen, kollektiven Kultur des „Loyalen Unternehmens“). Sie speist sich aus dem Wunsch nach individueller Freiheit, Vernunft und  Darwin’s Proklamation des „Survival of the fittest“. Diese Kultur eignet sich besonders für Organisationen in einem Umfeld mit hoher Wettbewerbsintensität und hohem Innovationsdruck. Häufig kommt sie in Bereichen wie Vertrieb oder Produktmanagement vor.

Das „Erfolgssucher-Unternehmen“ zeichnet sich aus durch:

Werte: Gewinnen, Wettbewerb, Erfolg, Leistung, Vernunft, Effizienz, Effektivität, Innovation, Wissen, Individuelle Freiheit

Motivation: Persönliche Erfolgsmaximierung, Wachstum, Unternehmenswertsteigerung, „Wir wollen die Nr. 1 sein in …“

Struktur: Flache, schlanke Hierarchien, Bereichsübergreifendes Projekt- und Programm-Management

Prozesse: Verantwortungsbereiche entlang von Wertschöpfungsketten, kontinuierliche Verbesserung der Prozesseffizienz, vertiefte Integration von Kunden und Marktorientierung, leistungsabhängige Beförderung und Bezahlung, Fokussierung auf Kernkompetenzen, Vernetzung mit Kunden und Lieferanten

Führung: „Predict + Control“ über Strategien, Zieleorientierung, Budgets und Follow Up, Delegation und Feedback, Eigeninitiative erlaubt und gewünscht, überwiegend Management Orientierung mit Leadership-Elementen, Mitarbeiterentwicklung zur Effektivitätssteigerung, Entscheidungskompetenz auf vielen Ebenen, Unternehmen wird als „Maschine“ verstanden, Unternehmenskultur als „Soft Stuff“ ignoriert, Status über Business Class, Aktien Optionen, Golfclub Mitgliedschaft…

Umgangsformen: Zunehmende hierarchie- und bereichsübergreifende Kommunikation („Du“), Eigenverantwortung, unternehmerisches Denken, nur das Messbare ist relevant, teilweise informelle Kleidung, professionelle Maske: Immer erfolgreich, kompetent und beschäftigt wirken.

Erfolgssucher-Unternehmen
Ehemals loyale Unternehmen entwickeln sich unter Globalisierungs- und Wettbewerbsdruck oft zu Erfolgssucher-Unternehmen. Beispiele sind Multinationale Konzerne oder Investmentbanken. (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

Das Erfolgssucher-Unternehmen – nichts für Menschen, die Sinn suchen

Diese Kultur hat vielen Menschen zahlreiche technologische Neuerungen ermöglicht, mehr Spielraum bei der Mitgestaltung im Arbeitsumfeld und hat den Wohlstand wachsen lassen.

Zunehmend zeigen sich aber die Grenzen: Die einseitige Ausrichtung auf materielle, messbare und insbesondere finanzielle Kriterien beim Erfolgssucher-Unternehmen gibt zu wenig Raum für die immateriellen Bedürfnisse der Menschen. Burnout, Wertezerissenheit und mangelnde Sinnhaftigkeit sind die Folge. Gleichzeitig führt das permanente Wachstumsstreben zur ungebremsten Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen. Gesellschaftliche und ökologische Probleme sind die Folge.

Kurzfristorientierung und hohe Individualisierung führen immer weniger zu Lösungen, die der hochkomplexen und hochvernetzen Welt gerecht werden können. Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für junge Menschen sinken.

Erfolgssucher-Unternehmen
Ein modernes Büro – zum Beispiel in einem Erfolgssucher-Unternehmen. (Bild: Margot Kessler / pixelio.de)

Übertragung auf das eigene Unternehmen

Mit den folgenden Fragen können Sie herausfinden, wie viel vom Erfolgssucher-Unternehmen in Ihrem Unternehmen oder Bereich stecken:

– Wie groß ist der Anteil vom „Erfolgssucher-Unternehmen“ in Ihrer Kultur?

– Wer prägt diesen Aspekt der Kultur besonders und wodurch?

– Brauchen Sie im Bezug auf die Ausrichtung des Unternehmens/Bereichs mehr oder weniger Elemente dieser Kultur?

– Was könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein?

Fazit

Kulturen entwickeln sich immer weiter. Defizite der „Loyalen Kultur“ haben zur Entwicklung der „Erfolgssucher Kultur“ geführt. Die oben aufgezeigten Grenzen dieser Kultur haben zur Entwicklung der „Teamorientierten Kultur“ geführt, in der erstmals das Thema Unternehmenskultur eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Unternehmens spielt.
In der nächsten Woche werde ich deshalb die Kultur des Teamorientierten Unternehmens vorstellen, in dem die Bedürfnisse des Einzelnen und der Gesellschaft wieder eine größere Rolle spielen. Sie werden auch wieder die Gelegenheit haben, sich selbst und Ihr Unternehmen einzuordnen.

*Bezeichnung aus: Bär, M. / Krumm, R. / Wiehle H. 2007: Unternehmen verstehen, gestalten, verändern. Wiesbaden: Gabler-Verlag.

 

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Experte für Unternehmenskulturen. (Foto: © Franz Neumayer)

Über Franz Neumeyer

Franz Neumeyer ist ein ganzheitlicher Executive Coach und internationaler Experte für Unternehmenskulturen. Seit mehr als zwölf Jahren ist er als Executive Coach, Teamcoach und integraler Prozessbegleiter von werteorientierter Unternehmenstransformation international tätig. Bevor er sich 2002 selbständig machte, war der studierte Diplom-Ingenieur mehr als 15 Jahre in leitender Position in der mittelständischen Wirtschaft tätig, sieben Jahre davon als Geschäftsführer in Nordamerika. Neumeyer ist  zudem „Professional Certified Coach (PCC)“ der International Coaching Federation.

Mehr über Franz Neumeyer erfahren Sie auf unserem AGITANO-Expertenprofil und im Internet auf www.global-synergies.com.

Katja Heumader

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